Zum Tod des Kinostars Bud Spencer Zwei Fäuste für die Einfachheit

So sieht ein Mann aus, der Spaß hatte an seinem Leben: Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer. Foto: dpa
So sieht ein Mann aus, der Spaß hatte an seinem Leben: Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer. Foto: dpa

Wer in den Siebzigern nicht dabei war, kann sich kaum vorstellen, wie beliebt Bud Spencer war. Ob allein ob im Duo mit Terence Hill – er konnte mit fliegenden Fäusten Ordnung schaffen in einer unübersichtlichen Welt. Im Alter von 86 Jahren ist er nun gestorben. Wir werden ihn nicht vergessen.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Wehrhafte Urviecher kann das Kino immer gebrauchen. Heizkesselbreite Kerle mit Dampfhammerfäusten, die das Komplizierte einfach machen, die robust sortieren, wo andere den Überblick verlieren. Wer ist gut, wer ist böse, das war nie eine quälend unbeantwortbare Frage, wenn Bud Spencer vor die Kamera trat. Eine Folge von Prügeleien rüttelte die Weltordnung zurecht. Die Guten standen am Ende feixend aufrecht, die Bösen lagen besinnungslos im Staub.

Aber die sechziger und siebziger Jahre brauchten solch einen Champion der alten proletarischen Tugend des Hinlangens ganz besonders. Die Regeln kippten damals, die Werte bröselten. Überall herrschte Jugendrevolte, die Haare wuchsen, der Respekt schwand. In Arbeiterhaushalten pfiffen die Jugendlichen auf den ausgebeuteten Malocherstolz der Väter, in intellektuellen Milieus wurde alles in Frage gestellt und jede Antwort verworfen.

Aus Mord wird Klopperei

Auch im Kino war das angekommen, sogar im einst wertefesten Winkel des Western. Im Spätwestern gab es nicht mehr die Guten und die Bösen, sondern nur die Bösen, die noch Böseren und ihre Opfer. Im Italowestern tauchten Abschlachter als schreckliche Helden auf, die man nur deshalb nicht Psychopathen nannte, weil die Filme deren Django-Treiben fast esoterische Züge gaben. Die Killer waren als alttestamentarische Racheengel des Herrn unterwegs, um die menschengemachte Hölle auszumisten. Bud Spencer und sein Lieblingskumpel Terence Hill kippten in ihren Western diesen Ernst und machten aus dem Morden wieder eine Klopperei und aus dem Horror eine Kinderparty.

Wer damals nicht dabei war, kann sich heute kaum noch vorstellen, wie die jungen Kinogänger und die einfacheren Gemüter, die dem Autorenfilm nichts abgewinnen konnten, dieses Duo einst liebten. Hau-drauf-Klamauk wie „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (1972), „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ (1972) oder „Auch die Engel essen Bohnen“ (1973), von den deutschen Synchronisationen um zusätzliche flapsige Sprüche bereichert, holten etwas vom befreiend schlichten Spaß des frühen Stummfilm-Slapsticks zurück in eine Zeit, in der zornige junge Filmemacher dem Kino das Träumen und Blödeln austreiben wollten.

Das massige Schutzpolster

Klassischerweise hätte der schlanke, smarte, blauäugig-hellhaarige Mario Girotti alias Terence Hill der anziehende Held sein müssen und der als Carlo Pedersoli geborene, vollbärtig-dunkle Bud Spencer bloß den komischen Sidekick abgeben dürfen, den brauchbaren dicken Mitläufer. Aber der massige Spencer, das lebende Schutzpolster gegen die ungemütliche Moderne, war derjenige, dem die Herzen zuflogen. Darum bekam auch er nebenher eine große Soloreihe, die „Plattfuß“-Filme. In denen spielte er den Polizisten Manuele Rizzo, dem seine Fäuste immer wieder Ermittlungsarbeit, Gesetzeskenntnis und Dienstwege ersparten.




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