Zeitungskongress in Stuttgart Döpfner fordert fairen Wettbewerb

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Der Präsident des Bundesverbands der Zeitungsverleger verlangt von der Politik bessere Rahmenbedingungen für journalistische Geschäftsmodelle. Das richtet sich gegen die öffentlich-rechtlichen Sender und gegen Konzerne wie Google.

Stuttgart - Das Vertrauen der Menschen in Deutschland in Zeitungen ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen – um zehn Prozent und auf den höchsten Wert der vergangenen 15 Jahre. Dieses Ergebnis einer Untersuchung der Professur für Wirtschaftsjournalismus an der Universität Würzburg hat Mathias Döpfner, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), beim Zeitungskongress 2017 in Stuttgart zitiert. Den Grund für das große Vertrauen sieht Döpfner, der im Hauptberuf Vorstandschef des Springer-Konzerns ist, in der kontinuierlichen, besonders aber der investigativen Arbeit der Presse, zum Beispiel bei der Aufdeckung des Abgasskandals bei VW.

„Seit vielen Jahrzehnten wurde unser Handwerk nicht mehr so sehr gebraucht wie heute“, sagte Döpfner auch mit Blick auf den Vormarsch von Populisten, Autokraten und Diktatoren . „Es steht weltweit nicht gut um die freien Gesellschaften und den kritischen Journalismus“. Der BDZV-Präsident forderte die Politik deshalb auf, für Rahmenbedingungen zu sorgen, „die es uns ermöglichen, Journalismus als Geschäftsmodell zu betreiben.“ Damit wandte er sich insbesondere gegen die „Konkurrenz, die von einer Art Steuer lebt“, also die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit ihren Textangeboten im Internet, sowie die Internetriesen von Google bis Facebook, die nicht mehr nur als Plattform fungieren, sondern selbst Inhalte verbreiten. Döpfner: „Faire Wettbewerbsbedingungen – nicht mehr, aber auch nicht weniger erwarten wir von der Politik.“ So forderte er unter anderem die Politik auf, das Medienprivileg der Journalisten beim Sammeln von Daten bei Veränderungen des Datenschutzes zu beachten. Pressefreiheit setze voraus, dass weder Datenschutzrecht noch Datenschutzaufsicht auf die redaktionelle Arbeit Anwendung finden, sagte Döpfner.

Mahnung an die eigene Branche

Der BDZV-Präsident richtete aber auch eine Mahnung an die eigene Branche, zuhause in den Verlagen „die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Journalismus relevant und erfolgreich bleibt“. Eigentlich seien die Rahmenbedingungen günstig, weil die Flut von „Fake News“ im öffentlichen Bewusstsein eine Renaissance der Nachricht eingeleitet habe. Sein Appell an die Verleger in wirtschaftlich schwierigen Zeiten: „Sparen Sie überhaupt überall, wo Sie wollen. Aber bitte sparen Sie nicht bei den Reportern, die dahin gehen, wo es brennt. Sparen Sie nicht an den investigativen Recherchen und den Reisen, die nötig sind.“

Freiheitliche Werte geraten aus Sicht des Verbandspräsidenten nicht nur durch politische Entwicklungen unter Druck. Döpfner verwies auf Aussagen des amerikanischen Unternehmers Elon Musk (Tesla), der in der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz große Gefahren sieht. Döpfner riet den Verlegern, sich mit Musks Argumenten auseinanderzusetzen – „auch weil unsere Branche direkt von künstlicher Intelligenz betroffen ist“. Dabei geht es zum Beispiel darum, ob einfache Nachrichtentexte, etwa zum Wetter, künftig von Sprachrobotern verfasst werden.

Journalismus als „Taschenlampe des mündigen Bürgers“

Im Alltagsleben dient sich die Maschine dem Menschen als Helfer an, der ihm mit immer mehr und immer besseren Vorschlägen in allen Lebenssituationen Arbeit abnimmt. Wohin das führt? Döpfner erzählte von einem Gespräch mit Chris Boos, einem der führenden Experten für Künstliche Intelligenz in Deutschland, der ihm gesagt habe: „Machen Sie sich keine Sorgen! Wir werden leben wie die Tiere im Zoo. Wir werden genug zu essen haben und es wird uns gut gehen. Nur: Die relevanten Entscheidungen werden eben von Maschinen getroffen.“

Deshalb lautet die zentrale Frage hinter dem Trend zur Künstlichen Intelligenz für Döfner: „Wie stellen wir sicher, dass künftig die Maschine den Menschen dient und nicht der Mensch den Maschinen?“ Die Antwort des Springer-Chefs: Journalismus, den er als „die Taschenlampe des mündigen Bürgers“ bezeichnete.