orona in Reiseländern Coronavirus im Gepäck

Von jgp 

Die Pandemie breitet sich in den beliebtesten Reiseländern wieder stärker aus. Worauf Touristen achten müssen.

In Barcelona kehrt das Leben wieder etwas zur Normalität zurück.Wenn an Stränden die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können, gilt Maskenpflicht. Foto: dpa/Emilio Morenatti
In Barcelona kehrt das Leben wieder etwas zur Normalität zurück. Wenn an Stränden die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können, gilt Maskenpflicht. Foto: dpa/Emilio Morenatti

Stuttgart - Mehrfach haben zuletzt Reiserückkehrer aus der kroatischen Partyhochburg Novalja das Coronavirus in die Region Stuttgart getragen und hier weitere Menschen infiziert. Deutschlandweit häufen sich solche Fälle derzeit in hohem Maße. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilt, wurde in der vergangenen Woche jede dritte hierzulande registrierte Corona-Infektion aus dem Ausland mitgebracht. Dieser Wert steigt seit Wochen an.

Die steigenden Werte sind kritisch, weil die Urlauber – wie im Fall der aus Kroatien heimkehrenden Partytouristen – hierzulande weitere Menschen anstecken und so die Fallzahlen nach oben treiben können. Genau so kam Mitte März das Coronavirus nach Deutschland, als sich Tausende Skiurlauber etwa in Ischgl oder Südtirol angesteckt hatten. Damals lag der Anteil der aus dem Ausland mitgebrachten Infektionen bei 46 Prozent. Zwei Wochen später war Deutschland im „Lockdown“.

Im Video: Reisewarnung – Diese Länder gelten aktuell als Risikogebiete

Das RKI ermittelt, wo sich die Reiserückkehrer angesteckt haben. Mit fast 1100 Infizierten waren in den vergangenen vier Wochen besonders viele Reisende aus dem Kosovo darunter. Zunehmend rücken die Türkei und Kroatien in den Fokus, wo derzeit viele ihren Urlaub verbringen. Die Lage ist nicht allen europäischen Ländern gleich brisant. Touristen sollten sich am Besten vor dem Antritt ihrer Reise über die Bestimmungen vor Ort kundig machen.

Massentourismus, aber die Viruskrise dennoch im Griff: Seit Wochen überrascht Kroatien mit sehr niedrigen Infektionszahlen. Doch selbst heimische Medien fragen sich, ob die Corona-Statistiken frisiert sein könnten. Der Grund? Wenig Tests und damit wenig Kranke. Aber dennoch hat Kroatien die Epidemie besser im Griff als die Nachbarn. Kroatien erlaubt Deutschen und Bürgern anderer EU-Staaten seit dem 10. Juli die Einreise ohne Nachweis bestimmter Gründe. Die Reisenden müssen an der Grenze nur erklären, wo sie sich aufhalten werden und wie sie erreichbar sind. Damit sollen sie gefunden werden können, wenn es in ihrer Umgebung neue Corona-Infektionen gibt. Ein entsprechendes Formular kann vor Reiseantritt aus dem Internet heruntergeladen werden.

Lange hatte Griechenland eine der niedrigsten Corona-Ansteckungsraten in Europa. Jetzt steigen die Zahlen plötzlich stark an. 481 neue Corona-Infektionen meldeten die griechischen Behörden in den vergangenen drei Tagen – fast so viele wie im ganzen Monat Juni. Als Reaktion auf den Anstieg erlässt die Regierung neue Reisebeschränkungen. Bei Einreisen über die Landgrenzen müssen alle Reisenden einen negativen Corona-Test vorweisen können. Restaurants, Cafés und Bars müssen nun in zahlreichen Touristengebieten um 23 Uhr schließen. Dazu gehören die Inseln Mykonos, Paros, Santorin, Rhodos, Kos, Zakynthos und Korfu sowie die nordgriechische Halbinsel Chalkidiki. Gesundheitsminister Vasilis Kikilias appellierte an jene Bürger, die die Abstandsregeln und Hygieneprotokolle wie das Tragen von Masken nicht einhalten, „sich ihrer Verantwortung für die eigene Gesundheit, die Risikogruppen und die übrigen Mitbürger bewusst zu werden“.

