Wochenmarkt in Stuttgart-Möhringen Am neuen Standort scheiden sich die Geister

Bis Juli soll der neue Marktstandort auf dem Spitalhof ausprobiert werden, dann kommt eine Bilanz. Foto: Jacqueline Fritsch
Bis Juli soll der neue Marktstandort auf dem Spitalhof ausprobiert werden, dann kommt eine Bilanz. Foto: Jacqueline Fritsch

Für die einen geht der Umzug des Wochenmarkts innerhalb von Stuttgart-Möhringen gar nicht, für die anderen ergeben sich dadurch sogar Vorteile. Ein Stimmungsbild vom Spitalhof an einem Samstag.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Möhringen - Die beiden Gemüseverkäufer sind an diesem Samstag wegen der Kälte nicht auf dem Möhringer Wochenmarkt. Die Kunden lassen sich aber von Schnee und zweistelligen Minusgraden nicht abhalten – es ist viel los im Spitalhof im Ortszentrum, an einigen Ständen muss man lange Schlange stehen. Unter den Wartenden sind zwei Frauen, die sagen, dass sie seit dem Umzug des Wochenmarkts nicht mehr gerne herkommen. „Es ist viel zu eng hier, ich kenne nur negative Meinungen zu dem Thema“, sagt eine von ihnen.

Zum Jahreswechsel ist der Möhringer Wochenmarkt vom Oberdorfplatz auf den Spitalhof gezogen. Der Gedanke der Märkte Stuttgart GmbH war, damit die Filderbahnstraße stärker zu beleben. Von vielen Seiten gab es daran Kritik. Beschicker sagten, die Zufahrt durch den Torbogen sei schwierig. Kunden bemängelten vor allem fehlende Parkplätze. Mittlerweile scheinen viele Beteiligte eine ausgewogenere Meinung zu haben.

Spitalhof ist schön, aber nicht ideal, sagt der Nudelhändler

Manfred Tuchnowski verkauft Nudeln und Eier auf dem Möhringer Wochenmarkt. Er findet den Spitalhof an sich schön, aber er sei nicht der ideale Platz für einen Markt. „Wir waren jahrelang am Oberdorfplatz, warum nimmt man diese Tradition einfach weg?“, fragt er. Einmal habe ein Kunde bei ihm vor dem Stand ein Herzproblem gehabt, sodass der Notarzt kommen musste. „Wo sollte der hier denn durchfahren? Der muss weit weg parken und dann herlaufen. Diese Verantwortung will ich nicht tragen“, sagt Tuchnowski.

Außerdem fühlt sich der Nudelverkäufer am neuen Standort persönlich benachteiligt: „Ich stehe ganz hinten, praktisch außerhalb vom Markt.“ Sein Standnachbar ist der Feinkostverkäufer Momeni. Der sieht den neuen Standort insgesamt positiv. Zwar sei das Abladen am Oderdorfplatz einfacher gewesen, aber: „Hier kommen viele neue Leute, das Geschäft läuft besser“, sagt der Verkäufer.

Auch Carmine Di Filippo vom Käsestand erzählt, dass er im Spitalhof mehr verkauft als früher. „Es hat Vor- und Nachteile“, sagt er, „mit dem ganzen Schnee war es schwierig hier reinzufahren, aber vom Platz her ist es schon schöner“. Manuela Merkle vom Bihler Lindenäckerhof meint, sie als Mitarbeiterin müsse oft weit weg parken und länger zu Fuß zum Markt laufen als früher. Außerdem stellt sie den Zeitpunkt des Umzugs in Frage: „Auf dem anderen Platz war es viel luftiger, hier ist es ziemlich gedrückt, die Schlangen sind für uns total unübersichtlich. Das ist gerade in Coronazeiten nicht das Beste“, sagt sie.

Wird die Filderbahnstraße so belebt?

Auch einige Kunden nehmen den Platz kleiner wahr als den alten. „Es ist alles dicht auf dicht“, sagt eine Frau. Das Ziel, die Filderbahnstraße durch den Markt mehr zu beleben, wird ihrer Ansicht nach nicht erreicht. „Wer hier einkaufen geht, verbindet das sicher nicht mit anderen Geschäften.“ Eine andere Kundin sieht das genauso: „Wer geht denn nach dem Marktbesuch noch eine Matratze kaufen?“, sagt sie. Wobei ja zurzeit auch Lockdown ist.

Ein Stammkunde des Möhringer Wochenmarkts, Manfred Korn, ist bekennender Gegner des neuen Standorts. „Jetzt will man die Innenstadt mit dem Markt einen Tag in der Woche beleben“, sagt er, „mit einer Drogerie könnte man die Innenstadt sechs Tage in der Woche beleben“. Ende des Monats will er eine Unterschriftenliste auf dem Markt auslegen, um ein Stimmungsbild einzufangen. „Viele fühlen sich einfach übergangen“, sagt Korn.

Drei Monate Probelauf

Unter den Marktbesuchern finden sich aber bei Weitem nicht nur negative Meinungen zum neuen Standort. Ein Mann zum Beispiel findet den Spitalhof zwar enger, das Flair sei insgesamt aber besser. „Für mich ist der Standort kein Kriterium, ob ich herkomme oder nicht“, sagt er. Eine Frau pflichtet ihm bei: „Ich komme her zum Einkaufen und nicht, damit es mir gefällt“, sagt sie. Sie müsse nun zwar etwas weiter laufen, das mache ihr aber nichts aus – bei gutem Wetter fahre sie sowieso mit dem Fahrrad. „Aber dass das zur Innenstadtbelebung beiträgt, ist dummes Geschwätz“, sagt sie. Eine andere Frau ist sogar hellauf begeistert vom Markt im Spitalhof. „Ich finde das prima“, sagt sie, „früher musste ich immer zweimal parken, um alles zu erledigen, und jetzt ist alles in der Nähe“.

Die Märkte Stuttgart GmbH will nach drei Monaten Probezeit im Spitalhof ein Zwischenfazit ziehen. Wenn nach sechs Monaten, also im Juli, massive Probleme festgestellt werden, könnte es sein, dass der Wochenmarkt wieder zurück an die Martinskirche zieht.

Unsere Empfehlung für Sie