„Brother Eye“ von Flaming Lips US-Band und Publikum bei Konzert in Gummikugeln

The Flaming Lips sind bekannt für experimentelle Rockmusik und grelle Liveshows. In ihrem neuen Livevideo zeigen sie, wie Konzerte unter Corona funktionieren könnten.

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)

Stuttgart - Erinnert sich noch jemand? Konzerte, das waren diese oftmals lauten Veranstaltungen in kleinen oder großen Räumen, bei denen Musiker auf der Bühne ihre Kunst performt haben. Im Sommer wurde zwar unter freiem Himmel hier und da mal mit großem Abstand musiziert und noch im Oktober versuchte sich die eine oder andere Spielstätte an Popmusik im geschlossenen Raum. Wirklich das Gleiche war das aber nicht, und dann kam eh der Teil-Lockdown.

The Flaming Lips haben ihren Song „Brother Eye“ erst kürzlich live gespielt – in der größten Konzerthalle ihrer Heimatstadt Oklahoma City, vor einigen Hundert Fans. Seit einigen Tagen ist das Livevideo dazu online. In diesem Fall besteht der Corona-Twist aus riesigen Gummikugeln: Musiker und Zuschauer kommen in transparenten Schutz-Kokons zusammen, um auf Schutzmasken verzichten und sogar mitsingen und -klatschen zu können. Auch daran kann sich ja kaum mehr jemand erinnern.

Das Livevideo macht einerseits etwas traurig, weil eine Freude bei Konzerten ja gerade das auch körperliche gemeinsame Erleben von Musik ist. Andererseits lebt eh längst jeder in seiner eigenen (Filter-)Blase. Und: wer, wenn nicht diese Band könnte auf so eine Idee kommen? Der Sänger Wayne Coyne steigt bei Konzerten seit Jahren in solche Gummikugeln und lässt sich darin vom Publikum auf Händen tragen. Vergangenes Jahr hat er sogar in einer Kugel geheiratet.

Bubble-Konzert im Dezember

Die Idee mit dem Kugel-Konzert sei ihm im Frühjahr gekommen, erzählte Coyne dem US-Sender CNN – eine Art „Kommentar zu den gesellschaftlichen Folgen des Coronavirus“. Damals habe er sich nicht träumen lassen, dass die Pandemie die Welt selbst im Spätherbst noch im Griff haben würde. Im Mai stellte die Band ihre Konzertidee erstmals in der Sendung des US-Satirikers Stephen Colbert vor. Am Drehtag in der Spielstätte „The Criterion“ seien dann schon eine halbe Stunde vor dem kommunizierten Einlass mehr als genug Fans dagewesen, die bei dem Videodreh mitmachen wollten.

Am 11. Dezember spielen The Flaming Lips an der gleichen Stelle wieder – und zwar ein reguläres Konzert. Tickets für die ausverkaufte Show in ihrer Heimatstadt wurden kugelweise verkauft, in jeder Blase haben bis zu drei Menschen Platz.




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