Am kritischsten ist die Lage für Touristen in der Türkei. Das Auswärtige Amt hat die Reisewarnung für Teile des Landes zwar aufgehoben – das betrifft die Küstenprovinzen Antalya, Izmir, Aydin und Mugla. Der Status als Risikogebiet bleibt erhalten, berichtet der Allgemeine Deutsche Automobilklub (ADAC). Es gebe jedoch kein generelles Reiseverbot. Urlauber, die in eine der vier Provinzen reisen, müssen innerhalb von 48 Stunden vor der Rückreise nach Deutschland einen Corona-Test machen – auf eigene Kosten. Fällt der Test positiv aus, müssen sie sich in der Türkei in Quarantäne beziehungsweise ärztliche Behandlung begeben. Eine Rückreise nach Deutschland ist dann vorerst nicht mehr möglich. Auf Marktplätzen, in Supermärkten und in öffentlichen Verkehrsmitteln müssen Schutzmasken getragen werden.

Urlauber aus der EU dürfen unbegrenzt nach Spanien einreisen. Alle Flugpassagiere, die nach Spanien einreisen wollen, müssen unabhängig von ihrem Herkunftsland grundsätzlich ein Formular im Spain Travel Health-Portal zur Gesundheitskontrolle ausfüllen, das bei der Einreise vorzulegen ist. Bei der Ankunft in Spanien gibt es eine Gesundheitskontrolle, bei der die Temperatur gemessen wird. Personen mit einer Temperatur von über 37,5 Grad oder anderen Auffälligkeiten müssen mit einer eingehenderen Untersuchung rechnen, wie der ADAC berichtet. Das Auswärtige Amt rät von Reisen in die besonders betroffenen Regionen Katalonien, Navarra, Aragonien, das Baskenland oder Madrid ab. Urlauber, die aus Risikogebieten nach Deutschland zurückkehren, müssen sich auf Covid-19 testen lassen – und bei einem positiven Befund für 14 Tage in Quarantäne, so der ADAC.

Für Deutsche ist der Holland-Urlaub weiter möglich. Amsterdam hat aber Touristen aus Sorge vor einer zweiten Corona-Welle aufgerufen, auf Wochenendbesuche zu verzichten. Tagesgäste sollten möglichst von Montag bis Donnerstag anreisen. Von Neu-Infektionen sind derzeit besonders Amsterdam und Rotterdam betroffen, wo auch die strengsten Regeln gelten. An belebten Plätzen, in Geschäften und im Rotlichtviertel muss eine Maske getragen werden. Ein Platz in Kneipen und Restaurants muss reserviert werden, Gäste müssen ihre Kontaktdaten hinterlassen. In Bus und Bahn gilt eine Maskenpflicht. Bei Verstößen gegen Corona-Maßnahmen können Bußgelder von bis zu 400 Euro fällig werden.

Touristen aus Deutschland brauchen für eine Einreise nach Frankreich im Moment keine speziellen Unterlagen. Auch eine Quarantäne ist nicht notwendig. Da die Zahl der Neuinfektionen zuletzt leicht gestiegen ist, wurde in mehreren Touristenorten in der Bretagne und Gemeinden im Département Mayenne sowie in Stadtteilen von Lille und Nizza das Tragen einer Schutzmaske an belebten Orten auch im Freien angeordnet.

In Bussen und Bahnen sowie öffentlichen geschlossenen Räumen gilt landesweit ohnehin schon eine Maskenpflicht. Tickets für viele Sehenswürdigkeiten sind begrenzt, damit Besucher genügend Abstand halten.




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