Zwei Weltenbummler aus Stuttgart Was braucht man für eine Wüstenexpedition?

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Solide Dinge als Reisebegleiter sind auf Expeditionen ein Muss – aber auch beim Campingurlaub eine Freude. Das Design-Center zeigt Wüstenerprobtes: vom Sparschäler bis zum Geländewagen.

Eberhard Holder und Micha Klein mit ihrer Ausstellung und einem faltbaren Trinkbecher. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 14 Bilder
Eberhard Holder und Micha Klein mit ihrer Ausstellung und einem faltbaren Trinkbecher. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Wenn beim Aussteigen aus dem Zug schon auf dem Bahnsteig in Paris ein Henkel der Reisetasche reißt, ist der Auftakt des Aufenthalts verdorben. „Irgendetwas geht immer kaputt“, weiß auch Eberhard Holder und umgibt sich nur mit Dingen, die stabil sind und vor allem: mit Dingen, die sich leicht reparieren lassen. Aber bei dem emeritierten Architekturprofessor geht es dabei nicht um einen harmlosen Städtetripp, sondern er hat mehrfach die Ausstattung für monatelangen Reisen in die Wüsten der Welt zusammengestellt.

Warentest vor Ort

Zusammen mit dem Designer Micha Klein ist er zuletzt von Stuttgart aus bis in die Mongolei gefahren. „Da ist man lange Zeit umgeben von den immer gleichen Produkten“, lautet Holders lapidare Feststellung. Doch wenn der Campingkocher immer ausgeht oder Sand ins Tablet kommt, ist das verschwendete Lebensqualität. Wer das Abenteuer sucht, muss sich auf seine Begleiter verlassen können. Deshalb sind die Dinge, die den Reisenden treu und zuverlässig begleiten, im Haus der Wirtschaft eine Ausstellung wert: „Reisebegleiter“ haben sie die beiden Weltenbummler genannt. Zu sehen sind unzählige nützliche Gegenstände, die auch das Herz des einfachen Campers erfreuen können. Da Holder und Klein alles auf ihren Expeditionen getestet haben, ist die Ausstellung eine Art gelebte Stiftung Warentest. „Was nichts taugt, ist rausgeflogen“, sagt Holder streng, und die Direktorin des Design Centers im Haus der Wirtschaft, Christiane Nicolaus, betont, dass diese Schau wohl die einzige ist, bei der Dinge gezeigt werden, die danach wieder weiter benutzt werden.

Autoreparatur beim Dorfschmied

Holder und Klein haben auf vielen Reisen die zuverlässigen Helfer gefunden: vom Rex Sparschäler aus dem Jahr 1947, der Kartoffeln, Karotten und Obst unermüdlich von ihrer Schale befreit, bis zu ihrem G-Klasse Mercedes-Geländewagen aus den 1970er Jahren, zeigen sie, was den Extrembedingungen standhält. „Diesen Wagen kann auch der Dorfschmied reparieren“, weiß Holder aus Erfahrung.

Reparieren ist ein zentraler Punkt auf Reisen. Der Engländer – ein Schraubenschlüssel – ist ein Erbstück von Holders Vater. Die beiden, durch mehre Expeditionen erprobten Männer mit Hang zur Ästhetik, haben alles Instabile aus ihrem Umfeld verbannt und sind stolz auf die Spuren der Abenteuer, die ihre Ausrüstung zeigt. Deshalb ziert den Deckel des Buchs zur Ausstellung Holders Aluminiumkoffer mit Dellen, Aufklebern und mit reparierten Schlössern. Vor vielen Jahrzehnten, er war damals noch Student, hatte er ihn sich geleistet: Eine große Investition war das damals für ihn. Aber Hochpreisiges zahlt sich eben oft aus.

„Was wir dabei haben, ist nicht trendy“, sagt er: Zum Beispiel das Kochset mit Spiritusbrenner wird seit 1950 in Schweden produziert und trotzt selbst Sturm. Der Peli Case, ein Kunststoffkoffer, der kein Wasser ins Innere kommen lässt, ist bruchsicher und staubdicht – oder Vorratstonne für Essbares. Eine Kühlbox sucht man bei den beiden Reisenden vergeblich, dafür haben sie einen richtigen Picknickkorb-Koffer dabei – und zwar seit 1995 denselben. Und ein Glanzstück der Multifunktionalität ist der Geh- und Wanderstock, der sich mit einem Ruck in einen kleinen Sitz verwandeln lässt.

Unauffällig funktionale Kleidung

Unaufdringlich und genial müssen die Dinge sein, die Holder und Klein dabei haben. Das gilt auch für die Garderobe, die ohne High Tech-Materialien auskommt, stattdessen sind Kaschmir, Merinowolle, Loden, Moleskin, Flanell, Seide, Leinen und Leder vertreten und alles in dezenten Natur-Farben. „Wir wollen in einer fremden Kultur nicht dadurch auffallen, dass wir in einen neongrünen Plastikschlauch gekleidet sind“, bringt Micha Klein ihrer beiden Kleider-Philosophie auf den Punkt. In ihrem Buch haben die Produkttester alle Gegenstände unter verschiedenen Gesichtspunkten wie Lebensdauer, Reparaturfähigkeit, Platzbedarf sowie nach Herstellern katalogisiert und in anekdotischen Texten ihre Beziehungen und Erfahrungen mit den Dingen beschrieben.

Die Ausstellung im Design-Center im ersten Stock des Haus der Wirtschaft ist bis zum 5. Oktober zu sehen, Montag bis Freitag jeweils von 11 bis 18 Uhr. Am Feiertag ist das Haus geschlossen. Das Buch mit dem Titel „Reisebegleiter. Richtig gute Dinge für unterwegs“ von Eberhard Holder und Micha Klein ist im Verlag Avedition für 29 Euro erschienen.



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