Krimikolumne

Christine Cazon: „Stürmische Côte d’Azur“ Tod auf der Insel

Christine Cazon entführt ihre Leser an die französische Südküste. Foto: Stéphanie Melber
Christine Cazon entführt ihre Leser an die französische Südküste. Foto: Stéphanie Melber

Die Ferien nahen unaufhaltsam und im Koffer fehlen noch ein paar Krimis? Für Freunde der französischen Lebensart und der Côte d’Azur könnte Kommissar Duvals dritter Fall etwas sein. Aber Vorsicht: Es fließt eine Menge Blut.

Digital Unit : Lukas Jenkner (loj)

Stuttgart - Wird beim Meuchelmord mittels Messer eine Arterie perforiert, dann fließt Blut. Und zwar erstaunlich viel, wie der Skipper Jean-Louis Théolien feststellen muss, als er nach durchzechter Nacht im Rumpf seiner Jacht im Inselhafen von Sainte Marguerite vor der südfranzösischen Küste aufwacht und einer seiner Seeleute ausgeblutet in der Koje liegt.

Der Mord ruft Kommissar Léon Duval nebst den Kollegen der Spurensicherung aus Cannes auf den Plan. Der Trupp muss bei bewegter See auf die Insel übersetzen, Duval wankt einigermaßen derangiert vom Boot und nimmt die Ermittlungen auf. Das Wetter macht den Flics allerdings einen Strich durch die Rechnung, es wird immer stürmischer, die Spurensicherung schafft es noch so gerade von der Insel. Schließlich muss der Fährverkehr eingestellt werden, und Duval hat für die nächsten Tage nicht mehr zur Verfügung als sein Kriminalernäschen.

Tödliche Mischung aus Gier und Gelegenheit

Aus dieser Konstellation entwickelt Christine Cazon einen klassischen Whodunit, in dem es um unerfüllte Träume, Leidenschaften und Gier geht. Da ist vor allem dann spannend zu lesen, wenn Duval seine Zeugen befragt und sich die Inselbewohner nach und nach an Kleinigkeiten erinnern oder – au contraire – ins Schwimmen geraten, verbal zumindest. Beschreibungen von Land und Leuten nebst deren Schrulligkeiten sowie gastronomischen Genüssen dürfen in einem Ferienkrimi nicht fehlen und wirken in „Stürmische Côte d’Azur“ nur gelegentlich aufgesetzt.

Die Auflösung ist dann überraschend trivial. Aber wer sich mit der kriminellen Wirklichkeit ein bisschen auskennt, der weiß, dass das Verbrechen öfter als gedacht nur eine Folge der tödlichen Mischung von Gier und Gelegenheit ist. Das Böse ist meistens sehr banal, auch an der mondänen südfranzösischen Küste.

Christine Carzon: „Stürmische Côte d’Azur: Der dritte Fall für Kommissar Duval“. Kiepenheuer & Witsch Köln 2016. 304 Seiten, 9,99 Euro. Auch als E-Book, 9,99 Euro.

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