Böblinger Landratsamt fördert neues Netzwerk Der Kreis soll smart werden

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Das Landratsamt will ein LoRaWan zur freien Nutzung installieren lassen: Das Funknetzwerk kann Geräte miteinander verbinden – wo es keine Verbindung zum Internet gibt. Herrenberg hat es bereits, Holzgerlingen hat es beschlossen.

Faszinierende Technik:  die intelligenten Herrenberger Mülleimer Foto: factum/Granville
Faszinierende Technik: die intelligenten Herrenberger Mülleimer Foto: factum/Granville

Böblingen - Der Landrat möchte den Landkreis smarter machen: Roland Bernhard hat angekündigt, ein kreisweitessogenanntes LoRaWan-Netzwerk einrichten zu lassen, das sowohl den Kommunen als auch der Bevölkerung zur freien Nutzung zur Verfügung steht. In Herrenberg ist die Einführung des LoRaWan im vergangenen Herbst bereits gefeiert worden. Dort sind unter anderem öffentliche Mülleimer an das Funknetz angeschlossen, die nun von selbst melden, wenn sie voll sind und geleert werden müssen. Der Holzgerlinger Gemeinderat hat die Einführung dieser Technik im März beschlossen. Auch die Böblinger Stadtwerke (SWBB) wollen sie nutzen, um die Fernwärmezähler abzulesen. „Damit sind wir am Puls der Zeit“, findet der SWBB-Geschäftsführer Gerd Hertle.

Kleine Datensätze über große Distanzen

LoRaWan bedeutet ausgeschrieben Long Range Wide Area Network. Dahinter steckt ein offenes Funknetzwerk, das kleine Datensätze über große Distanzen transportieren kann. „Die Möglichkeiten von LoRaWan zum Einsatz bei einfachen Anwendungen sind grenzenlos und kostengünstig“, schwärmt der Landrat. Spezielle Sensoren würden ein bestimmtes Ereignis an einem Ort messen und die nötige Konsequenz dann an einem anderen Ort melden. Neben der Müllabfuhr hilft das LoRaWan in Herrenberg auch dem Winterräumdienst als Schneefallmelder. Die Stadt Wendlingen im Kreis Esslingen nutzt das System etwa, um Falschparker an kritischen Plätzen wie Feuerwehreinfahrten aufzuspüren.

„Wer verstanden hat, wie LoRaWan funktioniert, dem wird klar, wie praktisch es in zahllosen Einsatzbereichen sein kann“, findet der Landrat. Mit dem Internet der Dinge würde die Funktionalität alltäglicher Gegenstände gesteigert. Und das Funknetzwerk biete zudem mit geringem Aufwand und niedrigem Energieverbrauch eine optimale Netzabdeckung und störungsunempfindliche Signalübertragung. Für das LoRaWan werden lizenzfreie Sendefrequenzen genutzt, die so niedrig sind, dass sie auch eine sehr gute Gebäudedurchdringung haben.

Der erste Schritt: ein Workshop für Kommunen

Als ersten Schritt veranstaltet das Landratsamt mit den Städten Herrenberg und Holzgerlingen, dem Herman Hollerith Zentrum und dem The Things Network Region Stuttgart im Herbst einen Workshop, um den Kommunen die Technologie schmackhaft zu machen. Entsprechende Netzwerke und Arbeitskreise sollten außerdem gegründet werden, um die Entwicklung voranzutreiben, teilt die Kreisbehörde mit.

Holzgerlingen hat seinem Gemeinderat eine lange Liste von Möglichkeiten zusammengestellt, wofür sich das LoRaWan nutzen lässt: unter anderem für Bewegungssensoren an Gebäuden, als Temperatursensoren, zur Gartenbewässerung, zum Verfolgen von Leihfahrrädern, zur Steuerung von Ampeln, zur Kontrolle der Waldbrandgefahr oder zum Auffinden von Lecks in Gas- oder Wasserleitungen. Um „diese zukunftsweisende Infrastruktur“ in Holzgerlingen zu erproben, kooperiert die Kommune mit dem Versorger Netze BW.

Stadtwerke stellen innerhalb von fünf Jahren um

Schrittweise führen die Stadtwerke Böblingen das LoRaWan ein, in fünf Jahren soll die Umstellung abgeschlossen sein. Die Sender werden an drei Standorten aufgestellt. Derzeit sind der Kamin an einem Blockheizkraftwerk im Gespräch, ein Platz an einem Wasserturm und an einem Bürogebäude auf dem Flugfeld. Alle Wärmemengenzähler, die von jetzt an aufgrund des Ablaufs der Eichfrist ausgetauscht werden müssen, erhalten ein Modul zur Fernauslesung über LoRaWan. Die Ablesung erfolgt dann automatisch.




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