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Zell am See Schwungvoll

Von Andreas Denner 

Die Menschen in Zell am See sind nicht nur ski-, sondern auch golfverrückt. Handicap und carven.

Saftiges Grün im Tal, während am Kitzsteinhorn noch gewedelt wird. Foto: Zell am See
Saftiges Grün im Tal, während am Kitzsteinhorn noch gewedelt wird. Foto: Zell am See

Ja, die Leute in Zell am See sind schon ein bisschen verrückt. Bestes Beispiel ist unser Guide Christian Pfeifer. Als geborener Zeller konnte er natürlich schon als Kind Ski laufen, man sieht es an seinem rasanten Fahrstil. Aber während normale Skifahrer mit dem Lift den Berg erklimmen, langweilt das Christian nur. Er schnallt seine Skier lieber unten im Tal an und läuft hinauf. Entsprechend durchtrainiert sieht er aus, drahtig, kein Gramm Fett am Leib. Heuer nahm er sogar an einem Wettbewerb teil: Start unten in Zell am See, dann 500 Höhenmeter hinauf auf den Maiskogel, oben die Bindung festgestellt und hinabgerast zurück nach Zell.

Ja, ein bisschen ungewöhnlich geht es zu beim Skifahren in Zell. Das beginnt mit der Ausrüstung. Die braucht man gar nicht mitzubringen, die kann man sich hier bequem ausleihen. Und weil 13 Sportgeschäfte im Verleih-Verbund sind, kann man die Skier in jedem dieser Läden auch wieder abgeben. Oder, wenn man mal einen anderen Ski haben will, einfach austauschen, sogar oben in den Skigebieten Kitzsteinhorn oder Schmittenhöhe.

Wer will, kann auch in der Areitalm auf 1500 Meter Höhe Österreichs erste BergVinothek besuchen und sich bei einer gemütlichen Weinprobe die Besonderheiten des Pinzgauer Weines erklären lassen. "Wer kauft denn Wein beim Skifahren oder Bergwandern und trägt ihn dann zurück ins Tal?", frage ich Christian skeptisch. Unser Guide lächelt, denn da sind die Zeller ganz fix und schon weiter: "Wer hier seinen Wein bestellt, der findet ihn bei seiner Rückkehr bereits im Hotelzimmer vor." Ja, feiern können die Zeller. Wöchentlich geht eine Ski-und-Snowboard-Nite über die Rampe. Zu Disco-Musik mit wummernden Bässen stürzen sich Freerider und Snowboarder waghalsig über eine Schanze. Bei unserem Besuch lief gerade die "Nacht der Ballone". Heißluftballone wurden auf einem Skihang mit ihrem Gasbrenner zum Leuchten gebracht. Dazwischen zeigten die Skischulen des Ortes ihr Können. Der Glühwein floss in Strömen, vier Drummer trommelten auf großen Ölfässern, zum Abschluss gab's ein riesiges Feuerwerk.

Hingekommen sind wir beschaulicher. Wir hatten uns mit Christian Pfeifer am Auguthof verabredet. Dort spezialisiert man sich auf biologische Landwirtschaft. Ein kleiner Hofladen bietet Schinken, Käse, Marmelade, Schnaps, alles aus Eigenproduktion. Eine Scheuer wurde zum rustikalen Lokal umgebaut. Alles sehr lecker, sehr liebevoll gemacht. Hier kann man es sich gutgehen lassen. Vom Auguthof führt uns Christian mit einer romantischen Fackelwanderung über einen der vielen bequemen Wanderwege. Die Gespräche verstummen ob der Schönheit des Waldes.

Aber nur kurz. Das quirlige Zell am See bietet ständig etwas Neues. Am Ende des Tales haben sie jetzt das neue Tauern-Spa gebaut. Mehr als 2000 Quadratmeter Wasserfläche im Indoor- und Outdoorbereich, Aktivbecken mit Strömungskanal, Relaxpool mit Grotte, Hochbecken mit Wasser-Kaskade, Sole-Ruhebecken und 25-Meter-Sportbecken, Sauna- und Wohlfühlwelt mit finnischen Saunen, Backofen-Sauna, Kräutersauna, Biosaunen, Sole-Laconium und Aromadampfbäder innen und außen. Ein Teil des Spas mit gläsernem Panorama-Pool im Innen- und Außenbereich, unterschiedlichen Saunen und Terrassen mit Weitblick bleibt den Gästen des angegliederten Hotels exklusiv vorbehalten, aber den größten Teil kann man gegen Eintritt besuchen.

