„Wir sind alle LinX“-Demo in Leipzig Steinwürfe und brennende Barrikaden

In Leipzig ist es bei einer Demonstration zu Ausschreitungen gekommen. Foto: dpa/Jan Woitas
In Leipzig ist es bei einer Demonstration zu Ausschreitungen gekommen. Foto: dpa/Jan Woitas

Eine antifaschistische Demonstration in Leipzig beginnt friedlich, doch dann fliegen Steine. Später brennt es auf der Straße. Die Empörung ist groß, vor allem über ein Banner, auf dem ein leitender Polizist namentlich bedroht wird.

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Leipzig - Bei der größten radikal linken Demonstration seit Jahren in Leipzig ist es am Samstag zu Ausschreitungen gekommen. Während des Aufzugs von der Innenstadt in den Leipziger Süden wurden mehrere Bankgebäude mit Steinen beworfen. Gegen die Fassade der Polizeidirektion Leipzig flogen Flaschen und Böller. Auf einem Banner wurde der Chef der Extremismus-Einheit der sächsischen Polizei bedroht. Nach dem offiziellen Ende entzündeten Vermummte im Stadtteil Connewitz eine große Barrikade und ein weiteres Feuer auf der Straße. An der Demo unter dem Motto „Wir sind alle LinX“ hatten sich mehrere tausend Menschen beteiligt. Es war bundesweit mobilisiert worden.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) kritisierte die Demonstration am Sonntag scharf. „Steinwürfe, Brandstiftung, verletzte Polizisten - diese Demonstration war nicht friedlich. Erschreckend: Auf einem Hass-Transparent wird an die Morde der linksterroristischen RAF angespielt. Von dieser Demonstration müssen sich Demokraten distanzieren“, erklärte der SPD-Politiker.

Morddrohungen gegen Polizisten

Der Generalsekretär der sächsischen CDU, Alexander Dierks, bezeichnete die Ereignisse als „inakzeptabel“. Wieder einmal sei Leipzig „in Geiselhaft von Linksextremen genommen“ worden. Grünen-Chef Robert Habeck sagte, so wie Mordaufrufe auf Plakaten von rechts nicht hinnehmbar seien, könne man auch Morddrohungen gegen Polizisten nicht einfach hinnehmen.

Laut Polizei beteiligten sich in der Spitze bis zu 3500 Menschen an der Demonstration, die Organisatoren sprachen von 6000. Anlass war der Prozess gegen die Leipziger Studentin Lina E. und drei Mitangeklagte aus Leipzig und Berlin wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Attacken auf mutmaßliche Rechte. Es wurde die sofortige Freilassung der Frau gefordert. Außerdem kritisierten die Veranstalter eine „Kriminalisierung von Antifaschismus“ und rechte Netzwerke innerhalb der Sicherheitsbehörden.

Die Demonstration begann zunächst friedlich, auch wenn immer wieder Böller und Bengalos gezündet wurden. Als der Zug die Polizeidirektion Leipzig passierte, wurden Flaschen, Feuerwerkskörper und laut Polizei mit Farbe gefüllte Gegenstände gegen das Gebäude geworfen. Entlang der Demo-Route sammelten einzelne schwarz Vermummte immer wieder Pflastersteine auf und schleuderten sie gegen die Scheiben mehrerer Bankgebäude. Auch ein Haus mit Studentenappartements war Ziel.

Sieben Polizisten leicht verletzt

Ein schwarzer Block innerhalb der Demonstration trug ein Transparent mit einer Drohung gegen den Chef des Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ). „Bald ist er aus Dein Traum, dann liegst Du im Kofferraum“ war auf dem Stoffbanner hinter dem Namen des PTAZ-Chefs zu lesen. Die Demonstration endete im Stadtteil Connewitz. Nachdem es dort brannte, fuhr die Polizei Wasserwerfer auf. Auch diese Fahrzeuge wurden mit Steinen beworfen. Am Abend beruhigte sich die Lage.

Die Polizei war nach eigenen Angaben mit 1000 Kräften im Einsatz. Die sächsischen Beamten hatten Unterstützung aus Berlin, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das Kampagnenbündnis, das die Demo organisiert hatte, nannte den Polizeieinsatz „zunächst weitestgehend besonnen und deeskalativ“. Auf die Steinwürfe und das Geschehen unmittelbar nach Ende der Demo in Connewitz gingen die Veranstalter in einem Statement nicht ein.

Nach Angaben der Polizeidirektion wurden sieben Beamte leicht verletzt. Es seien Ermittlungsverfahren unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet worden.

In den sozialen Medien wird bereits für die nächste Demonstration nach Leipzig aufgerufen. Am 23. Oktober soll es demnach eine „bundesweite Demonstration zur Verteidigung linker Politik“ unter dem Motto „Alle zusammen. Autonom, widerständig, unversöhnlich“ geben.




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