Corona-Quarantäne in Kirchheim Rotes Kreuz richtet weitere Station ein

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Auch am Sonntag bleibt die Lage rund um das Kirchheimer Ateck-Hotel entspannt. Derweil bereitet das Rote Kreuz die ursprünglich gedachte Unterkunft als Reserve vor.

Am Freitag sind die China-Rückkehrer ins Kirchheimer Ateck-Hotel eingezogen. Foto: SDMG/Kohls 9 Bilder
Am Freitag sind die China-Rückkehrer ins Kirchheimer Ateck-Hotel eingezogen. Foto: SDMG/Kohls

Kirchheim - Aktuell wissen wir von keinen weiteren Menschen, die aus China zu uns kommen. Aber das kann sich natürlich schnell ändern“, sagt Udo Bangerter. Deshalb, so berichtet der Pressesprecher des DRK-Landesverbands Baden-Württemberg, am Sonntag, seien auch am Wochenende die Vorbereitungen des DRK, in Kirchheim eine weitere Quarantänestation als Reserve zu errichten.

Das Jugendrotkreuzhaus wird vorbereitet

Umgerüstet und technisch vorbereitet wird gerade das Kirchheimer Jugendrotkreuzhaus an der Alten Plochinger Steige direkt neben dem DRK-Logistikzentrum am Hohen Reisach, das Platz für rund ein Dutzend Menschen bieten könnte. Das Gebäude hätte – so die ersten Überlegungen beim DRK – bereits als Unterkunft für jene 15 deutschen Chinareisenden dienen sollen, die am Freitag auf dem Stuttgarter Flughafen gelandet sind und seit Freitagnachmittag in einer eilends vom DRK und vom Technischen Hilfswerk eingerichteten Quarantänestation im Kirchheimer Ateck-Hotel betreut werden.

Die Lage dort bezeichnen alle Beteiligten als entspannt. Die vor dem als Quarantänestation genutzten Hotelnebengebäude postierten Sicherheitsleute berichten am Sonntagmorgen, dass sie zwar immer wieder Menschen beobachten könnten, die beim Vorbeifahren am Ateck-Hotels Bilder mit ihren Handys machten. Auch kämen gelegentlich besorgte Bürger vorbei, die das Gespräch mit ihnen suchten. Von einem Corona-Tourismus oder gar einer aggressiven Stimmung könne aber keine Rede sein.

Die Situation hat sich eingespielt

Auch in der Station selber, so berichtet Udo Bangerter, habe sich binnen kürzester Zeit die Situation eingespielt. „Hier in Kirchheim haben wir natürlich den Vorteil, dass in den Hotelzimmern bereits viele Annehmlichkeiten vorhanden sind“, sagt Bangerter. Das Frühstück werde vom Hotel zur Verfügung gestellt, die restlichen Speisen von außen angeliefert. Bangerter: „Das klappt alles hervorragend.“

Die Ausgangssituation sei in der Kaserne in Germersheim und zuletzt in dem Verwaltungstrakt in Berlin natürlich anders gewesen. Getrennt voneinander dürfen die 15 Chinaheimkehrer auch immer wieder auf einem abgegrenzten und mit Sichtschutz abgetrennte Rasengrundstück an die frische Luft gehen.. Die Zahl der Dinge, die man am Samstag noch habe organisieren müssen, sei ausgesprochen gering gewesen – und habe sich auf Kleinbedarf, etwa Handy-Ladekabel oder Windeleimer, beschränkt.

Es besteht kein Anlass zur Beunruhigung

Auch die Tatsache, dass sich der Gesundheitszustand der Menschen, die über Paris und den Stuttgarter Flughafen nach Kirchheim gekommen waren, am Wochenende nicht verändert habe – also alle Bewohner der Quarantänestation nach aktuellem Stand gesund sind – trage zur vergleichsweise entspannten Situation bei. Es bestehe nach wie vor kein Anlass zur Beunruhigung. Schon bei den ersten Untersuchungen, die am Freitag direkt nach der Ankunft am Stuttgarter Flughafen durch Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdiensts vorgenommen worden sind, hatte es keine Hinsweise auf den Coronavirus gegeben.

Sehen Sie weitere Informationen zur Quarantäne-Station in unserem Video:

Die Abstrichproben seien, so teilte das Sozialministerium noch am Freitagabend mit, im Labor des Landesgesundheitsamtes (LGA) untersucht worden. Die 15 Frauen, Männer und Kinder seien dabei allesamt negativ auf eine Coronaviruserkrankung getestet. Die Untersuchungen sind am Wochenende wiederholt worden.

Unruhe in den sozialen Netzwerken

Für etwas Unruhe haben in Kirchheim am Wochenende die zahlreichen, teilweise aggressiven Kommentare in den sozialen Netzwerken gesorgt: Vieles davon sei unerträglich, erklärte die Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, die am Freitag mit einer öffentlichen Gemeinderatssitzung in der Kirchheimer Stadthalle offiziell aus ihrem Amt verabschiedet worden war. Matt-Heidecker, die bei der Wahl im Dezember ihrem Herausforderer Pascal Bader deutlich unterlegen war, fügte in Hinblick auf ihre Abwahl wörtlich hinzu: „Wenn ich das so lese, bin ich auch ein bisschen froh, dass es nun vorbei ist.“ Am Sonntag ist übrigens die Berliner Quarantäneestation geschlossen worden. Damit ist Kirchheim aktuell die bundesweit einzige Sammelstation, in der China-Heimkehrer in Quarantäne leben müssen.