InterviewWolfgang Strobel vom HBW Balingen-Weilstetten „In der Liga zu bleiben wird so schwer wie noch nie“

HBW-Geschäftsführer Wolfgang Strobel (li.) im Gespräch mit seinem Kieler Kollegen Viktor Szilagyi. Foto: imago /Marco Wolf
HBW-Geschäftsführer Wolfgang Strobel (li.) im Gespräch mit seinem Kieler Kollegen Viktor Szilagyi. Foto: imago /Marco Wolf

Der HBW Balingen-Weilstetten kämpft Jahr für Jahr ums Überleben in der Handball-Bundesliga. Vor dem Derby gegen Frisch Auf Göppingen spricht Geschäftsführer Wolfgang Strobel über die aktuelle Lage in Corona-Zeiten.

Sport: Jürgen Frey (jüf)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Balingen - Handball-Bundesligist HBW Balingen-Weilstetten (6:18 Punkte) empfängt an diesem Donnerstag um 19.05 Uhr Frisch Auf Göppingen (13:11 Punkte) zum württembergischen Derby. HBW-Geschäftsführer Wolfgang Strobel spricht über die aktuelle Lage im Verein, über die Abstiegsgefahr und über die Vertragsverlängerung mit Trainer Jens Bürkle.

Herr Strobel, wie blicken Sie dem Derby mit Frisch Auf Göppingen entgegen?

Die neue Corona-Regelung traf uns extrem kurzfristig und hart. Ganz einfach auch deshalb, weil die infrastrukturellen Rahmenbedingungen hier sehr schlecht sind. Zuletzt gab es in Balingen und Hechingen jeweils nur eine Teststation. Neben diesen ganzen organisatorischen Problemen, ist das alles natürlich auch emotional massiv bitter für uns – gerade im Derby, weil wir eine deutlich geringere Zuschauerunterstützung haben werden.

Was rechnen Sie sich dennoch gegen die Mannschaft von Trainer Hartmut Mayerhoffer aus?

Das ist sicher kein Spiel, das wir gewinnen müssen. In Sachen Kaderstärke und Etat ist uns Frisch Auf weit voraus. Aber klar gibt es die sportliche Chance, das Derby zu gewinnen – das macht ja den Sport aus. Wir freuen uns sehr auf das Spiel, werden einen heißen Fight liefern und alles dafür tun, damit die Punkte doch bei uns bleiben.

In schwierigen Zeiten haben Sie den Vertrag mit Trainer Jens Bürkle verlängert. Wollten Sie damit ein Zeichen setzen?

Ich sehe das weniger als ein Zeichen, für uns ist das vielmehr ein normaler, logischer Schritt, da Jens hier exzellente Arbeit leistet und wir uns mit ihm kontinuierlich weiterentwickeln wollen. Wir hätten uns in dieser Saison bisher vielleicht zwei Punkte mehr gewünscht, aber man muss auch sehen, wo wir im Ligavergleich wirtschaftlich stehen.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Frisch Auf erlebt Debakel gegen THW Kiel

Wie schwer wird es, zwei Teams am Ende hinter sich zu lassen?

So schwer wie noch nie in den vergangenen Jahren, da das sportliche Niveau stark gestiegen ist, das zeigen Spieltag für Spieltag die Ergebnisse. In der Saison 2020/21 stiegen mit den Eulen Ludwigshafen, der HSG Nordhorn-Lingen, dem HSC 2000 Coburg und TuSEM Essen vier Teams ab, die ein ähnliches Budget wie wir hatten. Jetzt haben wir das kleinste. Weil vor der Saison eben der HSV Hamburg hochkam, der alles andere als ein normaler Aufsteiger ist. Zudem schaffte der TuS N-Lübbecke den Sprung nach oben, ein emotional starkes Team mit viel Euphorie. Der Existenzkampf wird für uns deshalb immer extremer.

Und eine neue Halle ist nicht in Sicht?

Da gibt es keinen neuen Stand, und in Pandemiezeiten stellt sich die Frage auch nicht. Wir müssen alles über einen großen Zusammenhalt schultern. Wir haben hier im Zollern-Alb-Gebiet einen starken Mittelstand, doch überspitzt formuliert ist es doch so: Wenn ich im Industriegebiet Reutlingen eine Runde drehe, sehe ich mehr große Industrie-Unternehmen, als bei uns in der gesamten Region. Von Hauptsponsoren wie Kärcher beim TVB Stuttgart oder Teamviewer bei Frisch Auf Göppingen will ich erst gar nicht reden.

Unsere Empfehlung für Sie