Blutspender aus Münchingen Nach der Blutspende wartet ein Bier

Von Heidi Knobloch 

Matthias Hajdu spendet seit 27 Jahren Blut. Der Mann von der Freiwilligen Feuerwehr in Münchingen will anderen Menschen damit Hoffnung geben. Immer wieder findet er Gleichgesinnte.

Matthias Hajdu  grübelt nicht, er handelt lieber. Foto: factum/Simon Granville
Matthias Hajdu grübelt nicht, er handelt lieber. Foto: factum/Simon Granville

Korntal-Münchingen - Das kleine blassgelbe Heftchen mit dem roten Kreuz auf dem Titel hält Matthias Hajdu in Ehren: „Das schmeiß‘ ich nicht weg – auch wenn wir mittlerweile Plastikkärtchen haben“, sagt der Mann mit dem Bürstenhaarschnitt energisch. Der erste Stempel in der langen Reihe auf insgesamt sechs Seiten dokumentiert: Am 19. November 1993 hat der heute 50-Jährige das erste Mal Blut gespendet. Seither hat sich der Münchinger über 100-mal vom Arzt des Roten Kreuzes piksen lassen. „Mit meiner Blutspende will ich anderen Menschen einen kleinen Funken Hoffnung geben“, erklärt Hajdu seine Motivation. Um Menschenleben zu retten, tut er seit mehr als 20 Jahren zudem bei der Freiwilligen Feuerwehr in Münchingen Dienst.

Die Prozedur ist eigentlich ganz einfach

Zum Blutspenden ist Hajdu eher zufällig gekommen: „Ich habe davon gehört und gedacht: Da gehst du mal hin.“ Die Prozedur sei dann ganz einfach gewesen und habe sich in den fast drei Jahrzehnten praktisch nicht verändert: anmelden, Fragebogen ausfüllen, beim Arzt Blutdruck und Temperatur messen lassen, den Finger zum Piksen für den Blutzuckertest hinhalten. Und sich dann auf der Liege ausstrecken und einen halben Liter Blut abzapfen lassen: „So fünfzehn, zwanzig Minuten dauert das.“

Die meisten der Helfer und Ärzte kennt Hajdu mittlerweile: „Die sind meist aus Baden und sehr nett.“ In der Regel sei alles gut organisiert und es gebe kaum Wartezeiten: „Nur einmal, in Korntal gab es eine lange Schlange bis nach draußen. Da bin ich schier verrückt geworden.“

Vier Mal im Jahr geht Hajdu Blut spenden, zweimal in Korntal, zweimal in Münchingen. Der Rhythmus passt so für ihn – auch wenn er als Mann insgesamt sechs Mal pro Jahr gehen könnte, mit 56 Tagen zwischen zwei Spenden. „Das sind mir dann doch zu viele Umstände, die Rechnerei und das Fahren.“ Auch wenn der Internetrechner des Roten Kreuzes ihm die Mathematik abnehmen und die passenden Termine nach Postleitzahlen sortiert anzeigen würde.

Schwere Unfälle prägen sich im Gedächtnis ein

Dass Blutspenden Leben retten können, weiß Hajdu aus seiner Arbeit bei der Feuerwehr. Besonders die Unfälle auf der A81 seien heftig – früher, als es noch keine Geschwindigkeitsbegrenzung gab und die Sicherheitstechnik in den Fahrzeugen nicht so gut war, noch mehr als heute. „Oft mussten wir Eingeklemmte befreien“, berichtet Haydu. Die Bilder aus dem Kopf zu bekommen, sei für manche Feuerwehrleute nicht ganz einfach. „Aber ich bin einer, der net grübelt“. Er tue lieber etwas.

Neben seinem Beruf als Metallfacharbeiter bei einem mittelständischen Unternehmen trainiert er zwei Mal die Woche mit seinen Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr. Den Funkmeldeempfänger, der ruft, wenn es einen Einsatz gibt, trägt er Tag und Nacht bei sich. Und dem Roten Kreuz ist Hajdu nicht nur als Blutspender verbunden: Er gehört zum Arbeitskreis der Münchinger DRK-Ortsgruppe, sammelt regelmäßig Altpapier und Altkleider oder macht „Auf- und Abbau bei den Feschtle“.

100-malige Spender sind selten anzutreffen

Im Januar hat der Korntal-Münchinger Bürgermeister Joachim Wolf die Blutspender aus den Gemeinden geehrt. Auch Menschen, die 10, 25, 50 oder 75 Mal gespendet haben, hat er für ihr Engagement gedankt. „Mit 100 gab es aber nur einen“, sagt Matthias Hajdu, und richtet seinen Oberkörper ein bisschen auf. Der Musikverein habe gespielt und die Stadthalle sei gut besucht gewesen: „Besonders schön war natürlich, dass viele Feuerwehrleute da waren.“ Gemeinsam mit einem Kollegen hat Matthias Hajdu auch die Jugendarbeit der Feuerwehren von Korntal und Münchingen aufgebaut. Nach wie vor leitet er immer dienstags eine Gruppe.

Unlängst habe er einen jungen Mann dazu bewegen können, zum Blutspenden mitzukommen: „Da konnte er mal Mut beweisen.“ Und habe gemerkt: So schlimm ist es ja gar nicht. Viel wichtiger aber: „Meine Blutgruppe ist ja gang und gäbe – aber die von dem Jungen ist ganz selten.“ Während Matthias Hajdu am Anfang, vor 27 Jahren, alleine zum Blutspenden ging, ist mittlerweile klar: Wenn das Rote Kreuz ruft, treffen sich drei, vier Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Korntal oder Münchingen am Abend dort. Für das leibliche Wohl sorge das Rote Kreuz, es gebe ein großes Buffet, Brot, Wurst, Käse, Gemüse und Obst: „Und dazu trinken wir dann immer gemeinsam ein Bier.“




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