Wohnbauoffensive in Fellbach Bald knabbert der Bagger am Sprungturm

Von Dirk Herrmann 

Die Verwandlung des ehemaligen Hallenbad-Areals in ein neues Wohngebiet wird konkret. Der Abbruch von Startblöcken, Schwimmbassin und Halle dürfte nach den Sommerferien beginnen. 2023 könnten die ersten neuen Bewohner einziehen.

In wenigen Monaten wird die alte Schwimmhalle abgerissen. Foto: Patricia Sigerist
In wenigen Monaten wird die alte Schwimmhalle abgerissen. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Dies ist kein Anblick mehr für die Ewigkeit – vielmehr bietet sich den Nachbarn wie den Flaneuren demnächst eine deutlich andere Perspektive als die letzten Jahrzehnte. Vermutlich nach den Sommerferien beginnen die Abrissarbeiten am alten Hallenbad.

Unter dem Oberbegriff „Wohnen Süd“ sind drei Areale aufgelistet

Per einstimmigem Votum hat der Bau- und Verkehrsausschuss die Aufstellung des Bebauungsplans „Schillerstraße“ für gut befunden. „Alle warten, dass es endlich losgeht“, brachte Baudezernentin Beatrice Soltys den Sachverhalt auf den Punkt, man werde nun „das Verfahren weiter in Gang bringen“. Die endgültige Entscheidung am 4. Februar im Gesamtgremium ist demnach nur noch Formsache.

Das Gebiet gehört zur von OB Gabriele Zull angestoßenen Wohnbauoffensive 2020, um die Potenziale in den inneren Stadtbereichen so schnell wie möglich für sozialgerechten Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Unter dem Oberbegriff „Wohnen Süd“ sind drei Areale aufgelistet: Das einstige Freibadgelände, der Bereich Kühegärten/Apfelweg westlich der Esslinger Straße und eben das frühere Hallenbadgelände. Genau dieses wird nun aus jenem Süd-Trio als erstes realisiert.

Die Bezeichnung „Urbanes Wohnen im Zentrum“ könnte dabei kaum treffender gewählt sein

Die Arbeiten für dieses „Filetstück mitten in Fellbach“, wie Gabriele Zull das Hallenbad-Areal gerne tituliert, sind schon recht weit gediehen. Mit der Umsetzung beauftragt wurde, als Folge eines Wettbewerbs vor gut einem Jahr, das Siedlungswerk Stuttgart, das in Fellbach bereits durch Projekte wie „Wohnen für alle“ entlang der Siemensstraße bekannt ist. Die Bezeichnung „Urbanes Wohnen im Zentrum“ könnte dabei kaum treffender gewählt sein. Schließlich ist ein zentraleres Domizil für die baldigen Neubürger kaum denkbar: Das Rathaus und das Rathaus-Carrée etwa mit seiner Markthalle und anderen Einzelhandelsgeschäften oder Ärzten liegen 200 Meter entfernt, die Schwabenlandhalle ist zu Fuß in einer Minute erreichbar, zudem befindet sich in der Nähe „ein zentraler Knotenpunkt des ÖPNV“, wie es in der entsprechenden Sitzungsvorlage heißt, mit der Stadtbahn- und Bushaltestelle Lutherkirche.

Im Fellbacher Ausschuss war einhellig Zufriedenheit bis Begeisterung über diesen nächsten Schritt zur Realisierung zu spüren

Fünf Häuser sind auf dem Gelände vorgesehen. Das Gebäude direkt an der Ecke Schillerstraße und Untere Schwabstraße, einst als „städtebauliche Akzentuierung“, als „baulicher Hochpunkt“ und „Mini-Hochhaus“ mit fünf oder sechs Stockwerken skizziert, wird mittlerweile als eine viergeschossige Flachdachbebauung bezeichnet – dieses Gebäude sei „intensiv zu begrünen“, so die Vorgabe. Für die anderen vier Häuser wird eine dreigeschossige Satteldachbebauung ermöglicht. Insgesamt 58 lichtdurchflutete und helle Wohnungen sind vorgesehen – 48 zum Teil mietgeminderte Wohnungen und zehn Eigentumswohnungen. Bei der Tiefgarage sind Zu- und Ausfahrten „zur Schillerstraße hin fixiert“. Wenn Startblöcke, Sprungturm und Schwimmbecken abgerissen sind, folgt vermutlich zum Jahresbeginn 2021 der Start für den Bau. Zwei Jahre später könnten dann die Mieter beziehungsweise Eigentümer einziehen.

Im Fellbacher Ausschuss war einhellig Zufriedenheit bis Begeisterung über diesen nächsten Schritt zur Realisierung zu spüren. Weniger zufrieden waren einige Nachbarn aus dem Buchenweg, die sich in der nur wenige Minuten dauernden öffentlichen Sitzung genauere Auskünfte erhofft hatten – etwa darüber, ob sie während der Bauarbeiten womöglich tage- oder wochenlang gar nicht mit dem Auto zu ihren Häusern hin- oder von dort wegkommen. Baurechtsamtsleiterin Marion Maiwald versicherte den Bürgern allerdings direkt nach der Sitzung im Foyer, dass es für die Anwohner genügend Informationen kurz vor Baubeginn gebe.

Auf dem Areal wurden inzwischen übrigens, wie im Dezember angekündigt, fünf Bäume entfernt, die „durch Hitze und Trockenheit in Mitleidenschaft gezogen wurden“, wie es hieß. Wer einen Blick in den Hallenbad-Garten wirft, kann jetzt nur noch Baumstümpfe sehen.