Ausgrabungen in Kernen Eine Wasserburg für den gehobenen Stand

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Mitte 2018 wurden Archäologen auf Stetten aufmerksam. Bei Bauarbeiten auf dem Ochsen-Areal wurden alte Holzbalken, Mauerreste, Scherben und Knochen sichergestellt. Die Auswertung läuft noch. Welche Bedeutung haben die Funde?

Wegen der historischen Funde mussten die Arbeiten für Neubauten auf dem Gelände hinter der Gaststätte Ochsen Mitte 2018 pausieren.Ein heißer Tag Ende September 2018: Bürger helfen mit, große Mengen ausgebaggerter Erde nach Stücken aus der Vergangenheit zu durchsuchen. Foto: Patricia Sigerist/Archiv
Wegen der historischen Funde mussten die Arbeiten für Neubauten auf dem Gelände hinter der Gaststätte Ochsen Mitte 2018 pausieren.Ein heißer Tag Ende September 2018: Bürger helfen mit, große Mengen ausgebaggerter Erde nach Stücken aus der Vergangenheit zu durchsuchen. Foto: Patricia Sigerist/Archiv

Kernen - Es sind ungewöhnliche Stücke aus der Ortsgeschichte, die im Juni 2018 bei Baggerarbeiten auf dem Ochsen-Areal in Stetten in der Klosterstraße zutage kamen. Auf Einladung des Vereins für Heimat und Kultur berichtet Dorothee Brenner vom Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart an diesem Freitagabend in der Glockenkelter über die historische Bedeutung des Funds und den Stand der Auswertungen.

Zur Baugrube lagen die Hölzer fast parallel, die Wände eines Gebäudes waren noch erkennbar

Bei Bauarbeiten in historischen Ortskernen sondiere das Landesamt für Denkmalpflege die Lage generell, denn „hier besteht immer der Verdacht, dass im Boden archäologische Kulturdenkmale vorhanden sind“, sagt Dorothee Brenner. In diesem Fall fanden sich, ein Bürger war aufmerksam geworden, als die Baugrube für zwei neue Häuser ausgehoben wurde, in gut 1,8 Metern Tiefe mehrere bis zu acht Meter lange Eichenbalken, die zu einem vermutlich quadratischen, vielleicht auch rechteckigen Fundament gehörten. „Dass wir so tief noch etwas finden, da waren wir doch überrascht“, sagt Dorothee Brenner. Eine in der Nähe, aber deutlich höher liegende Zehntscheuer war bereits im Vorfeld dokumentiert worden.

Ein heißer Tag Ende September 2018: Bürger helfen mit, große Mengen ausgebaggerter Erde nach Stücken aus der Vergangenheit zu durchsuchen. Foto: Hans-Dieter Wolz

Zur Baugrube lagen die Hölzer fast parallel, die Wände eines Gebäudes waren noch erkennbar, eine 1,5 Meter breite zweischalige Mauer konnte rekonstruiert werden. Nachdem auch ein Graben erkennbar war, sei schnell klar gewesen, dass es sich um eine Wasserburg mit einer Grundfläche von etwa acht auf acht Metern handelte, deren Wohnturm wohl mehrstöckig war.

Eine Burg oder eine Wasserburg als Vorläufer des Schlosses war schon seit Längerem vermutet worden

Anhand einer Altersbestimmung der Balken wurde diese Wasserburg auf das 13. Jahrhundert datiert, wohl auf die Jahre 1220 bis 1240. Als gesichert gilt, dass die steinerne Burg in Form eines Hauses oder eines Wohnturms bis ins 16. Jahrhundert und somit eine Zeit lang parallel zum Stettener Schloss existierte. Eine Burg oder eine Wasserburg als Vorläufer des Schlosses war schon seit Längerem vermutet worden. Parallel zu den Bauarbeiten wurden fast vier Wochen lang zahlreiche Fundstücke gesichert. Man habe „massenhaft Keramikscherben und Tierknochen“ gefunden, dazu Kachelstücke von „mehr als einem“ Kachelofen. Ungewöhnlich waren Metallfunde. „Gegenstände aus Metall werden normalerweise nicht weggeworfen, sondern weiterverwendet oder eingeschmolzen“, erklärt Dorothee Brenner. Hier aber lagen Reb- und Küchenmesser, Angelhaken, Waffen, eine Maultrommel, Armbrustbolzen, eine Hellebarde und Pferdezubehör einfach in der Erde.

Feuervergoldeter Sporn mit Steigbügel. Foto: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Fotografin: Yvonne Mühleis
Besonders hervorzuheben sei ein sehr schöner feuervergoldeter Sporn mit vermutlich dazu gehörigem Steigbügel, sagt Brenner. Es waren demnach auf jeden Fall Menschen der Oberschicht die dort lebten, vielleicht sogar die „Herren von Stetten“, die Truchsessen der Grafen von Württemberg. Die Fundstücke sind eingelagert und im Moment teilweise in der Restaurierung, ausgewertet ist längst nicht alles. „So etwas kostet Zeit und Geld. Oder man hat das Glück, dass zum Beispiel ein Student der Archäologie seine Magisterarbeit darüber schreiben will“, sagt die Archäologin, die beim Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen Gebietsreferentin für Mittelalter und Neuzeit ist.




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