Zum Tod der Filmregisseurin Penny Marshall Eine Frau knackt 100 Millionen

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Penny Marshall hatte schon eine erfolgreiche Karriere als TV-Komikerin hinter sich, als sie 1986 ins Regiefach wechselte. In Hollywood brach sie in einen Männerclub ein: Sie wurde mit „Big“ die erste Regisseurin, die mehr als 100 Millionen Dollar in die Kinokasse brachte.

Penny Marshall im Jahr 1982: Dass ihr großer TV-Serienhit „Laverne & Shirley“ gerade gegen die Wand gefahren wird, sieht man ihr nicht an. Foto: dpa
Penny Marshall im Jahr 1982: Dass ihr großer TV-Serienhit „Laverne & Shirley“ gerade gegen die Wand gefahren wird, sieht man ihr nicht an. Foto: dpa

Stuttgart - Es kann immer mal schwierig werden, wenn Geldgier, Starallüren, Machtbewusstsein und Organisationszwänge aufeinander treffen. Im Frühsommer 1982 waren die Schauspielerinnen Penny Marshall und Cindy Williams die Stars einer amerikanischen Sitcom mit dem Titel „Laverne & Shirley“ – zeitweilig die quotenstärkste Serie der USA. Aber nun war Williams schwanger, ihre Ansprüche an die Drehbedingungen vor Ort wurden exzentrischer, die Gagenforderungen ihres neuen Mannes und Produzenten exorbitanter. Also ließ das Studio Paramount Television Williams’ Figur komplett streichen. Die achte wurde auch die letzte Staffel des einstigen Hits.

Vielleicht war das einer jener vielen überhitzten Konflikte, auf die man in der Film- und Fernsehgeschichte überall stößt. Aber der Verdacht bleibt, dass Paramount schneller und härter reagiert hat, als das bei einem Gerangel mit männlichen Stars der Fall gewesen wäre. Dem ein oder anderen Silberrücken aus dem damaligen Herrenclub der Medienindustrie mag es etwas wert gewesen sein, zwei erfolgreichen Frauen ihre Grenzen aufzuzeigen.

Das Regieführen nebenbei gelernt

Im Fall von Penny Marshall hat das aber nicht nachhaltig geklappt. Die Komikerin, die nun am 17. Dezember 2018 im Alter von 75 Jahren gestorben ist, inszenierte als erste Regisseurin überhaupt einen Film, der mehr als 100 Millionen Dollar einspielte: die 1988 ins Kino gekommene Komödie „Big“ mit Tom Hanks in der Hauptrolle.

178 Folgen lang stand Marshall für diese Sitcom vor der Kamera, und ein paarmal übernahm sie auch die Regie. Gelernt hatte sie das Handwerk ganz praktisch, beim Beobachten der Serienregisseure, also auch ihres Bruders, des Regisseurs Garry Marshall, der mit „Pretty Woman“ einen Kinowelthit landen sollte. Nach dem Ende von „Laverne & Shirley“ bekam Marshall ein viel größeres Regieangebot für den Kinofilm „Peggy Sue got married“. Sie hatte schon zugesagt, sich ein Team erfahrener Kollegen zusammengestellt, da wurde sie kurz vor Drehbeginn abgesägt. Die Produzenten zogen einen – zugegeben erfahrenen und profilierten – Mann vor: Francis Ford Coppola, Regisseur von „Der Pate“ und „Apocalypse now“.

Kalte Schulter bei den Oscars

Da mag es wie ironische Gerechtigkeit erscheinen, dass Marshall ihr Regiedebüt füs Kino doch noch feiern konnte, als ein Mann von einem Projekt abgezogen wurde. Sie erbte vor Drehbeginn von Howard Zieff den Regiestuhl der Whoopi-Goldberg-Komödie „Jumpin’ Jack Flash“ (1986).

Nach ihrem Hit „Big“ brach Marshall mit „A League of their own – Eine Klasse für sich“ (1992), einem Film über Baseballspielerinnen, also über die Eroberung einer Männerdomäne, erneut durch die 100-Millionen-Dollar-Einnahmen-Schranke. Dazwischen lag die Edelschnulze „Awakenings – Zeit des Erwachens“ (1990) mit Robin Williams und Robert De Niro, die drei Oscar-Nominierungen einheimste. Das war erst das zweite Mal in der Oscar-Historie, dass das Werk einer Frau in der Kategorie „Bester Film“ nominiert war. Und bis heute, hat die Branchenzeitschtift „Hollywood Reporter“ nachgezählt, sei es erst siebenmal vorgekommen, dass die Beste-Film-Nominierung wie bei „Awakenings“ nicht mit der Beste-Regie-Nominierung einherging. Penny Marshall war eben eine Frau.

Knochenjob und Zufriedenheit

Nach 1992 blieben die großen Kinohits für Marshall aus. Sie selbst hat das nicht verbittert, wie man ihrer Autobiografie „My Mother was nuts“ entnehmen kann. Sie war viel zu beschäftigt damit, Spaß am Leben zu haben. Schon bei „Jumpin’ Jack Flash“, erzählt sie, sei ihr das Interesse der anderen am Kassenerfolg fremd geblieben. Ihr ging es um die Arbeit – besser gesagt, um das Erlebnis der Zusammenarbeit. Das Regieführen selbst, hat sie gespottet, sei ein auslaugender Knochenjob.

Als sie 2009 eine Krebserkrankung überstanden hatte, fühlte sie auch keinen Druck, jetzt noch eilig alle möglichen Traumprojekte nachzuholen. Ich war, schrieb sie, mit meinem Leben zufrieden. In Hollywood dürfte so viel Entspanntheit immer noch selten sein.




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