Corona in Leonberg Samariterstift: 16 Menschen positiv getestet

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Die betroffenen Bewohner und Mitarbeiter des Pflegeheims weisen keine Symptome auf und sind isoliert.

Das Pflegeheim Samariterstift in der Seestraße ist hermetisch abgeriegelt. Zugang hat nur noch das Personal. Foto: factum/Jürgen Bach
Das Pflegeheim Samariterstift in der Seestraße ist hermetisch abgeriegelt. Zugang hat nur noch das Personal. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Bei einem Test des Gesundheitsamtes im Samariterstift ist bei 16 Menschen eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt worden. Es handelt sich sowohl um Bewohner als auch um Pflegekräfte. Der Test war im Rahmen einer flächendeckenden Aktion in sämtlichen Heimen des Landkreises gelaufen, die in den nächsten Tagen andauert. Das hat der Vorstand der Samariterstiftung mit Sitz in Nürtingen am Freitag bestätigt.

Erste Infizierung vor zehn Tagen

„Die Betroffenen sind symptomfrei“, erklärt Reinhard Gradmann von der Samariterstiftung auf Anfrage unserer Zeitung. „Die infizierten Bewohner sind auf einer separaten Station untergebracht, die Mitarbeiter sind in Quarantäne daheim.“ Die negativ getesteten Heimbewohner könnten sich auf einer anderen Station wie gewohnt bewegen.

Vor zehn Tagen war bei einem Bewohner eine Infizierung festgestellt worden. Daraufhin hatte die Hausleitung eine Quarantäne für sämtliche Bewohner in ihren Zimmern eingeleitet. „Wir wissen nicht, ob ein Mitarbeiter oder ein Bewohner das Virus eingeführt hat“, sagt der Samariterstiftungssprecher Gradmann. Das Landratsamt habe damals einen Test bei allen Menschen, die im Samariterstift leben oder arbeiten, mit Blick auf die knappen Kapazitäten abgelehnt.

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„Ich bin froh, dass jetzt Klarheit herrscht. Ohne flächendeckende Tests können wir nicht angemessen im Interesse der Bewohner reagieren“, betont Frank Wößner, der Vorstandsvorsitzende der Samariterstiftung. Er bewertet es äußerst positiv, dass künftig im Landkreis Böblingen alle Beschäftigten und Bewohner der Pflegeheime getestet werden.

Im Samariterstift Leonberg ist dies bereits am Dienstagabend passiert. Flächendeckend und priorisiert nach Größe und Bedarf, werden die medizinischen Überprüfungen nun im ganzen Landkreis erfolgen. Neben dem Samariterstift wurden bisher sechs andere Heime getestet. Nach Angaben des Kreis-Sprechers Benjamin Lutsch wurden nur vereinzelt Infizierungen festgestellt. Um welche Heime es sich handelt, konnte er nicht sagen.

In den zwei Einrichtungen, die das Deutsche Rote Kreuz in Renningen und Malmsheim betreibt, sowie in den beiden Häusern in Rutesheim gibt bisher noch keine Zwischenfälle. „In den insgesamt elf Heimen, die wir im gesamten Landkreis haben, hatten wir bisher nur eine einzige positiv getestete Bewohnerin“, berichtet Wolfgang Heubach, der Sprecher des DRK-Kreisverbandes Böblingen. Diese habe sich die Infektion bei einem Arztbesuch außerhalb des Kreisgebietes geholt. Die Seniorin, die im DRK-Heim in Holzgerlingen lebt, sei wieder wohlauf.

Angehörige und Freunde der Heimbewohner könnten mit ihnen telefonischen Kontakt halten, berichtet Heubach. Besuch seien nicht gestattet. Auch die ehrenamtlichen Helfer und Pfarrer dürften die Einrichtungen nicht mehr betreten.

Ersatzpersonal aus anderen Häusern

So sieht es auch im Leonberger Samariterstift aus. Das Haus ist hermetisch abgeriegelt. Niemand darf hinein. „Neben den Anrufen bringen die Angehörigen Päckchen oder Karten vorbei, die wir den Bewohnern geben“, berichtet Reinhard Gradmann von der Samariterstiftung.

Um jene positiv getesteten Fachkräfte zu ersetzen, die jetzt zwei Wochen lang zuhause bleiben müssen, setzt die Samariterstiftung Personal aus anderen Häusern und aus der Verwaltung ein. Alle haben eine pflegerische Ausbildung, versichert Gradmann. „Die Hygienemaßnahmen werden streng beachtet. Ein Virus ist für unser Personal an sich aber keine Ausnahmeerscheinung.“

Der Sprecher der Samariterstiftung verhehlt nicht, dass die Personalsituation „gerade eng ist. Aber jene Mitarbeiter, die jetzt in Quarantäne sind, kommen in zwei Wochen wieder. Dann wird sich die Lage entspannen.“ Auch bei der Schutzausrüstung für die Pflegerinnen und Pfleger, vor allem Masken und Handschuhe, gibt es nach seinen Worten im Moment „keine Notsituation“. Insgesamt sei der Mangel an Schutzkleidung aber „äußerst heftig“.

„Alte Menschen gut begleiten und versorgen“

Der Test vom Dienstag dürfte nicht der letzte gewesen sein. „Es ist aus unserer Sicht klug, wenn in Zukunft weiter getestet wird“, sagt Frank Wößner. „Das gilt auch für unsere Mitarbeitenden.“

Der Vorstandschef der Samariterstiftung lobt die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt und dem Landkreis: „Ich erlebe die Gespräche mit Landrat Bernhard als offen und konstruktiv“, sagt Wößner. „Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam in der schwierigen Zeit alles tun werden, um die alten Menschen in Pflegeheimen gut zu begleiten und zu versorgen.“




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