Bahn Überschwemmung im ICE-Klo

Von Eckhard Stengel 

Bahngäste klagen über versperrte Zug-Klosetts. Daran sind die jüngsten Überschwemmungen schuld, sagt die Bahn. Man habe die Toiletten nicht mehr warten und entleeren können – für die Passagiere ein schwacher Trost.

Fahrten mit dem ICE werden zur physischen Belastung. Foto: dpa
Fahrten mit dem ICE werden zur physischen Belastung. Foto: dpa

Berlin - Im ICE 74 Zürich - Kiel kleben an zehn von 18 Toiletten gelbe Zettel: „WC unbenutzbar“. Und das an einem der Hauptreisetage dieses Sommers. Die Zweite Klasse ist überfüllt, in der Ersten funktioniert nur eine einzige Toilette - für vier Waggons. Haben Fußballrowdys den Großteil der Aborte außer Gefecht gesetzt? Oder hat verdorbener Kartoffelsalat aus dem Bordrestaurant eine plötzliche Durchfall-Epidemie ausgelöst?

Nichts dergleichen. DB-Sprecherin Daniela Bals nennt auf StZ-Nachfrage die Ursache: Der Zug sei bereits mit teilweise gesperrten Toiletten gestartet. Denn vor der Abfahrt in Zürich habe man die Hinterlassenschaften der vorherigen Fahrt nicht entsorgen können. Und wenn die Abwassertanks voll seien, müssten die Kabinen eben gesperrt werden – trotz bevorstehender Neun-Stunden-Tour durch Deutschland. Das alles, berichtet Bals, sei eine Folge des Sommerhochwassers gewesen. Wegen überschwemmter Bahngleise seien die Fahrpläne so durcheinandergeraten, dass die „Zeitfenster für Wartung und Instandhaltung“ nicht mehr gepasst hätten.

Fürs Abpumpen hat die Zeit nicht gereicht

Als der ICE 74 an der Reihe gewesen wäre, sei die Bahnwerkstatt in Zürich gerade mit verspäteten anderen Zügen ausgelastet gewesen. Fürs Putzen habe es noch gereicht, aber nicht fürs Abpumpen der Toiletten. Auf ein freies Wartungsgleis zu warten hätte 60 Minuten Verspätung bedeutet. Da habe die Pünktlichkeit doch Vorrang – zumal anfangs nur drei Toiletten überfüllt gewesen seien. „Leider sind dann einige dazugekommen.“

Besonders ärgerlich sind solche WC-Ausfälle für Gehbehinderte. Eine Bremerin mit Krücken hatte das Glück, dass der Zugbegleiter ein näher liegendes, eigentlich gesperrtes Örtchen wieder in Gang setzen konnte. Dass so viele Klos in einem Zug ausfallen, ist nach Ansicht der DB-Sprecherin ein „unglücklicher Einzelfall“. Aber sie räumt ein, dass nach dem Sommerhochwasser häufiger Toiletten gesperrt werden mussten, weil die Zeit zum Entleeren oder zum Beseitigen von Störungen fehlte. „Das hat sich aber wieder eingerenkt“, versichert sie. Übrigens konnten auch die Kaffeeautomaten in den Bordrestaurants nicht immer rechtzeitig gewartet werden. Das hatte aber auch einen Vorteil: Wer weniger trinkt, muss seltener aufs Klo.