Bauprojekt in Stuttgart-Ost 2020 rollen Bagger in den Park der Villa Berg

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Nächstes Jahr werden im Stuttgarter Osten die alten Fernsehstudios abgerissen, das Gartenamt arbeitet unterdessen an an einem Parkkonzept, das Kulturamt an einem Betriebskonzept für das offene Haus für Musik und mehr.

Die Villa Berg und Teile des umliegenden Parks werden bald zur Baustelle. Die alten Fernsehstudios rechts oberhalb der Villa werden 2020 abgerissen. Foto: Google Earth/Landsat Copernicus
Die Villa Berg und Teile des umliegenden Parks werden bald zur Baustelle. Die alten Fernsehstudios rechts oberhalb der Villa werden 2020 abgerissen. Foto: Google Earth/Landsat Copernicus

S-Ost - Seit 2016 ist die Stadt Eigentümerin der Villa Berg – und für viele Stuttgarter scheint es so, als ob dort seitdem nichts vorangegangen ist. Tatsächlich wird in der Stadtverwaltung intensiv an dem Projekt gearbeitet. In der ersten Jahreshälfte 2020 wird dann auch für alle sichtbar etwas passieren.

Die Fernsehstudios

Der Abriss der alten Fernsehstudios mitten im Park der Villa Berg will gut vorbereitet sein. Der im April 1965 in Betrieb genommene Gebäudekomplex ist deutlich größer, als Spaziergänger tatsächlich sehen: etwa zwei Drittel der Baumasse liegen unter der Erde. Im Kaufvertrag zwischen der Stadt und dem damaligen Eigentümer, dem Düsseldorfer Unternehmen PDI, ist festgeschrieben, dass die Studiogebäude bis Ende 2020 abgerissen sein müssen. Beim jüngsten Treffen der Projektgruppe Villa Berg, einem der vielen Bürgerbeteiligungsformate im Sanierungsgebiet Stöckach, hieß es am Donnerstag, dass das Hochbauamt mitten in den „vertieften Vorbereitungen für den Abriss“ stecke. Zu tun gibt es eine ganze Menge: zahlreiche Gutachten zu Schadstoffen, zur Statik und zur Geologie mussten eingeholt werden; der benachbarte denkmalgeschützte Gutbrod-Bau, der weiter vom SWR genutzt wird, muss vor Lärm und Erschütterungen geschützt werden; die Entsorgung des anfallenden Bauschutts ist auch ein Thema. Vermutlich im Frühjahr werden die Bagger anrollen, bis Ende des Jahres soll von den oberirdischen Teilen der Studios nichts mehr zu sehen sein, die unterirdischen Teile werden zumindest zum Teil verfüllt.

Der Park

Mit dem nahenden Abriss wird die Frage, wie der Villa-Berg-Park auf dieser nicht ganz kleinen Fläche einmal aussehen soll, immer drängender. Zuständig dafür ist das Garten-, Friedhofs- und Forstamt, das schon länger an einem Konzept für die Umwandlung des bisherigen Studio-Areals in Parklandschaft arbeitet. In den früheren Diskussionen über die Gestaltung des Parks der Villa Berg allgemein und die Studio-Fläche speziell reichten die Positionen von einer streng an den Originalplänen orientierten Rückkehr zum ursprünglichen Parkbild bis hin zu einem ganz modernen Ansatz. Aufgabe Gartenamts ist, einen vorzeigbaren Ansatz zwischen historisch, historisierend und modern zu finden – oder sich ganz für einen Weg zu entscheiden. Mit der Entscheidung des Gemeinderats vom Mai 2019 für die große Sanierungs- und Umbau-Variante aus der Machbarkeitsstudie für ein „Offenes Haus für Musik und mehr“ in der Villa ist für die Parkplanung ein weiterer Aspekt hinzu gekommen: Der Park soll Teil des Nutzungskonzepts für die Villa sein und – nachbarschaftsverträglich – bespielt werden, bei dem geplanten neuen Anbau an die Villa soll auch eine kleine Open-Air-Fläche entstehen. Bis es so weit ist, werden zwar noch mindestens sechs, eher mehr, Jahre vergehen, aber manche Anwohner im Stadtteil Berg protestieren jetzt schon dagegen.

Die Villa

Das Amt für Stadtplanung und Wohnen bereitet gerade die vorgeschriebene europaweite Ausschreibung vor, um ein Planungsbüro für die Sanierung und Umgestaltung der Villa Berg zu finden. Das Büro muss Erfahrung beispielsweise im Bereich Denkmalschutz haben, gearbeitet werden soll mit der digitalen Planungsmethode BIM (Building Information Modeling), die auf einem 3D-Gebäudemodell basiert. Bis Herbst 2020 soll die Entscheidung gefallen sein. Parallel dazu entwickelt das Stadtplanungsamt zusammen mit dem Kulturamt ein Betriebskonzept für die Villa. Der neue Kulturamtsleiter Marc Gegenfurtner sagte bei der Projektgruppensitzung am Donnerstag, dass das offene Haus für Musik und mehr in der Villa nach jetzigem Stand der Überlegungen als eine beim Kulturamt angesiedelte städtische Einrichtung geführt werden solle. Damit mache man beim Stadtpalais sehr positive Erfahrungen, die man dann auch beim Betrieb der Villa Berg einbringen könne. Das Betriebskonzept soll ebenfalls bis Herbst 2020 stehen. Der eigentliche Baubeginn in der Villa könnte frühestens Ende 2022, vielleicht auch erst 2023 sein.

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