Zug in Stuttgart entgleist Bundespolizei ermittelt gegen Lokführer

Von Wolf-Dieter Obst 

Nachdem am Sonntag im Stuttgarter Hauptbahnhof ein Zug entgleist ist, nehmen die Ermittler nun den Lokführer ins Visier. Hat er einen Fehler begangen?

Ein Zug des Privatunternehmens Abellio ist in Stuttgart entgleist – die Ermittlungen laufen. Foto: dpa/Martin Schutt
Ein Zug des Privatunternehmens Abellio ist in Stuttgart entgleist – die Ermittlungen laufen. Foto: dpa/Martin Schutt

Stuttgart - Auf der Suche nach der Ursache des entgleisten Zuges im Hauptbahnhof am Sonntag ist die ermittelnde Bundespolizei offenbar einen großen Schritt weitergekommen. „Wir führen ein Ermittlungsverfahren gegen den Lokführer wegen des Verdachts der Gefährdung des Bahnverkehrs“, sagt Bundespolizeisprecher Yannick Dotzek auf Anfrage unserer Zeitung. Nach den bisherigen Erkenntnissen soll der 32-jährige Lokführer womöglich ein Haltesignal überfahren haben.

Der leere Zug des privaten Eisenbahnunternehmens Abellio war am Sonntag gegen 14 Uhr auf einer Rangierfahrt vom Abstellbahnhof in Richtung Gleis 16. Dabei hätte der Lokführer laut Bundespolizei vor einem Signal halten müssen, sei aber weitergefahren. Das Triebfahrzeug sei über einen sogenannten Gleisschuh gefahren, der das erste Drehgestell des Triebfahrzeugs aus dem Gleis geworfen habe. Gleisbett und Betonschwellen wurden auf einer Länge von zehn bis 15 Meter beschädigt, ebenso das Drehgestell. „Der Schaden kann noch nicht beziffert werden“, so Polizeisprecher Dotzek.

Der Zug war leer – er sollte in die Werkstatt

Der Zugverkehr am Sonntag war erheblich betroffen. „Bei 27 Zügen gab es Verspätungen oder gar Ausfälle und Teilausfälle“, so ein Bahnsprecher. Dies dauerte bis in die späten Abendstunden: Die sogenannte Aufgleisung des Zuges dauerte von 17.50 bis gegen 20 Uhr, für die Arbeiten mussten zwei Gleise blockiert werden.

Verletzt wurde niemand, der Zug war leer. „Der Zug sollte in die Instandhaltung überführt werden“, sagt Hannelore Schuster, Sprecherin des Unternehmens Abellio, das allein im Stuttgarter Netz sechs Linien mit 96 Stationen auf 615 Schienenkilometern betreibt. „Der bedauerliche Vorfall hat keine weiteren Auswirkungen auf unseren Betrieb“, sagt Sprecherin Schuster. Der betroffene Zug sei durch ein anderes Fahrzeug ersetzt worden. Bei dem Zug handelt es sich um ein entliehenes Ersatzfahrzeug, weil die Neufahrzeuge des Typs Talent 2 noch auf sich warten lassen. Zu den Ermittlungen stellt Abellio fest: „Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch nicht gesagt werden, wodurch der Vorfall verursacht wurde.“

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