Wimsheim Dörfliche Beschaulichkeit oder mehr Neubaugebiete?

Von Florian Mader 

Ob die Gemeinde weiter wachsen soll, darüber herrscht im Gemeinderat Uneinigkeit. Jetzt wird erst geprüft.

Streuobstwiesen-Idylle in der Mörikestraße. Wird hier gebaut? Foto: Andreas Gorr
Streuobstwiesen-Idylle in der Mörikestraße. Wird hier gebaut? Foto: Andreas Gorr

Wimsheim - Idyllisch zwischen den Hügeln, dort wo der Grenzbach entspringt, liegt Wimsheim, klein, überschaubar. Die knapp 3000 Einwohner genießen vor allem die Natur. „Ja, die Streuobstbäume sind wirklich ein Charakteristikum für uns“, sagt zum Beispiel Sandra Beck-Lankocz, eine der Einwohnerinnen.

Bürgermeister Mario Weisbrich erlebt im Rathaus tagtäglich die andere Seite dieser Medaille. „Bei uns kommen die Nachfragen nach neuer Wohnfläche an“, berichtet er. „Momentan können wir nichts anbieten.“ Weisbrich will das ändern, arbeitet daran, neue Bauflächen zu erschließen, damit junge Familien auch weiterhin die Möglichkeit haben, in Wimsheim zu bleiben.

Ordentliche Preissteigerung

„Wir erleben ja momentan auch eine ordentliche Preissteigerung“, hat er festgestellt. Die Folgerung des Bürgermeisters lautet daher: Mehr Angebot muss her, damit das Bauland auch zukünftig bezahlbar bleibt. Dabei ist Wimsheim in den vergangenen Jahren schon ordentlich gewachsen. 1988 hatte die Gemeinde 106 Hektar bebaute Fläche, heute sind es 155 Hektar.

Eine, die davon profitiert hat, war Sandra Beck-Lankocz. „Als wir 2003 nach Baden-Württemberg kamen, hatte natürlich die passende Mietwohnung den Ausschlag gegeben“, schreibt sie auf ihrer Homepage. „Die fanden wir in Wimsheim.“

Heute sitzt sie für die Liste Bürgerinitiative (BI) im Gemeinderat – und ist dagegen, dass Wimsheim noch mehr wächst. „Das ist doch eine Immobilienblase, die wird platzen“, wettert sie am Dienstagabend. Anlass war ein Vorschlag des Bürgermeisters, nach weiteren, möglichen Neubaugebieten zu suchen. Im März hatte der Bundestag das Baugesetzbuch geändert. Seitdem dürfen Städte und Gemeinden weitere Neubaugebiete beantragen, ohne die sonst vorgeschriebene, bürokratisch aufwendige Änderung des Flächennutzungsplans.

Die Gebiete dürfen nur einen Hektar groß sein und müssen an bestehende Siedlungsflächen grenzen. Drei Flächen, die in Frage kämen, hat Bürgermeister Weisbrich ausfindig gemacht: Eine Häuserreihe beim Tannweg, eine Fläche zwischen Breitlohweg und dem Friedhof und ein Gebiet östlich der Mörikestraße.

„Flickschusterei“

Im Gemeinderat stößt dies auf geteiltes Echo. „Das ist Flickschusterei“, sagt Holger Lehmann (BI). „Wir können nicht zunehmend an der Ortsrandlage erweitern, bei gleichzeitiger Ausdünnung im Ortskern“, schimpft sein Fraktionskollege Stefan Döttling. Und Rita Boller von der „Wimsheim.Miteinander“ warnt, dass mit mehr Einwohnern auch beträchtliche Folgekosten auf die Gemeinde zukämen – etwa Kindergarten, Schule, Kläranlage, Verkehr. „Wir haben schon viel erweitert“, sagt sie. „Aber für so eine Erweiterung ist unsere Gemeinde nicht ausgelegt.“

Die nächste Erweiterung steht Wimsheim noch aus. 2018 werden 2,5 zusätzliche Hektar im „Frischegrund“ erschlossen. Danach wären im Flächennutzungsplan zufolge auch noch die Neubaugebiete „Wenntal“ (3,5 Hektar) und „Im Rot“ (1,7 Hektar), auch wenn es dafür noch keine konkreten Pläne gibt. Dennoch reicht all das nicht, sagt der Bürgermeister: „Die 30 Bauplätze vom Frischegrund könnte ich sofort verkaufen, es gibt mehr als genug Interessenten.“

Und auch den Vorwurf, dass er den Ortskern vernachlässigt, weist er zurück, verweist auf das Sanierungsprogramm, für das sich Wimsheim bewirbt – und präsentiert erstmals der Öffentlichkeit das Gebiet, das für das Sanierungsprogramm in Frage kommt. Dabei bekommen private Hausbesitzer Geld, wenn sie investieren – oder Baulücken schließen. Elf Baulücken tauchen in dem Gebiet auf. „Das ist nicht übermäßig viel“, sagt Weisbrich. „Mein Vorschlag daher: Lassen wir doch Außenentwicklung und innerörtliche Entwicklung parallel laufen.“ Das überzeugt. Bei zwei Gegenstimmen entscheidet sich der Gemeinderat dafür, die drei weiteren Neubaugebiete von einem Gutachter näher untersuchen zu lassen.