Laut Prognosen leben im Jahr 2035 etwa 48 000 Menschen in Filderstadt. Die Frage ist allerdings: wo genau? Denn wegen der wachsenden Zahl an Einwohnern werden 2160 zusätzliche Wohnungen gebraucht.

Filderstadt - Neben dem Verkehr ist fehlender Wohnraum das Problem Nummer eins auf der Filderebene. 2018 hat der Filderstädter Gemeinderat daher den Grundsatzbeschluss gefasst, ein „Handlungsprogramm Wohnen“ aufzulegen. Und das tut Not.

Bernd Lahr, der Leiter des Amtes für Stadtplanung und Stadtentwicklung, geht davon aus, dass im Jahr 2035 etwa 48 000 Menschen in Filderstadt leben werden. 2160 zusätzliche Wohnungen werden gebraucht. Aber welche Art von Wohnungen? „Neben der Quantität tritt immer mehr die Qualität in den Fokus“, sagte er in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses. Der sogenannte Teil A des „Handlungsprogramms Wohnen“ ist bereits fertig. In einer Analyse, deren Ergebnisse Anfang März 2020 vorgestellt wurden, wurde herausgearbeitet, dass in der Kommune vor allem auf drei Feldern Nachholbedarf besteht. Zum einen werden künftig mehr Wohnungen für Senioren und Pflegebedürftige benötigt, zum anderen sozialer Wohnraum. Günstige Appartements sind in Filderstadt Mangelware. Sie gilt es zu erhalten beziehungsweise neu zu bauen.

Auch Einfamilienhäuschen werden gebraucht

Überhaupt ist der Neubau das dritte wichtige Handlungsfeld. Im Ort werden Einfamilienhäuschen, Eigentums- und Mietwohnungen gebraucht, sowohl für die Einheimischen als auch für Zuzügler. Der Stadtverwaltung schwebt vor, dass die benötigten 2160 Wohnungen zu drei Vierteln in Mehrfamilienhäusern entstehen sollen, der Rest in Form von Ein- oder Zweifamilienhäusern, hauptsächlich frei finanziert, zu einem gewissen Anteil aber auch gefördert.

Die Stadt Filderstadt weiß also schon ziemlich genau, was sie will. In den kommenden Monaten wird es um den Teil B gehen: das Wie. „Was sind die richtigen Instrumente, die zum Ziel beitragen?“, erläuterte Bernd Lahr. Eine Arbeitsgruppe – bestehend aus je einem Vertreter der Gemeinderatsfraktionen, dem Oberbürgermeister Christoph Traub, dem Baubürgermeister Falk-Udo Beck und Vertretern der zuständigen Ämter – soll geeignete Methoden und Werkzeuge der Wohnungs- und Bodenpolitik erarbeiten und als Grundlagen der Stadtentwicklung festlegen. Ein externes Büro wird den Prozess begleiten. „Es wird nicht den einen Königsweg geben“, stellte Bernd Lahr klar. Es werde vielmehr darum gehen, mehrere Instrumente – etwa einen qualifizierten Mietspiegel, eine Baulückenaktivierung oder die Vergabe von Grundstücken an Bauherren, die Konzepte mit einer Sozialquote vorlegen – zu verknüpfen. Das Ganze soll an drei Terminen erarbeitet werden. Allerdings: Der erste anvisierte Termin Anfang Februar wird coronabedingt wohl ausfallen. Daher wird die Phase B mutmaßlich erst im April beginnen.

Den Stadträten geht es teils zu langsam voran

Den Ausschuss-Mitgliedern geht das alles zu langsam. Lucas Osterauer (FDP) etwa schlug vor, auf digitale Sitzungen umzuschwenken, um keine Zeit zu verlieren. Andere wollten nicht mal so lang warten. „Man hätte schon lang planen können. Jahre gehen vorbei. Wir müssen was tun, um die städtischen Grundstücke umzusetzen“, forderte Richard Briem (Freie Wähler). Walter Bauer (SPD) stieß ins selbe Horn. Noch bevor das „Handlungsprogramm Wohnen“ fertig sei, solle man Projekte auf kommunalen Grundstücken beschleunigt anpacken, „Kleinvieh macht auch Mist“.