20 Jahre Gilmore Girls Einmal Wohlfühlfernsehen, bitte!

2016 gab es ein Wiedersehen mit den „Gilmore Girls“ (von links): Kelly Bishop als Emily Gilmore, Lauren Graham als Lorelai und Alexis Bledel als Rory. Foto: Robert Voets/Netflix 27 Bilder
2016 gab es ein Wiedersehen mit den „Gilmore Girls“ (von links): Kelly Bishop als Emily Gilmore, Lauren Graham als Lorelai und Alexis Bledel als Rory. Foto: Robert Voets/Netflix

20 Jahre ist es her, dass die „Gilmore Girls“ ihr TV-Debüt feierten. Die Serie tut einfach gut – auch heute noch. Kein Wunder, dass mancher nie genug bekommen kann.

Digital Unit : Theresa Schäfer (the)

Stuttgart - Es gibt Fernsehen, das ist wie eine große Tasse heiße Schokolade mit Sahne: Süß, warm und tröstend. Die US-amerikanische Serie „Gilmore Girls“ gehört definitiv dazu. So sehr vermissten viele Zuschauer diese Art „Comfort-TV“, dass sie die Macher Amy Sherman-Palladino und David Palladino so lange nervten, dass diese 2016 einen vierteiligen Nachklapp für Netflix aus dem Ärmel schüttelten.

Im Oktober 2000 kam die Serie in den USA ins Fernsehen. Es sollte vier Jahre dauern, bis auch das deutsche Publikum die Gilmores kennenlernte. Die Serie, die es auf sieben Staffeln brachte, war hüben wie drüben ein gewaltiger Erfolg. Was hätte man an den „Gilmore Girls“ auch nicht mögen sollen?

Lorelai und Rory – jeder Satz ein Treffer

Da war zunächst das Mutter-Tochter-Duo Lorelai (Lauren Graham) und Rory (Alexis Bledel), das sich in bester Screwball-Comedy-Manier eine Pointe nach der anderen um die Ohren haute. Jeder Satz ein Treffer. Die Pointendichte der Palladinos war so hoch, dass die Drehbücher schließlich doppelt so dick waren wie bei der Serienkonkurrenz. Die beiden Hauptdarstellerinnen mussten einfach immer schneller sprechen, was der Serie ihren unnachahmlichen Witz und Charme verlieh. (Hier die dringende Empfehlung, die Serie unbedingt in der Originalversion zu schauen, um keinen Wortwitz zu verpassen!)

Doch Amy Sherman-Palladino machte nicht bei ihren Hauptfiguren halt: Jede einzelne, noch so geringe Nebenrolle war nicht nur hochkarätig besetzt, sondern auch bis ins feinste Detail ziseliert. Für Lorelais snobistische Upper-Class-Eltern Emily und Richard konnten die Palladinos Kelly Bishop und Edward Herrmann gewinnen, Charakterdarsteller der goldenen Film- und Fernsehzeit. Bishop, die schon im Tanzklassiker „Dirty Dancing“ eine High-Society-Mutter gab, mimte die ständig konsternierte, nie zu zufriedenstellende, furchteinflößende Emily einfach meisterhaft. Herrmann, der 2014 starb, war es nicht vergönnt, die Neuauflage der „Gilmore Girls“ mitzuerleben.

Stars Hollow – bevölkert von liebenswert schrulligen Charakteren

Wer würde nicht in Stars Hollow leben wollen? Die fiktive Kleinstadt in Connecticut, in der gefühlt immer farbenprächtiger „Indian Summer“ war oder watteweicher Schnee fiel – dabei wurde gar nicht an der Ostküste der USA gedreht, sondern auf dem Studiogelände von Warner Brothers in Kalifornien. Die bevölkert war von liebenswert verschrobenen Charakteren: Melissa McCarthy spielte sich als verstrahlt-geniale Köchin Sookie in die erste Riege der Comedy-Schauspieler. Scott Patterson gab Luke, den verstockten Besitzer von Lorelais Stammcafé „Luke’s Diner“, von dem man doch immer wusste, dass er genau der Richtige für sie war. Oder Sean Gunn als Kirk, der zwischen Telefontechniker und Experimentalfilmer so ziemlich alles tat und für stetiges Chaos sorgte. Die Sängerin Carole King lieferte erst die Erkennungsmelodie der Serie und tauchte dann Jahre später als Musikalienladenbesitzerin Sophie in Stars Hollow auf.

