Bemühte Gaunerkomödie: „Crimnal Activities“ Mit gebleckter Kauleiste

Von Kathrin Horster 

In „Pulp Fiction“ hat John Travolta als Gangster einst Filmgeschichte geschrieben und die eigene Karriere wiederbelebt. Mit „Criminal Activities“ wird ihm das wohl kaum gelingen.

John Travolta hat als Mafiaboss viel zu grinsen, kann „Criminal Activities“ aber nicht retten. Foto: Tiberius Film
John Travolta hat als Mafiaboss viel zu grinsen, kann „Criminal Activities“ aber nicht retten. Foto: Tiberius Film

Stuttgart - Beerdigungen sind nicht allein zum Trauern da. Zwischen Kaffee und kalten Schnittchen kann man auch alte Bekanntschaften wiederaufleben lassen. Den Leichenschmaus zu Ehren eines früheren Schulkameraden nutzen Zach, Bryce, Noah und Warren, um nach Jahren der Funkstille gemeinsame Interessen wiederzuentdecken. Die liegen hauptsächlich im ökonomischen Bereich, und als Noah (Dan Stevens) mit Insiderwissen zu einer angeblich todsicheren Aktieninvestition prahlt, entflammt er die anderen, mit einzusteigen.

Dumm nur, dass Noah das benötigte Kapital ausgerechnet beim Mafiaboss Eddie (John Travolta) borgt. Als die Aktien in den Keller rauschen, macht der Altgangster den bisher braven Jungs das unmoralische Angebot, sich durch die Entführung eines gegnerischen Clanmitglieds ihrer Schuldenlast zu entledigen.

Ein halbgarer Versuch

Mit seinem schwarzhumorigen Regiedebüt „Criminal Activities“ betritt Jackie Earle Haley, der in seinem Hauptberuf als Schauspieler gerade im Actionreißer „London has fallen“ agiert, nicht gerade Neuland. In den Neunzigern würzten Regisseure wie Peter O’Fallon („Suicide Kings“), Barry Sonnenfeld („Schnappt Shorty“) und nicht zuletzt Quentin Tarantino („Pulp Fiction“) Gangstermärchen mit schrägem Witz. Damals führte das zur Erneuerung eines ehrwürdig patinierten Genres, bei Haley bleibt es aber nur ein halbgarer Versuch, charmanteren, allzu offensichtlich zitierten Vorbildern nachzueifern. Trotz des teil­weise stark besetzten Ensembles nimmt das Gaunerstück nur selten Fahrt auf.

Während sich John Travolta in „Pulp Fiction“ noch mit viel Mut zur Selbstironie neu erfand, gibt er nun als schmieriger Mafioso mit stets gebleckter Kauleiste eine eher durchschnittliche Vorstellung. Auch Michael Pitt, der in der Mafia-Historien-Serie „Boardwalk Empire“ verschiedene Facetten des Kriegsheimkehrers Jimmy Darmody freilegte, klebt an der simplen, allerdings herrlich unsympathischen angelegten Figur seines Zach, eines kiffenden Anzugschnösels mit einer Vorliebe für Sex, Geld und Mobbing.

Den Dialogen mangelt es an Pfiff, und manche situationskomisch eingesetzte, absurde Grausamkeit verrutscht ins pur Zynische. Zwar hält das Drehbuch für den Schluss eine ausgefuchste Pointe parat, für einen neuen Meilenstein in der Geschichte des Gangsterfilms reicht das jedoch nicht.

Criminal Activities. USA 2015. Regie: Jackie Earle Haley. Mit Michael Pitt, Dan Stevens, John Travolta, Rob Brown, Edi Gathegi. 94 Minuten. Ab 16 Jahren.