Autohaus in Filderstadt Familienbetrieb übernimmt Familienbetrieb

Von Caroline Holowiecki 

Das Esslinger Autohaus Jesinger hat Trautwein in Filderstadt-Bernhausen gekauft. Diese Übernahme ist in gewisser Weise eine Besonderheit in der Branche. Und wie passt so eine Investition in die Krisenzeit der Automobilbranche?

Der Geschäftsführer Frank Schnierle (links) und der Betriebsleiter Dominik Höfer berichten über eine schwierige Zeit. Foto: Caroline Holowiecki
Der Geschäftsführer Frank Schnierle (links) und der Betriebsleiter Dominik Höfer berichten über eine schwierige Zeit. Foto: Caroline Holowiecki

Bernhausen - Die Kaffeetassen auf den Tischen tragen ein anderes Logo, auch die Glastüren zu den Büros wurden neu bestückt. Das Autohaus Trautwein in Bernhausen heißt seit dem Jahreswechsel Jesinger. Der bisherige Chef Thomas Trautwein hat an Frank Schnierle übergeben. Geschäftsübernahmen sind freilich nichts Ungewöhnliches. Normalerweise verleiben sich aber die großen Player andere Firmen ein.

Normalerweise übernehmen Gruppen Einzelbetriebe

So sind die vier Entenmann-Autohäuser in Ostfildern, Esslingen, Kirchheim und Göppingen seit Kurzem Teil der AHG-Autohandelsgesellschaft. Auch Christian Reher, der Geschäftsführer der Kfz-Innung Region Stuttgart, hebt im Fall Trautwein-Jesinger die Besonderheit hervor, dass „hier ein inhabergeführtes Autohaus von einem inhabergeführten Autohaus weitergeführt wird. Die Regel ist heute, dass Gruppen die Einzelbetriebe übernehmen.“

Beide Firmen sind traditionsreich. Trautwein ist vor dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden. Das Unternehmen Jesinger hatte der Uropa des jetzigen Geschäftsführers 1922 aus der Taufe gehoben. Das Stammhaus ist in Esslingen, nun kommt als zweite Werkstatt in Familienhand Bernhausen dazu. Zudem ist die Firma an der Russ Jesinger Vertriebsgesellschaft beteiligt, über die an mehreren Standorten Autos verkauft werden.

Kleinere Betriebe täten sich zunehmend schwer

„Die Anforderungen haben in zahlreichen Bereichen um ein Vielfaches zugenommen“, stellt Frank Schnierle klar. Die Technik schreite rasch voran. Wer nicht abgehängt werden wolle, müsse in Ausstattung und Personal investieren, zumal der Hersteller gewisse Leistungen vertraglich voraussetze. „Auch beim Datenschutz oder bei der Arbeitssicherheit tut sich rasend schnell was, und das muss man erfüllen. Das hat in den letzten Jahren exorbitant zugenommen“, sagt Frank Schnierle. Kleinere Betriebe täten sich da zunehmend schwer. „Alleine hätte der 1937 von Hermann Trautwein senior gegründete Betrieb das nicht mehr erreichen können, sagt der bisherige Geschäftsführer Thomas Trautwein“, liest man in einer Mitteilung der Kfz-Innung. Zudem habe sich niemand aus der Familie zur Weiterführung des Geschäfts angeboten, erklärt Frank Schnierle.

In der neuen Konstellation können Synergien gebildet werden, „die aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten so einem Betrieb guttun“, sagt der neue Chef. Teure Diagnosegeräte zum Beispiel müssen dann nur einmal angeschafft werden. Im Februar soll in Bernhausen auch der Verkauf von Gebrauchtwagen aufgenommen werden. Für einen Familienbetrieb ist das ein großes Unterfangen. Der 35-jährige Frank Schnierle nickt. Die ehemaligen Trautwein-Hallen sind nur gepachtet, trotzdem habe die Übernahme einen kleinen Millionen-Betrag gekostet. Zudem baut die Wilhelm Jesinger KG aktuell im Gewerbegebiet Neue Neckarwiesen in Esslingen für etwa zehn Millionen Euro neu. Er spricht von einer Weichenstellung für die Zukunft. Breit aufstellen, so lautet die Devise.

„Die Zeit jetzt sorgt nicht dafür, dass man ruhig schläft“

„Bisher war die Autobahn unsere Grenze“, sagt der Betriebsleiter Dominik Höfer. Mit Filderstadt breite Jesinger sich nun in eine wirtschaftlich interessante und wachsende Region aus. Allerdings ist es in der Automobilbranche aktuell unruhig. Frank Schnierle leugnet das nicht. „Die Zeit jetzt sorgt nicht dafür, dass man ruhig schläft.“

Dennoch seien die Zahlen im Verkauf und beim gewerblichen Leasing gut, der Verbrennungsmotor sei auf lange Sicht nicht wegzudenken, und wer ein Auto fahre, brauche eben auch den Service. In puncto E-Mobilität sei man ebenfalls gerüstet. Und für den Kundenstamm ändere sich letztlich auch nichts. Außen steht zwar ein anderer Name, innen jedoch arbeiten dieselben Mitarbeiter wie zuvor. Alle 50 Beschäftigen wurden übernommen, heißt es.