Ausschreitungen in Slawjansk Unruhen in der Ukraine nehmen zu

Von Nina Jeglinski, Kiew 

Sicherheitskräfte des Landes sind am Freitag in der Ostukraine in die Offensive gegangen und haben sich heftige Gefechte mit prorussischen Separatisten geliefert. Aber auch in anderen Städten eskaliert die Lage immer weiter.

Ukrainische Soldaten warten auf einer Straße bei Slawjansk, wo sie von prorussischen Rebellen an der Weiterfahrt gehindert werden. Foto:  
Ukrainische Soldaten warten auf einer Straße bei Slawjansk, wo sie von prorussischen Rebellen an der Weiterfahrt gehindert werden. Foto:  

Kiew - In der ostukrainischen Stadt Slawjansk ist es zu schweren Kämpfen zwischen Soldaten der ukrainischen Armee und prorussischen Separatisten gekommen. Die Rebellen bezeichneten das Vorgehen als „Angriff der Faschisten aus Kiew“. Ziel der ukrainischen Armee dürfte wohl die Festnahme von Igor Girkin gewesen sein, der den Kampfnamen „Igor Strelkow“ (Der Schütze) trägt. Der Mann mit dem Schnurrbart ist Offizier beim russischen Auslandsgeheimdienst und Kommandeur der bewaffneten Rebellen in der Ostukraine.

Die Aktion der ukrainischen Armee begann in der Nacht zu Freitag. Am frühen Morgen wurden über Slawjansk zwei Militärhubschrauber von Separatisten abgeschossen. Die Rebellen verwendeten schwere Waffen. Es gab Opfer. Offiziell ist von zwei toten ukrainischen Soldaten die Rede, bei den Separatisten sollen sechs Männer ums Leben gekommen sein, auf beiden Seiten gab es Verletzte. Der selbst ernannte Bürgermeister der Stadt, Wjatscheslaw Ponomarew, drohte in einem Video, er habe die Menschen in Donezk auf seiner Seite. Die Angreifer, die Kiew geschickt habe, würden „eine Abreibung erhalten“. Frauen, Alte und Kinder sollten am Freitag besser zu Hause bleiben, erklärte er.

Der Geheimdienst warnt die Bevölkerung vor Lebensgefahr

Auch der ukrainische Geheimdienst SBU warnte die Bewohner vor „verminten Straßen und Scharfschützen“. In der gesamten Stadt laufe bis auf unbestimmte Zeit die „Antiterroraktion“ des Militärs. „Gehen Sie nicht vor die Tür, es besteht Lebensgefahr“, hieß es in Hinweisen, die im Radio gesendet wurden. Die Stadt wirkte wie gelähmt, das öffentliche Leben war stark eingeschränkt: Es fuhren keine öffentlichen Verkehrsmittel, auch frische Lebensmittel fehlten in einigen Geschäften. Der Bahnverkehr kam in weiten Teilen der Region Donezk komplett zum Erliegen.