CD „Lass irre Hunde heulen“ Franz Schubert für die Generation Indie-Pop

Gisbert zu Knyphausen (links) und Kai Schumacher interpretieren Franz Schubert. Foto: Joachim Gern/JOO
Gisbert zu Knyphausen (links) und Kai Schumacher interpretieren Franz Schubert. Foto: Joachim Gern/JOO

Kunstlied triff Folkpop: Der Songwriter Gisbert zu Knyphausen und der Pianist Kai Schumacher modernisieren Franz Schubert. Am 10. September erscheint das Album „Lass irre Hunde heulen“.

Kultur: Gunther Reinhardt (gun)
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Stuttgart - Waren Franz Schubert und ­Wilhelm Müller frühromantische Vorgänger von John Lennon und Paul McCartney, von Benny Andersson und Björn Ulvaeus, von ­Elton John und Bernie Taupin? Ein Song­writing-Duo also, das Stücke für die Ewigkeit geschrieben hat? Der Liedermacher Gisbert zu Knyphausen und der Pianist Kai Schu­macher wollen das mit Neuinterpretationen beweisen. An diesem Freitag erscheint das Album „Lass irre Hunde heulen“.

Keine Konkurrenz für Fischer-Dieskau und Schreier

Klaviertöne irren durch die Nacht, ein Schlagzeug sucht im Mondschatten nach dem Beat, ein Synthesizer summt eine traurig-zarte Melodie, und Gisbert zu Knyphausen spielt den Abschied nehmenden Liebenden: „Fremd bin ich eingezogen/Fremd zieh’ ich wieder aus“, singt er in „Gute Nacht“ – ohne dabei mit Peter Schreier oder Dietrich Fischer-Dieskau konkurrieren zu wollen.

Von Knyphausens Stimme ist nicht für Kunstlieder geschaffen, er trägt die zehn Lieder auf dem Album in dem schnoddrigen Ton vor, den man aus Songs wie „Das Licht dieser Welt“, „Melancholie“ oder „Hurra! Hurra! So nicht!“ kennt. Die Intonation lässt er lässig schleifen, einige Melodiesprünge kürzt er ab. Von brummenden Synthesizern, krächzenden Cellos, Schrammelgitarren oder euphorischen Klavier-Arpeggios begleitet, trägt er diese Schubert-Lieder trotzdem mit einem heiligen Ernst vor. Auch wenn unüberhörbar ist, dass sein Herz mehr an der Lyrik als an den Kompositionen hängt.

Romantische Träumer des 19. und 21. Jahrhunderts

Wenn in Schuberts Wilhelm-Müller-Vertonungen aus der „Winterreise“ Hunde knurren und heulen und überall Dunkelheit, Einsamkeit und Rastlosigkeit lauern („Und ich wandre sonder Massen/Ohne Ruh’, und suche Ruh’) , glaubt man jedenfalls Motive aus Knyphausens eigenen Songs wiederzuerkennen. Aber auch die Lieder, bei denen Schubert andere prominente Co-Autoren hatte (Rellstab, Jacobi, Rückert, Heine, Goethe), offenbaren die Seelenverwandtschaft zwischen romantischen Träumern des frühen 19. und des 21. Jahrhunderts.   

Kai Schumacher & Gisbert zu Knyphausen: Lass irre Hunde heulen. Neue Meister/Edel:Kultur.




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