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Ausgehkultur in Stuttgart Clubbetreiber fordern mehr Spielstätten

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Nach dem Runden Tisch der Ausgehkultur zwischen Stadt, Polizei und Gastronomen fanden jetzt die ersten Arbeitskreise zur Partyszene statt. Aber was nützen die Gespräche? Da sind Verwaltung und Clubbetreiber unterschiedlicher Meinung.

Grund zu feiern: Der Arbeitskreis Ausgehkultur hat zum ersten Mal getagt. In unserer Bilderstrecke zeigen wir einige der beliebtesten Stuttgarter Clubs. Foto: Achim Zweygarth 15 Bilder
Grund zu feiern: Der Arbeitskreis Ausgehkultur hat zum ersten Mal getagt. In unserer Bilderstrecke zeigen wir einige der beliebtesten Stuttgarter Clubs. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Nachdem es monatelang zwischen Stadtverwaltung und Polizei auf der einen und Gastronomen auf der anderen Seite Auseinandersetzungen um die Partykultur in Stuttgart gegeben hatte, ist es zwischen den Beteiligten mittlerweile ruhiger geworden. Das liegt zum einen an dem Runden Tisch, der vor wenigen Wochen zwischen Stadt, Clubbetreibern und Polizei stattgefunden hat – erstmals seit fast sechs Jahren. Zum anderen aber auch an der Tatsache, dass sich die Beteiligten jetzt in Arbeitskreisen organisiert haben, um zu erarbeiten, wie friedliches Feiern und Wohnen in der Innenstadt nebeneinander funktionieren kann.

Dabei werden die bisherigen Gespräche unterschiedlich bewertet. Während Sven Matis, Sprecher der Stadt, den „offenen, ausführlichen Austausch“ lobt, äußern sich die beteiligten Gastronomen zurückhaltender. „Es ging hauptsächlich darum, wie man das Trinken im öffentlichen Raum in den Griff bekommt. Uns ist aber nicht ganz klar, was wir hier beitragen können: Den öffentlichen Raum können wir nicht regulieren“, sagt Ninette Sander, Betreiberin des Clubs Schocken. Und Jean Theodorou, Macher der Clubs Rocker 33 und Keller Klub, ergänzt: „Das Problem sind nicht die Gastronomen, sondern die Wochenendtouristen, die mit dem Bier vom Supermarkt auf der Straße vorglühen. Je mehr Spielstätten geschlossen werden, desto mehr Leute feiern auf der Straße. Man müsste aber mehr Spielstätten eröffnen, damit sich die Leute besser verteilen.“

Stadtjugendring fordert Einschreiten der Politik

Auch eine Sperrzeitverlängerung sieht Theodorou kritisch. „Die Leute gehen nicht um 3 Uhr nach Hause, wenn der Club schließt, sondern feiern dann eben draußen weiter.“ Der Stuttgarter Stadtjugendring (SJR) sieht hier ein gesellschaftliches Problem. „Solange bei jeder Volksfesteröffnung der Fassanstich die zentrale Rolle spielt, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn Jugendliche genau dieses Vorgelebte nachahmen“, sagt Jörg Titze, der Vorsitzende des SJR. Titze fordert, dass die Politik beim Gewinnstreben der Alkoholindustrie einschreitet. „Eine Flasche Wodka ist für unter fünf Euro in jedem Supermarkt zu erwerben.“ Ein solch niedriger Preis ziele auf Jugendliche ab.

Für das nächste Treffen der Arbeitskreise Anfang Mai wünschen sich die Gastronomen andere Schwerpunkte. „Wir müssen das Thema klären, wie sich eine moderne Diskothek definiert. Viele Lokale verfolgen ein Mischkonzept aus Bar und Club. Hier brauchen wir eine verbindliche Definition für alle“, fordert Ninette Sander.

Gastronomen loben „frischen Wind aus dem Rathaus“

Bei aller Kritik gibt es aber auch lobende Worte für den Austausch mit der Stadt. „Man merkt, dass aus dem Rathaus jetzt ein anderer Wind weht“, sagt Jean Theodorou. „Besonders der Austausch mit Michael Kayser von der Kriminalprävention ist sehr gut, da kommen gute Tipps.“ Kayser koordiniert die Arbeitskreise für die Stadt Stuttgart, kümmert sich um Ablauf und Kommunikation.

In Sachen Kommunikation sehen die Gastronomen untereinander noch Nachholbedarf. „Bei 20 beteiligten Betreibern ist die Gefahr groß, dass jeder seine eigenen Problemchen in den Vordergrund stellt. Wir müssen aber gemeinsam an einem Strang ziehen“, so Ninette Sander. Rund um den Hans-im-Glück-Brunnen scheint das Miteinander schon auf einem guten Weg. Die Betreiber der dortigen Bars denken intensiv über die Anschaffung einer gemeinsamen Kehrmaschine nach, um nach Feierabend die öffentlichen Flächen reinigen zu können. Auch ein Pfandsystem, bei dem zwei Euro pro Glas erhoben werden soll, wird derzeit geprüft.

Parallel zum Arbeitskreis wird immer noch über das Ende der beiden Veranstaltungsstätten KimTimJim und Zapata diskutiert. Während sich die Stadt für eine Fortsetzung des Spielbetriebs im Zapata einsetzt, suchen die Macher des Clubs KimTimJim derzeit auf eigene Faust nach einem Nachfolgeobjekt. Zumindest temporär findet ein Teil des Programms an anderer Stelle Fortsetzung: Die Reihe „KitJen“, die immer donnerstags in der Küche des ehemaligen Chinarestaurants stattgefunden hat, soll im April in der Galerie Self Service Open Art Space in der Eichstraße weitergehen. Die Off-Location schließt Ende April ihre Pforten. „Da passt unsere Veranstaltungsreihe zum Abschied ganz gut rein. Das soll eine familiäre, kulturell anspruchsvolle Reihe werden“, erklärt Igor Tipura, Stuttgarter DJ und Veranstalter.




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