Reicht das? Oder soll's ein bisschen mehr sein? Wie wär's mit einem Besuch der "Gipfelwelt 3000". In harter Arbeit wurde oben am Kitzsteinhorn eine Aussichtsplattform mit Panoramarestaurant errichtet, von der aus man einen gigantischen Blick auf die umliegende Bergwelt der Hohen Tauern hat. Noch im Bau, aber demnächst fertig ist ein Tunnel, durch den es auf die Rückseite des Kitzsteinhorns gehen soll, wo eine weitere Aussichtsplattform Atemberaubendes bieten wird.

Etwas weiter unten auf dem Gletscher haben sie das "Ice-Camp" errichtet, ein Hotel ganz aus Eis mit Restaurant- und Barbetrieb. Wer will, kann in einem Iglu auf bequemen, fellbelegten Matratzen im Spezialschlafsack übernachten. Zum Aufwärmen gibt es eine Sauna und einen Whirlpool im Freien. Verrückt genug? Nein, jetzt haben sich die Zeller auch noch als golfverrückt geoutet. Golf in Zell am See, verkünden sie stolz, sei mehr als nur das Abschlagen des Balles vom Tee aufs Green. Inmitten des Salzachtales und vor der malerischen Kulisse der Hohen Tauern werde das Spiel zu einer neuen Erfahrung. Die zwei 18-Loch-Plätze des Championship-Courses Zell am See-Kaprun bildeten die größte Anlage in den österreichischen Alpen. Golfclub-Geschäftsführer Roland Geringer beruhigt aber: "Keine Angst, Golf spielen in den Alpen heißt nicht, dass man eine Bergziege sein muss. Im Gegenteil: Da der Golfplatz im Tal liegt, ist er flach. Sportlich herausfordernd, aber angenehm zu gehen."

Und wenn im Frühjahr die Fairways im Tal schon voll im Saft stehen, kann man auf Schmittenhöhe oder Kitzsteinhorn-Gletscher noch Schwünge in den Schnee ziehen. Von Grün bis Weiß ist es nur ein Katzensprung. Für Urlauber, die im Frühling gern das Beste aus zwei Sportwelten genießen wollen, wird deshalb erstmals die Ski-und-Golf-Pauschale angeboten. Vom 17. April bis zum 5. Juni 2011 wird zum Beispiel die Viertagespauschale mit zweitägigem Skipass und Greenfee ab 310 Euro angeboten. An welchen Tagen es aufs Fairway oder auf den Gletscher geht, kann jeder selbst entscheiden. Und natürlich auch, ob und wann er das übrige touristische Angebot nutzt: Bergwandern, Mountainbiking, Paragliding, Segeln, Surfen, Bootfahren, Baden und, und, und ...

Bei unserem Besuch Ende Januar lag allerdings noch Schnee auf dem Golfplatz. Da lässt sich der Zeller aber nicht verdrießen. Ratzfatz wurde mit der Schneewalze ein 9-Loch-Kurzplatz auf die Driving Range modelliert. Die Grüns mit Lebensmittelfarbe eingefärbt, gelbe Bälle, und das Juxturnier konnte losgehen. Die neunte Bahn mussten wir Teilnehmer nicht mit dem Golfschläger bezwingen, stattdessen stand Eisstockschießen an. Für uns ungeübte Flachlandtiroler gar nicht so leicht.

Ja, und zum Schluss ist dann doch selbst den Zellern die Luft weggeblieben. "Es ist etwas ganz Verrücktes passiert", erklärt Roland Geringer bei der Siegerehrung unseres Schnee-Juxturniers. "Eine Teilnehmerin hat beim allerersten Schnee-Golfturnier tatsächlich das erste Schnee-Ass geschossen, ein Hole-in-one." Darauf waren sie nicht vorbereitet. "Dafür haben wir", gesteht Geringer, "noch nicht einmal einen Preis." Provisorisch erhielt die Glückliche eben den normalen Hole-in-one-Wanderpreis des Clubs. Auch gut, den können sich ja im Frühjahr die Teilnehmer der Ski-und-Golf-Wochen auf normalen Grüns zurückholen.

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