Zweiter Weltkrieg Jüdische Besitzer eines Klaviers gesucht

Ein 150 Jahre altes Klavier  sucht seine Besitzer. (Symbolbild) Foto: dpa/Patrick Seeger
Ein 150 Jahre altes Klavier sucht seine Besitzer. (Symbolbild) Foto: dpa/Patrick Seeger

Die Französin Mylène Bernhardt sucht nach den Nachfahren einer jüdischen Familie, die auf der Flucht vor den Nazis bei ihren Urgroßeltern unterschlüpfte – und ein Klavier zurückließ.

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Brives-Charensac - Eine junge Französin hat eine Suche nach den Nachfahren der Besitzer eines rund 150 Jahre alten Klaviers gestartet und erhält dabei auch Unterstützung von jüdischen Organisationen. Von ihren Großeltern habe sie erfahren, dass eine jüdische Familie das Klavier im Zweiten Weltkrieg auf der Flucht vor den Nazis zurückgelassen habe, nun wolle sie es an die Nachfahren zurückzugeben, erklärte Mylène Bernhardt. Über die sozialen Medien startete sie eine Suche nach Angehörigen der Familie Pinguet – bislang aber noch ohne Ergebnis, wie sie auf Facebook mitteilte.

Den Angaben der Frau nach soll die jüdische Familie auf der Flucht Paris verlassen und das Klavier in einem Bahnwaggon mitgenommen haben. Unterschlupf fand sie demnach zwei Jahre lang im Loire-Örtchen Brives-Charensac bei Bernhardts Urgroßeltern, die nahe am Bahnhof wohnten. Als die Flucht 1944 weiterging, sei das Klavier zurückgelassen worden.

Jüdischer Familie gelingt Flucht

Nach Kriegsende bekamen die Urgroßeltern noch einen Brief der Familie Pinguet – sie hatten überlebt und waren wohlauf. Da der Brief aber nicht erhalten blieb, fehlen der jungen Französin nun vollständige Namen und andere Anhaltspunkte, um ihre Suche näher einzugrenzen.

Das inzwischen rund 150 Jahre alte Klavier, es muss zwischen 1860 und 1883 beim Klavierbauer Jules Rinaldi in Paris entstanden sein, wurde bereits detailliert unter die Lupe genommen, um möglicherweise über eine Seriennummer den exakten Namen der damaligen Käufer zu ermitteln. Leider ohne Ergebnis.

Mylène Bernhardt, die gerade ihr Haus ausräumt, erklärte, sie wolle das geschichtsträchtige Klavier nicht einfach in die Hände von irgendjemanden geben, sondern an Nachfahren der ursprünglichen Eigentümer oder ein Museum. Namhafte Vereine und jüdische Organisationen unterstützten sie inzwischen.

Im letzten Moment vor Wassermassen gerettet

Dabei hat das Klavier nicht nur den Zweiten Weltkrieg, sondern 1980 auch ein verheerendes Hochwasser überstanden: Im letzten Moment sei es vor den Fluten der Loire gerettet worden, sagte Bernhardt.

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