Zeltdorf-Räumung Stuttgart-21-Gegner lässt Ultimatum kalt

Von dpa/lsw 

Die S-21-Gegner im Schlossgarten wollen eine Räumung nicht ohne Protest ablaufen lassen.

 Foto: Leserfotograf remstal-knipser
Foto: Leserfotograf remstal-knipser

Stuttgart - Die Frist steht, aber manche S-21-Gegner lässt das kalt. Die Bewohner des Zeltdorfes im Stuttgarter Schlossgarten wollen eine Räumung des Camps nicht ohne Protest ablaufen lassen. „Die Leute werden auf die Bäume gehen, sich anketten und sitzblockieren“, sagt Silke, die selbst mehrere Monate in dem Zeltdorf wohnte und noch heute täglich vorbeikommt. „Ich werde mich mit meiner Tochter an die Bäume ketten, die Augen schließen und warten, bis es zu Ende ist.“ Wenn die Polizei zum Einsatz komme, hoffe sie in dem Park auf tausende Unterstützer.

Parkschützer wollen auf die Bäume gehen

Auch Matthias von Herrmann, Sprecher der Parkschützer, geht davon aus, dass die Bewohner, die seit mehr als einem Jahr im Schlossgarten campieren, bei einer Räumung nicht alleine bleiben. „Dieses Zeltdorf wird ja nicht geräumt, weil es ein Zeltdorf ist, sondern weil Bäume abgesägt werden sollen und deshalb werden die Leute kommen.“

Innenminister Reinhold Gall (SPD) hatte die Bewohner aufgefordert, das Camp zu der von der Stadt Stuttgart gesetzten Frist am 12. Januar zu räumen. Und stößt damit auf taube Ohren: „Ich werde diesen Park nicht einfach so aufgeben“, sagt Silke.

„Wir haben die Zelte schließlich hingestellt, damit die Bäume nicht gefällt werden“, findet eine junge Frau, die gerade aufgestanden ist und sich schläfrig von ihrem Zelt in Richtung Toilette aufmacht. Wenn das Zeltdorf weg ist, will die Bahn den Südflügel des Bahnhofes abreißen und rund 170 Bäume fällen oder umpflanzen.

Jörg jedenfalls hat sich schon einen Plan zurechtgelegt, sollte die Polizei das Zeltdorf räumen: „Ich werde so lange wie möglich in den Bäumen umeinander turnen.“ Seit 14 Monaten haust der Mann mit dem langen Bart nun schon im Schlossgarten.

Etwa 20 Dauerbewohner

Zwar muss Mitte Januar nicht zwingend sofort die Polizei anrücken. „Es besteht eine Allgemeinverfügung, die umgesetzt wird“, sagt ein Sprecher des Innenministeriums. Bei einem Einsatz hoffe er, dass dieser ähnlich früherer Blockadeaktionen friedlich ablaufe.

Zur Zeit wohnten 20 Menschen ohne Unterbrechung im Schlossgarten, insgesamt seien sie etwa 100, sagt Silke, die Mitarbeiterin eines Automobilkonzerns ist. Auch sie will, dass der Protest ohne Gewalt abläuft. „Wenn's schief läuft, ist Kretschmann der kürzeste in der Geschichte des Landes gewählte Ministerpräsident“, meint Jörg.

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