Bauprojekt Flugfeldklinik soll besser kalkulierbar sein

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Die Planer wollen von April 2019 an intensive Gespräche mit den möglichen Firmen führen, um Kostensteigerungen und einen Zeitverzug zu vermeiden. Bis Juli 2020 soll das Unternehmen feststehen, das den Gebäudekomplex erstellt.

Im neuen Stadtquartier von Böblingen und Sindelfingen ist für  550  Millionen Euro ein neues Zentral-Krankenhaus geplant. Foto: Klinikverbund  Südwest
Im neuen Stadtquartier von Böblingen und Sindelfingen ist für 550 Millionen Euro ein neues Zentral-Krankenhaus geplant. Foto: Klinikverbund Südwest

Böblingen - Harald Schäfer dreht an einem enorm großen Rad. Der Projektgeschäftsführer des Klinikverbunds Südwest ist vor knapp zwei Jahren angetreten, um den Neubau des Flugfeldklinikums mit 700 Betten und sämtlichen medizinischen Abteilungen zu steuern. 550 Millionen Euro werden für das Vorhaben veranschlagt. Wie leicht aber könnte das Bauprojekt noch mehr Geld kosten? Wie schnell könnte sich ein Zeitverzug einstellen? Das Krankenhaus soll schließlich Ende 2024 bezugsfertig sein.

Fehlplanung und Fehlkalkulation bei Großprojekten

Dass dabei viel schief gehen kann, zeigt das Beispiel der neuen Klinik in Winnenden (Rems-Murr-Kreis), wo es in der Notaufnahme ein Platzproblem gab. Fehlplanungen und Fehlkalkulationen sind bei Großprojekten fast schon üblich. Beim Berliner Großflughafen gab es reichlich Pfusch am Bau. Oder – noch naheliegender: Die Kostenspirale bei Stuttgart 21. Das alles hat der 51 Jahre alte Diplom-Verwaltungswirt im Hinterkopf. Zuvor war er zehn Jahre lang beim Klinikum Stuttgart angestellt und verantwortlich für die Zusammenlegung von sechs auf zwei Standorte. „Wir haben dort den Zeit- und Kostenrahmen eingehalten“, berichtet Schäfer stolz.

Damit dies auch bei der Flugfeldklinik der Fall sein wird, wollen Schäfer und das mit der Projektsteuerung beauftragte Unternehmen, Drees & Sommer, mit potenziellen Bauunternehmen eng zusammenarbeiten und einen bisher noch seltenen Weg beschreiten. „Wir machen kein langwieriges Ausschreibungsverfahren, bei dem am Ende sämtliche Pläne der Wettbewerber auf dem Tisch liegen und an denen kaum gerüttelt werden kann“, erklärt der Projektmanager Schäfer. Das Risiko sei zu hoch, dass später nachgebessert werden oder umgeplant werden müsse, weil bestimmte Ansprüche und Anforderungen nicht berücksichtigt worden seien. Stattdessen soll beim Klinikbau das so genannte Partnering-Verfahren angewendet werden. Schäfer möchte in einem ersten Schritt mit Generalunternehmern ins Gespräch kommen. Sie sollen mit einer europaweiten Ausschreibung zwischen Dezember und April nächsten Jahres gefunden werden. Danach können die Firmen bis November nächsten Jahres ihr Angebot abgeben.

Kreistag stimmt dem Vorgehen zu

Danach wollen sich Schäfer und Drees & Sommer für eine Firma entscheiden, der am ehesten zugetraut wird, das sie die Vorgaben erfüllt. Mit ihr sollen dann die Baupläne noch konkretisiert werden. Der Kreistag stimmte dem Vorgehen zu.

„Für die Firmen hat das den Vorteil, dass sie nicht in ein langes Bewerbungsverfahren gehen müssen, um dann als Zweiter im Wettbewerb das Nachsehen und möglicherweise eine Million Euro in den Sand gesetzt zu haben“, erläutert Schäfer.

70 Millionen Euro für Preissteigerung eingeplant

Darauf wollten sich viele Unternehmen bei der gegenwärtig hervorragenden Konjunktur auch gar nicht mehr einlassen: „Sie bewerben sich nur dort, wo sie sich gute Chancen ausrechnen.“ Das herkömmliche Prozedere berge also auch das Risiko, dass man nicht unter verschiedenen Wettbewerbern aussuchen könne, ergänzt Harald Schäfer.

Der Projektmanager geht davon aus, dass sich für das Partnering-Verfahrens genügend Interessenten melden. Vor dem Baustart sollen mit der bis Juli 2020 festgelegten Partnerfirma erneut alle Details besprochen werden. Bis zum Jahr der Fertigstellung 2024 sei eine jährliche Preissteigerungsrate von vier Prozent berücksichtigt worden, sagt Schäfer. Dafür sind 70 Millionen Euro eingeplant und in der Investitionssumme von 550 Millionen Euro enthalten. „Bei diesem Vorgehen sollte eigentlich nichts schiefgehen“, hofft Schäfer.




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