40 Jahre Grüne So hat sich die Öko-Partei verändert

Von Thorsten Knuf 

Vor 40 Jahren gründeten Umweltschützer, Friedensbewegte und Atomkraftgegner in Karlsruhe eine neue Partei. Von der Latzhose hin zum Anzug: Wir zeigen den Wandel der Grünen in einer Bilderstrecke.

Wallemähnen, Bärte und Latzhosen gehörten beim Gründungsparteitag der Grünen zur provokativ-rebellischen Grundausrüstung. Unsere Bilderstrecke zeigt anhand von sieben Aspekten, wie die Ökopartei sich im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Foto: imago/Friedrich Stark 11 Bilder
Wallemähnen, Bärte und Latzhosen gehörten beim Gründungsparteitag der Grünen zur provokativ-rebellischen Grundausrüstung. Unsere Bilderstrecke zeigt anhand von sieben Aspekten, wie die Ökopartei sich im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Foto: imago/Friedrich Stark

Berlin - Es wird, wenn man so will, eine staatstragende Veranstaltung. Sogar der Bundespräsident hat sich angekündigt, um eine Rede zu Ehren der Jubilarin zu halten. Gar nicht schlecht für eine Partei, die einst angetreten ist, um die Republik aus den Angeln zu heben und die Welt zu verändern.

Die Grünen feiern an diesem Freitag in Berlin ihr 40-jähriges Bestehen. Gegründet wurden sie am 12. und 13. Januar 1980, und zwar bei einem Kongress in Karlsruhe. Und noch ein zweites Jubiläum wird am Freitag begangen, nämlich 30 Jahre Bündnis 90. Der Zusammenschluss von Oppositionsgruppen aus der Zeit der friedlichen Revolution in der DDR ging später in der gesamtdeutschen Öko-Partei auf.

Umweltschützer, Atomkraftgegner und Frauenrechtler

Die Grünen waren bei ihrer Gründung ein Kind der so genannten Neuen Sozialen Bewegungen. Personen und Gruppen unterschiedlicher Herkunft schufen eine Partei, um sich in der Bonner Republik Gehör verschaffen zu können: Umweltschützer, Friedensbewegte, Atomkraftgegner, Lateinamerika-Aktivisten, Frauenrechtlerinnen, Kämpfer für die Rechte Homosexueller und viele andere mehr. Ökologisch, sozial, basisdemokratisch und gewaltfrei wollte man sein, das einte den bunten Haufen. Es war die Zeit, als der Kanzler noch Helmut Schmidt (SPD) hieß, der Rüstungswettlauf zwischen Ost und West in eine neue Phase trat und rund um den Globus über die Grenzen des Wachstums diskutiert wurde.

1983 zogen die Grünen erstmals in den Bonner Bundestag ein. Inzwischen gelten sie längst als staatstragende Partei. In der Mehrzahl der Bundesländer sind sie an der Regierung beteiligt, im Bund betrachten sie sich als Regierungspartei im Wartestand. Unter den gegenwärtigen Vorsitzenden Robert Habeck und Annalena Baerbock erscheint es sogar möglich, bei der Wahl 2021 die Union als stärkste Kraft abzulösen. Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner sagt: „Von Kreuzberg bis Kretschmann“ – also von weit links bis weit ins grün-bürgerliche Lager – gebe es „den gemeinsamen Wunsch, dieses Land gemeinsam zu verändern und auch regieren zu wollen“.

„Erfolgreichste Parteineugründung“

Und Ludger Volmer, ein Grüner der ersten Stunde, der später Parteichef und Staatsminister im Auswärtigen Amt war, sagt: „Wir sind die erfolgreichste Parteineugründung in der Geschichte der Bundesrepublik. Wir haben es geschafft, Ökologie als Grund-Kategorie der Politik zu etablieren und eine allgemeine gesellschaftliche Bewusstseinsveränderung in Gang zu setzen.“ Der Preis für die heutige Stärke sei ein Marsch in die politische Mitte gewesen, der die Grünen insbesondere in sozialen Fragen und in der Außenpolitik „relativ konturlos“ gemacht habe. Wo genau sich die Grünen verändert haben, beleuchten wir in unserer Bilderstrecke.




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