Zweckverband Strohgäubahn Enteignung wegen 20 Zentimetern?

Ein kleines Stück für den Zollstock, ein großes Stück für die Strohgäubahn. Foto:  
Ein kleines Stück für den Zollstock, ein großes Stück für die Strohgäubahn. Foto:  

Der Zweckverband Strohgäubahn handelt sich wegen der Ertüchtigung der Strecke viel Ärger ein. Die Forstverwaltung fordert eine große Ausgleichsmaßnahme. Und eine Firma am Heimerdinger Bahnhof will ein wichtiges Grundstück nicht verkaufen.

Ludwigsburg: Markus Klohr (mk)
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Ditzingen - Nur rund 22 Kilometer Gleisstrecke – und trotzdem so viel Ärger. Man sollte meinen, dass die Ertüchtigung und der behutsame Umbau der Trasse für die Strohgäubahn eine überschaubare Aufgabe sind. Doch bei der Eisenbahnplanung steckt der Teufel im Detail. „Das Eisenbahnwesen ist ein ex­trem stark regulierter Bereich“, sagt der Zweckverbandschef Axel Meier. Viele Regeln bedeuten auch viele Probleme.

Nicht nur die Anwohner des Korntaler Bahnhofs machen dem Zweckverband, der aus dem Kreis und den Anrainerkommunen Ditzingen, Korntal-München, Hemmingen und Schwieberdingen besteht, Sorgen. Auch in Heimerdingen gibt es Einwände von Anwohnern, die Bedenken wegen des Lärms an der Strecke äußerten. Das Problem sei „mit kleineren Lärmschutzmaßnahmen“ in den Griff zu bekommen, so Meier jüngst bei der Verbandssitzung.

„Da wächst nix Gescheites“

Größere Sorgen bereiten dem Zweckverband zwei andere Themen: er soll zwischenzeitlich Waldbesitzer im Heimerdinger Forst werden und muss einem Anlieger am Bahnhof in Ditzingen-Heimerdingen gar mit Enteignung drohen. Und das nur, weil er 20 Zentimeter von seinem Grundstück benötigt. Doch der Reihe nach. Im Heimerdinger Forst, Gemarkung Hemmingen, ändert der Zweckverband den Trassenverlauf der Schienen leicht. Weil das Gleis einen größeren Bogen macht, werden auf rund 0,4 Hektar die Gleise entfernt. Dafür müssen auf rund 0,4 Hektar viele Bäume gefällt werden. Aus Sicht des Verbands sei „der dortige Wald nicht der hochwertigste“, sagt Meier. Der Hemminger Landwirt Peter Huber formulierte es bei der Verbandsversammlung heftiger: „Da wächst doch nix Gescheites.“

Doch die landesweit zuständige Forst­direktion Tübingen ist anderer Ansicht. Sie fordert für den 0,4 Hektar großen Eingriff in den Wald einen ökologischen Ausgleich von 0,8 Hektar. Der Zweckverband soll 8000 Quadratmeter Fläche mit Wald bepflanzen. Kostenpunkt: rund 80 000 Euro. Viel zu viel Fläche und Geld, wie man beim Verband findet. „Das wollen wir nicht so stehen lassen“, sagte der Landrat Rainer Haas bei der Versammlung.

„Wollen kein Waldbesitzer werden“

Da die Fläche der bisherigen Strecke komplett dem Wald überlassen werde, sei für den Eingriff bereits ein Ausgleich erfolgt, findet auch Axel Meier. „Wir wollen auf jeden Fall nicht langfristig zum Wald­besitzer werden.“ Wenn man ein Stück Land aufgeforstet habe – seiner Ansicht nach genügen 4000 Quadratmeter –, dann werde man die Fläche der Gemeinde Hemmingen schenken – zur Pflege und Verwaltung. Er hoffe, dass das für die Genehmigung zuständige Regierungspräsidium Stuttgart in diesem Punkt noch einlenke.

Noch größeres Kopfzerbrechen bereiten der Verbandsspitze besagte 20 Zentimeter am Heimerdinger Bahnhof. Im Jahr 2000 hatte die damalige Betreiberin, die Württembergische Eisenbahngesellschaft WEG, den ehemaligen Rübenladeplatz an die benachbarte Fruchtsaftfirma verkauft. Doch jetzt braucht der Verband ein Stück Land zurück. Die Eisenbahnaufsicht fordert, dass die beiden Gleise durch eine Leitplanke von den Nachbargrundstücken abgegrenzt werden. Daher werden zusätzliche 20 Zentimeter nötig.Doch der neue Eigentümer wartet ab. „Die Verhandlungen verliefen sehr zögerlich“, lautet die offizielle Version aus Sicht des Zweckverbands. Der Chef des Unternehmens hat sich bislang trotz Anfrage nicht zu den Verhandlungen geäußert. Laut Axel Meier werde ihm garantiert, dass sein Betrieb ungestört weiter laufen könne. Der Verband brauche nur die 20 Zentimeter, den Rest könne das Unternehmen behalten. Eine Enteignung sei nur das letzte Mittel. „Ich hoffe, dass wir noch zu einer Einigung kommen“, sagt Axel Meier.




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