ZDF Magazin Royale Böhmermann und die braunen Kameraden

Jan Böhmermann weiß, dass Satire da nicht hilft: In Sachsen gärt was. Foto: ZDF
Jan Böhmermann weiß, dass Satire da nicht hilft: In Sachsen gärt was. Foto: ZDF

Zu Neonazis fallen auch Jan Böhmermann keine guten Gags mehr ein. Die starke rechte Szene in Sachsen war Thema einer eher schwachen Folge des „ZDF Magazin Royale“.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Die Tourismuswerbung steckt in Pandemiezeiten sowieso in der Sinnkrise. Die PR-Beauftragten der diversen Kreise und Gemeinde in Sachsen aber werden am Montag besonders frustriert zur Arbeit kommen. Jan Böhmermann hat im „ZDF Magazin Royale“ mal wieder kein Blatt vor den Mund genommen: „Sachsen ist nicht zufällig zum deutschen Superspreader für Nazis geworden.“

Harte Fakten, wilde Polemik

Ein großes Thema, fraglos, ein brennend aktuelles. In Sachsen frisst sich mit beängstigender Geschwindigkeit rechtsradikales Denken, das man in der BRD lange für die Spinnerei einiger weniger Verlierer, Versager und Politganoven halten wollte, in die Mehrheitsgesellschaft durch. Böhmermann hat das zu einem jener Schnellkurse zusammengestellt, mit denen sich das „ZDF Magazin Royale“ auch als Politmagazin profiliert: zu einem Mix aus harten Fakten, wilder Polemik und interessantem Ziehen von Verbindungslinien.

So hat Jan Böhmermann etwa daran erinnert: die Chefs jenes Landesamtes für Verfassungsschutz, dem nicht wenige Beobachter Versagen im Umgang mit dem rechten Aufbau im Osten vorwerfen, kamen nacheinander aus dem Westen. Alles wichtig und richtig. Nur besonders witzig war das diesmal nicht. Und irgendwie gehört die gute Pointe und die überraschende Verfremdung halt auch zu einem Satiremagazin.

Das Schlagzeug als Sachsenschutz

Zumindest ist es völlig nachvollziehbar: dass selbst dem virtuos durch Frechheiten und Grimassen koboldenden Gift-und-Galle-Schelm Böhmermann beim Thema Neonazi-Aufschwung das Lachen vergeht. Zwar hat er nach Gags gesucht, nach lustigen Motiven – einer Ermahnung durch Schlagzeugeinsatz etwa, sollte er sächsische Gefühle verletzen. (Spoiler: Das Schlagzeug hat viel gerappelt.) Aber keiner dieser Gags bekam richtig Aufwind.

In der vorigen Ausgabe seiner Show, in der es unter anderem um Atommüll ging, hat Böhmermann offen bekannt, auch er möchte manchmal nur noch schreien. Da hat die Sendung aber funktioniert. Diesmal musste der Satiriker gar nichts sagen. Man merkte ihm auch so an, dass ihm das Lachen vergeht angesichts von Leuten, die aus der schrecklichen deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht die allereinfachsten Lektionen ableiten können.

Die Sendung ist hier in der ZDF-Mediathek abrufbar – bis 27. Juni 2021.




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