Barrierefreies Heimsheim Wenn eine Tür zum Hindernis wird

Von Kathrin Klette 

Die Projektgruppe für eine barrierefreie Stadt will durch ihr Engagement noch viel bewirken.

Die Projektgruppe, hier zusammen mit dem Bürgermeister Jürgen Troll (links), dem Berater Alexander Lang (im Rollstuhl), hat die Stadt Heimsheim schon gut unter die Lupe genommen. Foto: privat
Die Projektgruppe, hier zusammen mit dem Bürgermeister Jürgen Troll (links), dem Berater Alexander Lang (im Rollstuhl), hat die Stadt Heimsheim schon gut unter die Lupe genommen. Foto: privat

Heimsheim - Hier ein Schild, das den Weg zum barrierefreien Eingang weist, da die Umwandlung eines „normalen“ in einen Behindertenparkplatz: Oft lässt sich schon mit kleinen Veränderungen große Wirkung erzielen auf dem Weg zu einer barrierefreien Kommune. Die Stadt Heimsheim hat den externen Berater Alexander Lang beauftragt, um herauszufinden, wie die Lage im Ort aussieht und wie sie sich verbessern lässt.

Auf Anregung von Bürgermeister Jürgen Troll wurde auch der Stadtseniorenrat (SSR) in einbezogen. Aus Mitgliedern des Seniorengremiums hat sich eine Projektgruppe gebildet, die sich dem wichtigen Thema angenommen hat und dabei eng mit der Gemeinde und auch dem Bauhof zusammenarbeitet. Erste, wenn auch kleine Erfolge haben sie schon zu verzeichnen, berichtet Margot Ritz, Vorsitzende des SSR und Mitglied in der Projektgruppe.

Barrierefreiheit ist „ein ständiger Entwicklungsprozess und kein kurzfristiges Projekt“, betont Kurt Titz-Packmor, Sprecher des SSR. „Eine Patentlösung gibt es nicht, da jede Kommune ihre eigenen Anforderungen hat.“ Durch seine topografische Lage stehe Heimsheim zum Beispiel vor einer besonderen Herausforderung, was die Barrierefreiheit angeht. Im Gespräch mit dem Berater Alexander Lang erörterte die Projektgruppe daher, worauf es bei ihrer Arbeit ankommt. In der ersten Phase ging die Gruppe zum Beispiel öffentliche Plätze ab, um zu sehen, wie es um die Barrierefreiheit bestellt ist.

Auf vieles muss geachtet werden

„Wir bekamen Listen, worauf wir achten müssen, wenn wir eine Begehung machen“, erzählt Margot Ritz. „Wir schauen als erstes: Wie geht man in das Gebäude rein, gibt es eine Treppe oder eine Rampe oder ist der Zugang ebenerdig?“ Auch ein wichtiger Punkt: Wie leicht oder schwer lässt sich die Eingangstür öffnen? Gibt es im Inneren einen Fahrstuhl und Behindertentoiletten?

„Angefangen haben wir mit der Zehntscheune und der Bücherei.“ Dort gibt es eine Behindertentoilette. „Uns ist aber aufgefallen, dass es kein Schild gab, das darauf hinweist.“ Auf dem Weg von der Kirchstraße zum Marktplatz und zum Schlosshof, „da haben wir gemerkt, wie sehr die Querrinnen behindern können“. Auch der Weg zur Polizei sei leider nicht behindertengerecht, eine Treppe führt nach oben.

Dieses Problem, wie viele andere auch, lässt sich natürlich nicht ad hoc lösen, weiß Margot Ritz. Vollständige Barrierefreiheit lässt sich oft nur durch aufwendige Umbauten erzielen. „Unser erstes Ziel war daher auch, dass wir uns vor allem auf kleine Dinge konzentrieren, wo man mit wenig Aufwand viel verändern kann.“ So hat die Projektgruppe zum Beispiel angeregt, dass die Klingel und Gegensprechanlage der Polizeistation nicht am oberen, sondern am unteren Ende der Treppe installiert werden könnte. Falls jemand Hilfe beim Hinaufkommen benötigt, könnte er das darüber dann mitteilen. „Am Rathaus gab es zum Beispiel kein Schild, dass auf den barrierefreien Eingang auf der Rückseite hinweist.“ Das wurde inzwischen geändert. Auch ein Behindertenparkplatz wurde eingerichtet und die Beschriftung auf den Klingelschildern vergrößert.

Barrierefreiheit aktiv voranbringen

Der nächste Schritt ist es, auf Unternehmen zuzugehen, zum Beispiel Supermärkte, Friseure, eben alle möglichen Dienstleister, um herauszufinden, wie es dort um die Barrierefreiheit bestellt ist. „Unser Ziel ist es, dass wir am Ende einen Stadtplan zusammenstellen können, auf dem man sieht: Wo ist es überall barrierefrei?“ Ähnliche Projekte gibt es auch schon in anderen Gegenden. Bekannt ist zum Beispiel die Wheelmap. Auf dieser Online-Karte sind öffentliche Orte grün, gelb oder rot markiert, das bedeutet: vollständig, eingeschränkt oder nicht barrierefrei. Immer wieder beteiligen sich Freiwillige, zum Beispiel Schulklassen, daran, die Wheelmap auf den neuesten Stand zu bringen und um ihre eigene Stadt zu ergänzen. Das Anzeigen behindertengerechter Orte, wie es die Wheelmap tut, soll aber nur ein kleiner Teil der Projekte sein, wie sie Alexander Lang gerade in fünf Enzkreis-Kommunen betreut, sagt er. Es gehe um Transparenz und auch darum, Barrierefreiheit aktiv voranzubringen.

Aktuell zählt die Projektgruppe fünf Mitglieder aus dem Seniorenrat. Auch wenn sie Unterstützung aus dem Rathaus und vom Bauhof bekommen, ist die geringe Teilnehmerzahl ein Problem, sagt Margot Ritz. „Wir freuen uns daher über jeden, der sich beteiligen möchte.“

Wer sich für die Arbeit der Projektgruppe interessiert, kann sich per E-Mail an ssr-heimsheim@gmx.de wenden.




Unsere Empfehlung für Sie