Zweckverband will nach vorne blicken Stadtbahn soll schnellstmöglich kommen

Von Remseck aus geht’s aktuell nur zurück, in Zukunft weiter nach Ludwigsburg. Fragt sich nur, mit welchem Bahntyp. Foto: SDMG/Kohls
Von Remseck aus geht’s aktuell nur zurück, in Zukunft weiter nach Ludwigsburg. Fragt sich nur, mit welchem Bahntyp. Foto: SDMG/Kohls

Seit Jahren gibt es Streit darüber, ob eine Stadtbahn nach Ludwigsburg kommen soll und welches System dabei zum Einsatz kommt. Nun will man wenigstens von Markgröningen bis Ludwigsburg und von Remseck nach Pattonville bald vorankommen.

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Ludwigsburg - Auf einen festen Zeitplan mochten sich am Montag weder Landrat Dietmar Allgaier noch Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht festlegen. Und auch der künftige Geschäftsführer des Zweckverbands Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg, Frank von Meißner, der gegenüber der Presse zunächst von „fünf bis sechs Jahren“ gesprochen hatte, ließ sich darauf nicht festnageln. Das sei nur ein Ausblick gewesen, erklärte er. Dennoch bekundeten alle, das Projekt Stadtbahn zügig angehen zu wollen. „Die Bevölkerung erwartet von uns, dass wir jetzt Nägel mit Köpfen machen“, zeigte sich von Meißner überzeugt.

Der Landrat, der am Montag einstimmig zum Vorsitzenden des Zweckverbands gewählt worden ist, stellte allerdings auch klar, dass eine Reaktivierung der Schienenstrecke zwischen Markgröningen und dem Ludwigsburger Bahnhof in zwei bis drei Jahren „unrealistisch“ sei. Aktuell stehe der Pachtvertrag mit der Deutschen Bahn für die Strecke an – „dabei hat uns das Verkehrsministerium sehr unterstützt“, betonte Allgaier –, bis Ende August/Anfang September solle der Betriebsformen-Kostenvergleich für die Strecke vorliegen, die Potenzialanalyse voraussichtlich innerhalb des dritten Quartals. Im Herbst sollen dann auch erste Gespräche mit dem Bund über Fördergelder geführt werden.

Dicke Förderung lockt

Insgesamt sei für das Projekt eine Förderung von bis zu 95 Prozent möglich, betonte von Meißner – 90 Prozent vom Bund, fünf Prozent vom Land. „Das habe ich in meiner 20-jährigen Berufstätigkeit noch nicht erlebt“, betonte der neue Geschäftsführer, der zum 1. Oktober seine Tätigkeit antritt. Aktuell arbeitet der studierte Betriebswirt mit Lokführer-Patent als Projektleiter bei den Stuttgarter Straßenbahnen und kümmert sich dort um die geplante Verlängerung der S-Bahn-Linie von Filderstadt nach Neuhausen.

Das Projekt Stadtbahn soll in drei Stufen erfolgen. Zunächst geht es um die Reaktivierung der alten Bahnstrecke zwischen Markgröningen und dem Ludwigsburger Bahnhof. Der zweite Schritt wäre die Verbindung zwischen Remseck und dem Ludwigsburger Bahnhof, der dritte die Linienäste in Ludwigsburg, die Oßweil und das Schlösslesfeld anbinden sollen.

Hochflurbahn ab Remseck?

Vor allem Markgröningens Bürgermeister Rudolf Kürner kann es kaum abwarten, bis die Stadtbahn Fahrt aufnimmt: „Wir alle wollen endlich mit der Bahn fahren“, betonte er. Was die Anbindung von Remseck an den Bahnhof in Ludwigsburg angeht, ist, wie berichtet, eine schon abgehakte Variante wieder ins Spiel gekommen: eine Hochflurbahn, wie sie schon von Stuttgart aus bis nach Remseck führt. Deren Schienen, so die Überlegungen, könnten am Salonwald vorbei führen und so auch die Südstadt und den Neubau von Wüstenrot und Württembergische AG, kurz W&W, anbinden. Vorausgesetzt, dass die aktuell laufende Potenzialuntersuchung den entsprechenden Bedarf ergibt.

Ludwigsburgs OB Knecht, der wie die Möglinger Bürgermeisterin Rebecca Schwaderer Landrat Allgaier als Zweckverbandsvorsitzenden vertritt, meinte dazu, die Stadtbahn habe Priorität, „aber wir müssen abklären, welches die besten Varianten sind.“ Und weiter: „Wir fühlen uns an die Beschlusslage gebunden.“ Die sieht in Ludwigsburg ein sogenanntes Niederflursystem vor; eine Hochflurbahn wurde im Jahr 2018 von allen Gremien abgelehnt. Andererseits, betonte Knecht, „ist das Ziel, dass wir mit dem System vorankommen und Schritte, die in der Zukunft liegen, nicht verunmöglichen.“ Und wenn anderswo die Niederflurbahn eingesetzt werde, sei das in einem größeren Raum, wie etwa in Brest in der Bretagne.

Schnelle Lösung für Teilschritte

Hinter diesen Aussagen stecke jedoch keine Präferenz seinerseits für die Hochflurbahn, erklärte Knecht auf Nachfrage dieser Zeitung: „Ich bin lediglich ein Befürworter einer schnellen Lösung.“ Man habe jahrelang um eine perfekte große Lösung gekämpft und dadurch kleine Teilschritte unmöglich gemacht. „Dabei ist ein Anschluss Markgröningens und Möglingens völlig unproblematisch, ebenso das Zipfelchen von Remseck bis nach Pattonville.“ Erst der zweite Schritt sei ja dann die Frage, was von Pattonville aus raufkomme. „Und wenn man merkt, dass der dritte Schritt, die Äste in Ludwigsburg, mehr Zeit kostet, kann man den zunächst weglassen.“ Denkbar ist aus Sicht des Rathauschefs auch ein Vorlaufbetrieb von Pattonville zum Ludwigsburger Bahnhof in der Hochflurvariante. Das müsse nicht so bleiben, man könne die hohen Bahnsteige auch zurückbauen, meint Knecht. Was das kosten würde, dazu kann er noch nichts sagen: „Da bitte ich noch um Geduld.“ Eines allerdings schließt er aus: ein Hochflursystem durch Ludwigsburg nach Oßweil und ins Schlösslesfeld. „Das ist auf keinen Fall sinnvoll. Mit Hochflur ist am Bahnhof Ludwigsburg Schluss“, erklärt er kategorisch. Ein Zeitplan, wie es weitergeht, soll wohl noch im Juni vorgestellt werden.




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