Im dritten Anlauf soll es klappen: Der Metzinger Modekonzern weicht mit dem Neubau eines Distributionszentrums von Nürtingen nach Filderstadt-Bonlanden aus.

Filder-Zeitung: Norbert J. Leven (njl)

Filderstadt - Neun Monate lang ist das Projekt im Verborgenen gewachsen, jetzt haben die stolzen „Eltern“ – die Stadt Filderstadt und das Weltunternehmen Hugo Boss – ihr „Baby“ der Öffentlichkeit präsentiert. Auf etwa drei Vierteln der Fläche im Bonlandener Gewerbegebiet Affelter soll bis 2014 ein neues Distributionszentrum für sogenannte Liegeware – dazu zählen mit einem Anteil von 80 Prozent am Gesamtumsatz beispielsweise Jeans, Hemden, Unterwäsche, Socken, Schuhe und Krawatten – entstehen. „Unsere Wachstumspläne bis 2020 setzen eine leistungsfähige Logistik voraus“, sagt Finanzvorstand Mark Langer.

Seit etwa fünf Jahren sucht der Modekonzern bereits einen neuen Standort für dieses Distributionszentrum, dessen Aufgaben bisher auf die Standorte Frickenhausen und Wendlingen mit zusammen 300 Mitarbeitern aufgeteilt sind. Gescheitert war das Unternehmen sowohl am Stammsitz in Metzingen wie zuletzt auch 2008/2009 in Nürtingen. Nun erfolgt ein neuer Anlauf in Filderstadt. Mit veränderten Vorzeichen, wie die Rathausspitze betont: Im Unterschied zu Nürtingen treibe man die Planung nicht in einem geschützten Bereich, sondern in einem genehmigten und teilweise bereits aufgesiedelten Gewerbegebiet voran. Nur kleinere Anpassungen seien notwendig, betont der Baubürgermeister Dieter Lentz, um die Zusammenfassung von sieben Parzellen zu legalisieren und die Höhenentwicklung der Gebäude neu anzuordnen.

„Architektur wie in Metzingen“

Noch in einem anderen Punkt weicht Boss jetzt von der in Nürtingen vor allem bei der Bevölkerung durchgefallenen Planung ab: Auf dem 58 000 Quadratmeter großen Grundstück sollen nicht ein, sondern drei verschieden große 14, 18 und 21 Meter hohe Gebäude ein Hochregallager, den Funktionsbau und Büros beherbergen. Insgesamt werden die Gebäude 23 400 Quadratmeter Fläche belegen. Von der Nutzfläche her unterscheide sich die Planung von der in Nürtingen „nur um maximal 1000 bis 2000 Quadratmeter“, sagt der Logistik-Direktor Ralf Schneider. „Die Architektur wird an bestehende Gebäude in Metzingen angelehnt“, kündigt er an. Etwa die Hälfte der heutigen Erschließungsstraße zwischen der alten B 312 und dem Kreisel am oberen Ende der Fabrikstraße wird von Boss überbaut.

Das neue Distributionszentrum ist auf 500 Beschäftigte ausgelegt. In welchem Umfang in Bonlanden neue Stellen besetzt werden, darauf will sich der Finanzvorstand Mark Langer zurzeit nicht festlegen lassen. Die in Frickenhausen und Wendlingen beschäftigten hoch qualifizierten Mitarbeiter „wollen wir dafür gewinnen, nach Bonlanden mitzugehen“.

OB verspricht Transparenz

Die Stadt werde im anstehenden Verfahren „für größtmögliche Transparenz“ sorgen, verspricht OB Gabriele Dönig-Poppensieker. Eine Bürgerinformation ist für 7. Februar geplant. Der Gemeinderat wurde erst am Montagabend in nichtöffentlicher Sitzung über das Vorhaben aufgeklärt. Dort sei sie auf „einhellige Zustimmung gestoßen“, sagt die OB. Dass sich etwas größeres anbahnt, war den Stadträten jedoch bekannt. Sie hatten im Sommer 2011 der Stadtverwaltung Verhandlungen zur Sicherung der Grundstücke erlaubt. Nur etwa die Hälfte der Fläche ist in städtischem Eigentum. Die OB spricht von einem „ambitionierten Zeitplan“. Der stellt eine Baugenehmigung bereits im Oktober in Aussicht.

Boss wird, wie das Unternehmen gestern ebenfalls mitgeteilt hat, weitere 50 Millionen Euro am Stammsitz in Metzingen investieren. Dort sollen ein sogenanntes Flagship-Outlet, ein neues Verwaltungsgebäude und ein Parkhaus entstehen.

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