Ausstellung Alter und Karikatur Zum Lachen geht der Schwabe ins Ministerium

Von Peter Buchholtz 

Ungewöhnlich viel Gelächter dringt derzeit aus dem Sozialministerium an der Schellingstraße. Dort ist vor Kurzem die Ausstellung „Das Alter in der Karikatur“ eröffnet worden.

Unter den Exponaten: Pippi Langstrumpf mit Botoxspuren Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Unter den Exponaten: Pippi Langstrumpf mit Botoxspuren Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Ungewöhnlich viel Gelächter dringt derzeit aus dem Sozialministerium an der Schellingstraße. Dort ist vor Kurzem die Ausstellung „Das Alter in der Karikatur“ eröffnet worden. Zu sehen gibt es einige dutzend Karikaturen, die sich mit den klassischen Alters-Stereotypen wie Krankheit und Gebrechlichkeit beschäftigten, aber auch mit teils tabuisierten Themen wie Sex im Alter.

Es darf gelacht werden

Die gealterte Pippi Langstrumpf mit deutlichen Botoxspuren oder die Alzheimergruppe, die sich jeden Tag zum erneuten Kennenlernen trifft, sind nur zwei Szenen, die sich in den Karikaturen zum Thema Älterwerden wiederfinden. Die Ausstellung, kuratiert von Franziska Polanski, entstand aus einem Forschungsprojekt unter ihrer Leitung am Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg. „Wenn ich Vorträge zu dem Forschungsprojekt gehalten habe, wollten natürlich auch alle immer die Karikaturen sehen“, sagt Franziska Polanski. So entstand die Ausstellung, die nun nach Heidelberg, Frankfurt und Zürich ihren vierten Halt in Stuttgart macht.

Trotz Forschungsarbeit sieht Polanski den Sinn einer Karikaturenausstellung aber vor allem darin, „dass ausgiebig gelacht wird“. Die zugehörige Arbeit beschäftigt sich nicht nur mit dem Humor, der laut Polanski einzigartig wie ein Fingerabdruck ist und daher zu „Fahndungszwecken eingesetzt werden könnte“, sondern auch mit dem Wandel der Stereotypen. „Die Darstellung von körperlichen und ästhetischen Faktoren ist heute viel ausgeprägter als etwa in den 60er-Jahren“, so Polanski. Dabei sind die Älteren heute vor allem gesundheitlich deutlich besser gestellt als damals.

Die Karikaturisten greifen oft negative Stereotype auf

Das Sozialministerium sei für die Ausstellung ein idealer Ort, da man sich dort mit den Fragen des Altwerdens beschäftige. Und vor allem auch mit den Problemen: „Altersabwertung und Altersdiskriminierung gehören zur Tagesordnung“, so Polanski. Die Karikaturisten greifen die oft negativen Stereotype auf, regen zum Lachen aber auch zum Nachdenken an. Sozialministerin Katrin Altpeter betonte, dass die ausgestellten Karikaturen wichtige gesellschaftspolitische Themen enthalten. Der sogenannte Kompass Seniorenpolitik, der vom Sozialministerium bald veröffentlicht wird, beschäftigt sich ebenfalls mit der aktuellen Entwicklung und sieht darin einen Perspektivwechsel. „Der Blick soll nicht mehr nur auf die Defizite, sondern auch auf die Kompetenzen der Älteren gerichtet werden“, so Altpeter. Auch im Kompass Seniorenpolitik sollen daher, ähnlich wie bei den Karikaturen, Tabuthemen angesprochen werden.

Polanski, die vor allem durch ihre satirischen Texte in der „Süddeutschen Zeitung“ bekannt wurde, ist außerdem Herausgeberin des Buches „Das Alter in der Karikatur“, das unzählige Karikaturen von bekannten Karikaturisten aus dem deutschsprachigen Raum beinhaltet, etwa von Gerhard Haderer, Marie Marcks oder Greser&Lenz. Die Ausstellung ist noch bis zum 13. November im Sozialministerium zu sehen.

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