Benjamin Pavard und Co. Diese französischen Talente erobern die Bundesliga

Von red/dpa 

Französische Talente wie Pavard, Diallo und Pléa bereichern die Bundesliga und lassen aufhorchen. So viele Franzosen wie nie zuvor spielen in der höchsten deutschen Spielklasse. Der Trend hat Vorteile - sowohl für die Clubs als auch für die Spieler.

Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart steht beispielhaft dafür, dass die 18 Clubs zunehmend die Talente aus dem Nachbarland entdecken. Foto: dpa 9 Bilder
Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart steht beispielhaft dafür, dass die 18 Clubs zunehmend die Talente aus dem Nachbarland entdecken. Foto: dpa

Stuttgart - Auch die Frage zum Interesse des FC Bayern lässt sich Weltmeister Benjamin Pavard auf Französisch übersetzen. „Was im Sommer passiert, weiß ich noch nicht“, sagte der 22-Jährige am Mittwoch und dementierte damit, dass sein Abschied und Transfer zu einem Champions-League-Club schon beschlossen sei: „Ich fühle mich wohl“, sagte er auf französisch. Viel spricht jedoch dafür, dass der Verteidiger den VfB Stuttgart im Sommer dank seiner Ausstiegsklausel für 35 Millionen Euro verlassen wird. Rund 30 Millionen Euro werden die Schwaben dann drei Jahre nach dem Kauf vom OSC Lille Plus machen.

Talente aus dem Nachbarland

Neben der Qualität sind auch diese wirtschaftlichen Aspekte ein Grund dafür, dass so viele französische Fußballer und insbesondere Talente die Bundesliga bereichern wie nie zuvor. Pavard steht auch beispielhaft dafür, dass die 18 Clubs zunehmend die Talente aus dem Nachbarland entdeckt - und die Franzosen die höchste deutsche Spielklasse. „In Deutschland trainiert man sehr hart und sehr fokussiert. Wenn man diese Schule durchläuft, entwickelt man sich schneller“, sagte Pavard. Auch die Stimmung in den Stadien erhöhe die Attraktivität der Bundesliga.

Neben dem VfB-Verteidiger kommen in dieser Spielzeit 24 weitere Bundesliga-Profis aus dem Weltmeisterland. Frankreich hat sich damit inzwischen für die Bundesligisten zum zweitwichtigsten Spielermarkt hinter Österreich entwickelt. Vor sechs Jahren waren es gerade mal drei Franzosen, in der Saison 2015/16 lediglich acht.

„Sie genießen eine sehr, sehr gute Ausbildung. Sie bringen Robustheit und Durchsetzungsvermögen mit. „Auch vom Budget her kleinere Vereine in Deutschland können sie sich leisten“, begründet der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder den Trend. Ins Mainzer Konzept passen die französischen Talente bestens, sagt er.

Auch andere Franzosen spielen groß auf

„Wenn sie noch zwei, drei Jahre älter wären, wären sie so weit, dass wir sie uns nicht mehr leisten können“, sagt Schröder und erklärt mit dem finanziellen Aspekt auch, warum er vermehrt bei französischen statt bei deutschen Talenten zugreift: „Deutsche Spieler in dem Alter sind für uns zum größten Teil nicht finanzierbar. Die entscheiden sich meist für größere und finanzstärkere Vereine.“

Für Mainz schoss Neuzugang Jean-Philippe Mateta (21) am vergangenen Wochenende den Siegtreffer in Düsseldorf, Moussa Niakhaté (22) gibt der Abwehr eine junge französische Note. Den französischen U21-Kapitän Abdou Diallo (22), den sie ein Jahr zuvor für fünf Millionen verpflichtet hatten, hatten die Rheinhessen im Sommer für 28 Millionen Euro an Dortmund verkauft. Auch dank Diallo und dessen Verteidiger-Kollege Dan-Axel Zagadou (19) führt die Borussia die Tabelle an. Gladbach überrascht auch dank der acht Treffer von Stürmer Alassane Pléa. Leipzig rangiert mit Dayot Upamecano (20) und Ibrahima Konaté (19) vor den Bayern, RB ist mit den meisten Franzosen ausgestattet (4).

Die Franzosen, die in Frankreich spielen, hätten „gesehen, dass ihre Landsleute in der Bundesliga erfolgreich waren. Sie haben gesehen, dass sie hier auf Einsätze kommen und eine wichtige Rolle spielen können, das ist ein großer Faktor“, sagte Schröder. Die Talente suchen in der im Vergleich zur Ligue 1 stärkeren Bundesliga den nächsten Schritt. Pavard war 2016 als 20-Jährige nach Stuttgart gekommen und entwickelte sich bei den Schwaben vom Zweitliga-Profi zum Stammspieler des Weltmeister-Teams. „Wenn ich in Lille geblieben wäre, wäre ich jetzt vielleicht kein Weltmeister“, sagte Pavard.