Windhunderennen in Filderstadt Als Plattenhardt einen echten Lauf hatte

Von Caroline Holowiecki 

In den 1950ern und 1960ern befand sich in der Nähe des heutigen Wohn- und Pflegezentrums Sankt Vinzenz eine international bekannte Windhunderennbahn. Ein neues Schild mit Infos und historischen Fotos erinnert an diese glorreiche Zeit.

Volle Ränge beim Windhunderennen, vermutlich um das Jahr 1958. Foto: privat 4 Bilder
Volle Ränge beim Windhunderennen, vermutlich um das Jahr 1958. Foto: privat

Plattenhardt/Stuttgart-Vaihingen - Plattenhardter Sportfans erinnern sich heute noch gern an die Zeiten, als es die großen Namen der Tenniswelt zum Grand Prix in den Weilerhau zog. Weniger bekannt ist indes, dass im Örtchen bereits in den 1950ern und 1960ern internationale Wettbewerbe und sogar Europameisterschaften ausgetragen wurden. Hinter der Plattenhardter Heide, zwischen dem Wohn- und Pflegezentrum Sankt Vinzenz und der Straße zur Burkhardtsmühle, befand sich einst eine Windhunderennbahn. Bis zu 4000 Zuschauer verfolgten seinerzeit die Veranstaltungen, hat Nikolaus Back, der Filderstädter Stadtarchivar, herausgefunden. „Das war schon hochkarätig“, sagt er.

Ein Mann aus Stuttgart-Vaihingen hat das angestoßen

Ein Vaihinger Bürger brachte den außergewöhnlichen Sport nach Plattenhardt, erklärt der Geschichtsexperte. Gerold Barisch richtete demnach als Vorsitzender des Rennvereins Schwaben 1951 das erste Windhunderennen in der Bundesrepublik aus. 1953 pachtete der Club schließlich das Grundstück in Plattenhardt und errichtete die 325 beziehungsweise 450 Meter lange Bahn in U-Form – laut Nikolaus Back die erste feste Rennbahn in Westdeutschland. Das erste Rennen auf dem Filder-Kurs fand schließlich im Oktober 1955 statt. Die schnellsten Windhunde – Greyhounds, Whippets, Barsois und Afghanen – sprinteten mit mehr als 60 Kilometern pro Stunde einem künstlichen Hasen hinterher, den eine Maschine zog. „Manchmal ist das Hasenfell aus der Spur rausgesprungen. Dann sind die Hunde randalierend und bellend auf das Fell los und haben es sich gegenseitig aus den Schnauzen gerissen“, sagt Johannes Jauch.

Eine Mordssache, ein Mordsereignis

Er selbst ist Jahrgang 1945 und kann sich noch lebhaft an das Spektakel erinnern. „Für uns als Jugendliche war das eine Sensation.“ Die Bahn habe mit einer großen und einer kleinen Kurve ausgesehen „wie ein kleiner Formel-1-Kurs“, die Hunde seien aus kleinen Kabinen heraus auf Kommando gestartet, „wie beim Pferdesport“, erzählt er. Das Ganze habe internationales Flair ins Dorf gebracht. „Die vielen Leute, die anderen Autos, fremde Sprachen, Englisch oder Holländisch. Das war eine Mordssache, ein Mordsereignis“, erzählt der Vorsitzende des örtlichen Vereinsrings, und die Leute aus dem Flecken seien in Scharen gekommen und hätten die Rennen in Dreierreihen stehend von den Staffeln aus beobachtet. 1962 endet diese Ära bereits wieder, denn Gerold Barisch zog sich aus persönlichen Gründen aus dem Sport zurück.

Heute ist von den glorreichen Hundesport-Zeiten nicht mehr viel übrig. Lediglich Teile des Ovals sind noch zu erkennen, zudem die Stufen der Tribüne, sagt Johannes Jauch. Nikolaus Back: „Was blieb, waren die Erinnerungen an eine der schönsten Rennbahnen Europas.“ Und damit diese Erinnerung nicht verblasst, haben der Geschichts- und Heimatverein, der Vereinsring und das Stadtarchiv jüngst Schilder aufstellen lassen. Eine kleine Hinweistafel an der Zufahrt zu Sankt Vinzenz weist Spaziergängern den Weg zum frei zugänglichen Gelände, dort steht eine große Schautafel mit Fotos, Plakaten und Texten.




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