Zeitumstellung Sommerzeit und Krieg

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Benjamin Franklin erklärte 1784 im „Journal de Paris“, dass das ausgedehnte Nachtleben in der französischen Hauptstadt Unmengen an Energie durch künstliches Licht vergeude. „153 Millionen und 100 000 Stunden, verbrachte in Paris mit Kerzenlicht, das bei einem halben Pfund Wachs und Talg pro Stunde das Gewicht von 64 Millionen und 50 000 Pfund“, rechnete der amerikanische Erfinder und Staatsmann vor. Dagegen helfe früheres Aufstehen und Zubettgehen.

132 Jahre später kam das Deutsche Reich Franklins Forderung als erstes Land nach. Am 30. April 1916 führten die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn kam die Zeitumstellung ein. Die Idee dahinter war wenig honorig: Die Stunde mehr an nutzbaren Tageslicht im Frühjahr und Sommer sollte die energieintensiven „Materialschlachten“ des Ersten Weltkriegs (die Schlacht um Verdun hatte am 21. Februar 196 begonnen) unterstützen. Dadurch versprach sich die Oberste Heeresleitung unter General Erich von Falkenhayn Energieeinsparungen bei der künstlichen Beleuchtung an langen Sommerabenden.

Als Reaktion darauf führten zahlreiche andere europäische Länder einschließlich der Kriegsgegner Großbritannien und Frankreich noch im selben Jahr die Sommerzeit ein. 1919 schaffte Deutschland die ungeliebte Kriegsmaßnahme wieder ab.