Im Mai nächsten Jahres jährt sich die Fertigstellung des höchsten Kirchturms der Welt zum 125. Mal. Die Stadt Ulm hat aus diesem Anlass ein millionenschweres Kulturprogramm auf die Beine gestellt.

Politik/Baden-Württemberg: Rüdiger Bäßler (rub)

Ulm - Alle 25 Jahre ist Jubiläumszeit in Ulm, dann wird die Fertigstellung des Münsterturms im Jahr 1890 groß begangen. Der Tag der Tage ist stets der 31. Mai, aber die Stadt belässt es auch diesmal wieder nicht bei lediglich einem Feiertag. Bereits im Januar beginnt ein Veranstaltungsreigen mit überregionalen und regionalen Kunstprojekten. Der Gemeinderat hat dafür 1,8 Millionen Euro bereit gestellt, zusätzliches Geld kommt außerdem von Sponsoren.

Der Großteil des Etats – eine halbe Million Euro – geht in Komposition und Aufführung des „Ulmer Oratoriums“, das der zyprische Komponist Marios Joannou Elia vertont. Rund 500 Akteure werden bei den Aufführungen am 29. und 30. Mai auf dem Münsterplatz mitwirken. Ob daraus auch eine CD wird, hängt derzeit davon ab, wie sich die Spenden weiter entwickeln.

Der Testlauf für die Illumination des Münsters blieb geheim

Vom 1. Januar an wird das Münster für den gesamten Rest des Jahres in ein spektakuläres Licht getaucht. „Münsterscanning“ heißt das Projekt von Joachim Fleischer. Wie das aussieht, hält die Stadt streng geheim; ein heimlicher Testlauf, sagte der Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) am Freitag, sei unter Ausschluss unerwünschter Spione gelungen.

„Solar Equation“ ist eine Installation des in Montreal lebenden Künstlers Rafael Lozano-Hemmer betitelt. Darunter, heißt es, sei ein großer Ballon zu verstehen, der im Inneren der Bürgerkiche aufgehängt wird und dessen Leuchtkraft je nachdem changiert, wie viele Besucher sich nähern.

Einen großen Wurf plant das Legoland in Günzburg . Spezialistinnen haben gerade damit begonnen, das Ulmer Münster im Maßstab 1:70 mit handelsüblichen Legosteinen nachzubauen. Sie orientieren sich an originalen spätmittelalterlichen Bauplänen. In drei Monaten soll der Nachbau fertig sein, er wird eine Höhe von 2,30 Meter und eine Länge von 1,80 Meter haben. Ende März wird das Lego-Münster zunächst im hauseigenen Veranstaltungspark gezeigt, im Mai bekommt die Stadt das Modell, um es im Eingangsbereich des originalen Münsters auszustellen.

Der Dekan spricht von einer „Riesenchance“

Ausstellungen, Sonderführungen, Werkstätten, Konzerte, Vorträge, ein vom Stadttheater aus dem Boden gestampftes Kindermusical – die ab Januar geplanten Jubiläumsveranstaltungen füllen bereits ein dickes Programmheft. Für den evangelischen Dekan Ernst-Wilhelm Gohl ist das „eine Riesenchance“, Gläubige zu erreichen. Der Oberbürgermeister Gönner fügt hinzu, das Münster werde keineswegs zu einem „Rummelplatz“ gemacht. „Das ist keine Event-Veranstaltung.“

Stadt und Kirchenverwaltung erinnern an kommende ernste Aufgaben. Die Sanierung des Hauptturmes steht an. Noch während des Sommers würde mit dem Gerüstaufbau begonnen, kündigte der Münsterbaumeister Michael Hilbert an. Die Bauzeit am Turm ist auf zehn Jahre veranschlagt, die Kosten werden auf rund 25 Millionen Euro geschätzt.

Es sei, sagte Rathauschef Gönner, „ein nicht ungewollter Nebeneffekt“ des Feierjahres, Spender aufmerksam zu machen. Seit jeher lassen sich die Ausbesserungsarbeiten an der Kirchenfassade nur durch Privatzuschüsse verwirklichen. In der Regel, sagt Hilbert, überstünden die Reparaturen dann wieder die nächsten 100 Jahre.

Im Programm kommen alle auf ihre Kosten

Die Stadt hat ihr Feierjahr 2015 unter das Motto „Ulmer Weitblick“ gestellt. Eine der Besonderheiten ist die Ausstellung „Ich, Ulm“ von Doris Graf. Sie zeigt das Beste aus mehr als 2000 Beiträgen von Bürgern, die darstellten, was ihnen das Münster bedeutet. Zum Programm gehört auch eine Sonderausstellung, die nachzeichnet, wie die Ulmer ihre bisherigen Turmjubiläen gefeiert haben.

Nicht nur die Freunde der gepflegten Hochmusik kommen auf ihre Kosten, auch an die Jugend ist gedacht. Unter dem Titel „Poetry and Party“ gibt es von Januar bis Dezember Bandauftritte, Lesungen und Ausstellungen in den Clubs „Frau Berger“, „Roxy“, „Eden“ und im Stadthaus auf dem Münsterplatz.

Das Programm steht zwar in seinen Umrissen, die Feinarbeiten sind aber noch in vollem Gang. Und manches, heißt es im Rathaus, werde doch noch hinzukommen. Den kompletten aktuellen Überblick liefert stets die Internetseite www.ulm125.de

Über diese Internetseite lässt sich übrigens auch der Baufortschritt des Lego-Münsters verfolgen. 320 Arbeitsstunden sind veranschlagt. Die Spieleteile werden nicht nur gesteckt, sondern zusätzlich verklebt. Anders, heißt es, lasse sich das fragile Modell später nicht sicher von Günzburg nach Ulm transportieren.

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