Biotonne in Waldenbuch Maden-Problem bleibt bestehen

Von Claudia Barner 

Vielen Menschen aus Waldenbuch wäre es recht, wenn der Biomüll in der warmen Jahreszeit wöchentlich abgeholt werden würde. Denn bei Hitze bevölkern weiße Larven die grünen Tonnen. Doch es gibt Argumente, die dagegen sprechen

Sabine Dandachi, Inhaberin des Waldenbucher Baumarkts, stellt fest, dass immer mehr Kunden ein Problem mit Maden in der Biotonne haben. Das Biotonnen-Pulver und die kompostierbaren Müllsäcke werden während der warmen Jahreszeit stark nachgefragt. Foto: Barner
Sabine Dandachi, Inhaberin des Waldenbucher Baumarkts, stellt fest, dass immer mehr Kunden ein Problem mit Maden in der Biotonne haben. Das Biotonnen-Pulver und die kompostierbaren Müllsäcke werden während der warmen Jahreszeit stark nachgefragt. Foto: Barner

Waldenbuch - Der Landkreis Ludwigsburg tut es. Die Nachbarn in Stuttgart und im Kreis Esslingen tun es auch. In Waldenbuch aber hat sich die Hoffnung auf eine wöchentliche Leerung der Biotonne in den Sommer- und Herbstmonaten zerschlagen. Auf Antrag der CDU-Fraktion hatte der Waldenbucher Bürgermeister Michael Lutz beim Landratsamt in Böblingen noch einmal Druck gemacht. Nun liegt die Antwort vor. Der Landrat Roland Bernhard lässt wissen: „Die zusätzlichen Kosten stehen in keinem vertretbaren Verhältnis zu einem potentiellen Mehrwert für die Behälternutzer.“

Da ist man in der Schönbuchstadt ganz anderer Meinung. Bei der Betreiberin des örtlichen Baumarktes und CDU-Stadträtin Sabine Dandachi laden die Bürgerinnen und Bürger ihren Frust ab. Wenn die grünen Tonnen im Sommer und Herbst ein reges Innenleben entwickeln, geben sich die Ratsuchenden hier die Klinke in die Hand. Denn der zweiwöchige Leerungs-Rhythmus lässt den Maden genug Spielraum, sich in der feucht-warmen Umgebung mit reichlich Nahrung prächtig zu entwickeln.

Landratsamt veröffentlicht regelmäßig Praxistipps

Durch die zunehmenden Hitzeperioden hat sich das Problem in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Die Chefin des Baumarkts kann die Entwicklung an ihren Bestellungen für das Biotonnen-Pulver ablesen, das immer häufiger nachgefragt wird und den Larven der Fliegen den Garaus machen soll. „Es kommen vor allem immer mehr ältere Personen, die die Maden nicht nur eklig finden, sondern auch Probleme damit haben, die große Tonne nach der Leerung gründlich zu reinigen“, berichtet Sabine Dandachi.

Bei den Abfallexperten im Böblinger Landratsamt verfangen diese Argumente nicht. Im Rahmen eines Workshop des Werksausschusses war erst im November beschlossen worden: Eine wöchentliche Leerung ist nicht erforderlich. In seinem Schreiben an den Waldenbucher Bürgermeister erläutert der Landrat die Gründe. Man sei davon überzeugt, dass sich eine Maden- und Geruchsbildung durch die regelmäßig veröffentlichten Praxistipps wirksam vermeiden lassen. Außerdem bestehe die Möglichkeit, geruchsintensive Abfälle wie zum Beispiel Fisch und Fleisch in der Restmülltonne zu entsorgen, so dass de facto eine wöchentliche Abfuhr gegeben sei.

Wöchentliche Leerung würde die Kosten deutlich in die Höhe treiben

Und auch die Kosten spielen eine Rolle. „Alleine die Bereitstellung von mindestens acht zusätzlichen Abfuhrfahrzeugen verursacht einen finanziellen Aufwand von deutlich mehr als einer Million Euro, der in der Bioabfallgebühr mit zirka 16 Euro pro Behälter zusätzlich einzukalkulieren wäre“, rechnet Roland Bernhard vor. Außerdem verweist er auf Kundenbefragungen, die sehr hohe Zufriedenheitswerte bei der Bioabfallversorgung ergeben hätten.

Sabine Dandachi indes ist sich sicher: Ihre Kunden würden den Aufpreis von 16 Euro zusätzlich zur regulären Jahresgebühr von 60 Euro gern zahlen. „Eine 600-Gramm Dose Bio-Tonnen-Pulver kostet 8,99 Euro. Geht man davon aus, dass das Mittel etwa ein halbes Jahr lang zum Einsatz kommt, liegen die Ausgaben deutlich höher“, stellt sie fest. Auch die Zusage des Landrats, zu prüfen, ob der Landkreis einmal jährlich ein Reinigungsfahrzeug auf die Reise schickt, das die Biotonnen säubert, überzeugt sie nicht. „Das wäre ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Für die Leiterin des Baumarkts bleibt so nur die Hilfe zur Selbsthilfe. Neben dem Biotonnen-Pulver und kompostierbaren Bio-Müllbeuteln hat sie für die maden-geplagte Kundschaft stets ein paar nützliche Tipps parat: „Wenn möglich, für die Tonne einen kühlen Ort wählen. Das Innere sollte trocken gehalten werden. Eine dicke Schicht Zeitung auf dem Boden saugt die austretende Flüssigkeit auf, und auch die Abfälle sollten in mehrere Lagen Zeitungspapier gewickelt werden.“ Da die Maden nach oben wandern, empfehle es sich außerdem, den Deckel und die Ränder der Tonne regelmäßig mit Essigwasser zu säubern.