ZDF Magazin Royale Böhmermann am Tor vorbei

Jan Böhmermann ist, wie man  ahnen konnte, kein Freund des FC Bayern München. Foto: ZDF/Screenshot
Jan Böhmermann ist, wie man ahnen konnte, kein Freund des FC Bayern München. Foto: ZDF/Screenshot

Jan Böhmermann hat sich im „ZDF Magazin Royale“ über das Gebaren der Bundesliga in Pandemiezeiten geärgert. Das war zwar richtig, aber nicht unbedingt nötig.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Stuttgart - Für einen ersten groben Überblick lassen sich die Deutschen in zwei Gruppen einteilen: diejenigen, die nicht verstehen können, wie man die Fußball-Bundesliga als höchste Evolutionsleistung des Lebens auf unserem Planeten nicht mögen kann – und jene anderen, die nicht verstehen, wie man dieser raffgierigen Heuchlerriege mehr als eine Sekunde Aufmerksamkeit schenken kann. Mit der aktuellen Ausgabe des „ZDF Magazin Royale“ hat Jan Böhmermann keine der beiden Gruppen glücklich gemacht.

Ein miserables Vorbild

Schwerpunkt der Sendung war das Gebaren der Liga – personifiziert in Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorstandsvorsitzenden der FC Bayern München AG – in Pandemiezeiten, also der erfolgreiche Versuch, Regeln, Beschränkungen und Lockdowns zu unterlaufen oder abzuschütteln. Böhmermann hat draufgehauen, hat Geldgier, Heuchelei, Verantwortungslosigkeit und ein widerliches Gemauschel zwischen Politik, Boulevardpresse und Fußballklubs angeprangert. Und er hat ja Recht: der Profifußball, dem so gerne Vorbildfunktion und Wertevermittlung zugeschrieben werden, gibt gerade wie so oft ein ganz besonders miserables Vorbild ab.

Der harte Kern der Bolzerei-Junkies will so was schlicht nicht hören. Ließe sich aus Hasskommentaren im Internet das Gift abmelken, könnte man mit einer virtuellen Schlangenfarm in den kommenden Tagen vermutlich ein Vermögen verdienen. Wer aber mit Böhmermann halbwegs einig geht, hat wenig Neues erfahren. Letztlich hat Böhmermanns noch mal zusammengestellt, was in den vergangenen Wochen und Monaten in allen Zeitungen stand. Der Moderator der Satireshow wirkte jedenfalls selbst ein bisschen müde und in manchem Moment nur wie der angestrengte Imitator seiner sonstigen spritzigen Bosheit. Diesmal hat er oft aufs Blatt geschielt.

Arnd Zeigler als Gast

Interessant war das „ZDF Magazin Royale“ trotzdem. Die Liga-Abwatschung hat Böhmermann in ein eigenes Format gepackt, „Böhmis wunderbare Welt des Fußballs“. Nicht nur der Titel, auch das Logo hat er sich bei der WDR-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ geborgt. Deren Macher Arnd Zeigler hatte einen Miniauftritt, als Teaser für ein zwanzigminütiges Gespräch zwischen Böhmermann und Zeigler, das in der ZDF-Mediathek und auf Youtube zu sehen ist. Und das ist sehr viel unterhaltsamer ausgefallen als die Hauptsendung. Zeigler: „Wenn Fußball immer schon so gewesen wäre wie jetzt gerade, wären wir dann jemals Fans geworden? Ich glaube nicht.“

Nicht zum ersten Mal bietet Böhmermann diese Woche Zusatzmaterial zur Hauptsendung an, geht also konsequent über die Beschränkungen des alten linearen Fernsehens hinaus. Fragt sich nur: Ist das bereits das endgültige Formprinzip? Oder macht Böhmermann darauf aufmerksam, dass er gerne regelmäßig Gäste hätte, dafür dann aber mehr Sendezeit bräuchte? Das „ZDF Magazin Royale“ würde dann noch ein bisschen mehr wie die intelligenten der amerikanischen Late-Night-Shows. Und Böhmermann wäre wohl der Garant dafür, dass da keine bloßen Mein-neues-Buch-mein-neuer-Film-mein-neues-Album-Werbeschwätzereien abliefen.

Die ganze Sendung ist hier in der ZDF-Mediathek abrufbar, bis 6. Juni 20221. Das Gespräch mit Arnd Zeigler steht hier in der Mediathek, bis 5. Juni 2021.




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