Geliebt wurde in den „Gilmore Girls“, man trennte sich und versöhnte sich wieder: Vor allem Rorys Liebesleben war kontrovers. Ob man Team Dean (Jared Padalecki), Team Jess (Milo Ventimiglia) oder Team Logan (Matt Czuchry) war, konnte Freundschaften entscheiden.

Voll mit Referenzen an die Popkultur

Dass man nach einer Folge „Gilmore Girls“ nicht ein übles klebrig-süßes Gefühl im Bauch hatte wie nach zu viel Zuckerwatte, lag daran, dass die Serie so intelligent gemacht war. In praktisch jeder Szene versteckten die Palladinos eine – nicht selten obskure – Referenz an die Popkultur. Da beklagt Lorelai, dass Bill Mahers Sendung „Politically Incorrect“ nicht fortgesetzt wird, Rory träumt von US-Außenministerin Madeleine Albright oder Mutter und Tochter sitzen auf der Couch und schauen zusammen den Streisand-Klassiker „Funny Girl“. Die DVDs der Serie kommen mit einem Beiheft, das all diese Referenzen erklärt. Schaute man „Gilmore Girls“, fühlte man sich hinterher immer auch ein bisschen schlauer.

Natürlich ist nicht alles an der Serie gut gealtert – Vielfalt im Casting sucht man zum Beispiel vergebens: Michel, der herrlich kapriziöse Concierge in Lorelais Inn, der von Yanic Truesdale gespielt wird, ist der einzig nicht weiße Charakter der Serie.

Lesen Sie hier: Tipps fürs „Comfort Bingeing“

Die „Gilmore Girls“ endeten 2007 nach der siebten Staffel abrupt und ungeplant. Die Palladinos hatten sich mit Warner Brothers nicht über neue Konditionen einigen können, für die letzte Staffel zeichneten sie gar nicht mehr verantwortlich. Und das, obwohl Amy Sherman-Palladino angeblich bereits von Beginn an die letzten vier Worte der Serie im Kopf hatte. So fühlte sich das Ende der Serie immer ein bisschen schal und unbefriedigend an.

Die berühmten vier letzten Worte

Fans forderten daher über Jahre eine Rückkehr der „Gilmore Girls“. 2016 taten die Palladinos ihnen den Gefallen und produzierten für Netflix die vierteilige Mini-Serie „Gilmore Girls: Ein neues Jahr“. Und siehe da: Die, die sich die Serie am meisten zurückgewünscht hatten, waren nun enttäuscht. Zu glatt, zu wenig schrullig fanden viele das Revival.

Die letzten vier Worte brachte Sherman-Palladino schließlich trotzdem noch unter. Und die waren so ein gewaltiger Cliffhanger, dass viele wieder nach neuen Folgen schrien. Ausgeschlossen ist das offenbar nicht, obwohl Amy Sherman-Palladino mit „The Marvellous Mrs. Maisel“ einen weiteren Megaerfolg erdacht hat und die meisten Cast-Mitglieder inzwischen mit anderen Serien beschäftigt sind: Milo Ventimiglia zum Beispiel spielt eine der Hauptrollen in der mehrfach Emmy-nominierten Familienserie „This is Us“, Alexis Bledel steht für „The Handmaid’s Tale“ vor der Kamera. Ende 2019 machte Sherman-Palladino den unersättlichen „Gilmore Girls“-Fans in einem Podcast Hoffnung: Sie sei „absolut offen“ dafür, weiteren Nachschub zu produzieren. Sie stehe mit den Schauspielern in engem Kontakt. „Es geht um nichts anderes, als dass wir die richtige Story, das richtige Format und den richtigen Zeitpunkt brauchen.“




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