Alec Baldwin erschießt Kamerafrau Wie konnte es zu dem tödlichen Unfall kommen?

Alec Baldwin wurde von der Polizei als Zeuge verhört. Foto: dpa/Alec Tabak
Alec Baldwin wurde von der Polizei als Zeuge verhört. Foto: dpa/Alec Tabak

Bei den Dreharbeiten zu einem US-Western mit Alec Baldwin ereignet sich ein tödliches Unglück mit einer Requisitenwaffe. Eine Kamerafrau erliegt ihren Verletzungen. Wie konnte das passieren?

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New Mexico - Der tragische Vorfall ereignet sich am Donnerstag auf einem Filmset südlich von Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexiko. Alec Baldwin (63) feuert eine Schusswaffe, die angeblich mit Platzpatronen geladen war. Dabei sei es zu einer Fehlzündung gekommen, heißt es in einer ersten Erklärung. Kamerafrau Halyna Hutchins und Regisseur Joel Souza werden schwer verletzt. Anderen Medienberichten zufolge hat Baldwin unwissentlich eine Waffe mit scharfer Munition abgefeuert.

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Wie das Büro des Sheriffs von Santa Fe County mitteilte, wurde die 42-jährige Frau mit einem Helikopter in die Universitätsklinik von New Mexico in Albuquerque geflogen, wo sie kurz darauf starb. Der 48-jährige Regisseur wurde in das örtliche Christus-St.-Vincent-Krankenhaus gebracht. Laut örtlicher Behörden schwebt er in Lebensgefahr.

Unter Tränen von der Polizei verhört

Wie die Lokalzeitung „The Santa Fe New Mexican“ berichtet, sei Alec Baldwin unter Tränen von der Polizei verhört worden. Daneben seien weitere Zeugen am Drehort vernommen worden, der für Medien und Schaulustige abgeriegelt wurde. Aktuell geht das örtliche Sheriff-Department von einem Unfall aus, es wurde keine Anklage erhoben und auch niemand verhaftet.

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Der Tod von Halyna Hutchins löste in Hollywood große Bestürzung aus. In einem Statement schreibt die International Cinematographers Guild: „Wir haben heute Abend die schreckliche Nachricht erhalten, dass eines unserer Mitglieder bei einer Produktion in New Mexiko am Set verletzt und gestorben ist. [. . .] Dies ist ein trauriger Verlust, und wir trauern um ein Mitglied unserer Gilden-Familie.“

Das Todesopfer galt als „aufsteigender Stern“

Hutchins stammt aus der Ukraine und wuchs auf einer sowjetischen Militärbasis auf. Später studierte sie Journalismus in Kiew und Filmtechnik am American Film Institute in Los Angeles. Nach ihrem Abschluss im Jahr 2015 erregte sie mit mehreren Kurzfilmen Aufsehen. 2020 folgte ihr erster Spielfilm „Archenemy“. Das Branchenmagazin „American Cinematographer“ bezeichnete Hutchins 2019 als einen „aufsteigenden Stern“.

Zugetragen hat sich das Unglück während der Dreharbeiten zum Western „Rust“, der in diesen Tagen auf der Bonanza-Creek-Ranch, einem beliebten Drehort in New Mexico produziert wird. Donnerstag um 13.50 Ortszeit ging ein Notruf bei der Polizei ein. Der Fernsehsender ABC veröffentlichte einen Mitschnitt des Telefonats. Zu hören ist eine Stimmet: „Wir haben eine Person, die bei einem Unfall angeschossen wurde.“

Baldwin ist Hauptdarsteller und Co-Produzent des Films

Nur wenige Stunden zuvor hatte der Schauspieler Alec Baldwin auf Instagram ein Foto von sich veröffentlicht, das ihn im Cowboy-Kostüm mit Filmblut auf dem Hemd zeigt. Als die Nachricht von der Tragödie bekannt wurde, hatten Tausende Fans damit begonnen, unterhalb des Bilds ihr Mitgefühl auszudrücken: „Ich habe gerade gelesen, was passiert ist. Es tut mir so leid!“ schreibt eine Instagram-Nutzerin. Das Foto ist in der Nacht gelöscht worden.

Der 68-jährige Baldwin ist Hauptdarsteller und Co-Produzent des Films. Der Western handelt von einem Gesetzlosen, dessen 13-jähriger Sohn für einen versehentlichen Totschlag zum Mord verurteilt wird. Die Dreharbeiten wurden nach der Tragödie bis auf Weiteres unterbrochen.

Auch Platzpatronen sind nicht ungefährlich

Unfälle mit Platzpatronen und Waffenattrappen sind selten. Trotzdem sind auch Platzpatronen nicht ungefährlich und bringen laut Waffenexperten zwei von drei Gefahren von scharfer Munition mit sich: den lauten Knall und den hohen Gasdruck, der mit mehreren Hundert Bar aus dem Lauf schieße. Üblicherweise werden Filmpistolen schussunfähig gemacht. Der Lauf wird verschweißt oder aufgefüllt oder der Verschluss entfernt. Strenge Sicherheitsvorkehrungen bei Dreharbeiten sollen die Gefahren solcher Unfälle ebenfalls minimieren. „Irgendwo muss diese Sicherheitskette durchbrochen worden sein“, sagt Bernd-Siegfried Michalek, zuständig für Arbeitssicherheit an der Filmakademie Baden-Württemberg.

Opfer eines solchen Unglücks wurde auch Brandon Lee, der Sohn der Kampfsportlegende Bruce Lee. Bei den Dreharbeiten zum Thriller „The Crow“ starb der damals 28-Jährige auf tragische Weise. Ein Teil der Munitionsattrappe hatte sich in einem Revolver verklemmt. Als eine weitere Platzpatrone mit der Waffe abgefeuert wurde, schleuderte das Teilchen wie ein Projektil aus dem Lauf und traf Lee auf kurze Distanz in den Bauch. Er wurde tödlich verletzt. Die noch nicht abgedrehten Szenen des Films wurden mit Computertechnik fertiggestellt. Bei den Dreharbeiten zu einem ZDF-Krimi verletzte der Schauspieler Edgar Selge 2012 einen Kollegen leicht, als sich versehentlich ein Platzpatronenschuss aus kurzer Distanz löste.

Alec Baldwin ist berühmt für seine Donald-Trump-Imitationen

Leben
 Geboren 1958 in New York, kellnert Alec Baldwin im legendären Nachtclub Studio 54. Von 1993 bis 2002 war er mit Schauspielerkollegin Kim Basinger verheiratet.

Karriere
 1988 fällt er im Kino auf – in „Beetlejuice“ und „Working Girl“, er spielt für Martin Scorsese („The Departed“, 2006), Woody Allen („Blue Jasmine“, 2013) und Tom Cruise („Mission: Impossible“). Baldwin ist ein Star der Show „Saturday Night live“, glänzte in der Sitcom „30 Rock“ (2006–2013) und ist berühmt für seine Donald-Trump-Imitationen.




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