Coronakrise in Stuttgart Wie der Verband der Clubs illegale Partys verhindern will

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Illegale Partys, geschlossene Clubs, Polizeikontrollen, überforderte Barbetreiber: Das Stuttgarter Nachtleben steht unter Druck. Der Interessenverband der Clubs hat einen Drei-Stufen-Plan zur langsamen Öffnung in der Pandemie entwickelt.

Keiner weiß, wann sich die Discokugel wieder zum Tanzen drehen darf. Foto: Foto  Lichtgut//Ferdinando Iannone
Keiner weiß, wann sich die Discokugel wieder zum Tanzen drehen darf. Foto: Foto Lichtgut//Ferdinando Iannone

Stuttgart - Späher bringen sich in Position, wenn in geschlossenen Clubs „Privatpartys“ gefeiert werden. Fast ist’s wie in der Prohibition vor 100 Jahren in den USA. Damals war dort Alkohol streng verboten, heute darf niemand tanzen. Deshalb schauen Beobachter auf die Straße, ob die Polizei naht. Sobald die Ordnungsmacht anrückt, gibt’s eine Meldung. Und es wird rasch gehandelt: Masken auf, Tanz beendet, weit auseinander sitzen.

„Illegale Partys gibt’s an jedem Wochenende in Stuttgart“, sagt Sebastian Simon vom Club Lehmann. Deshalb plädiert er dafür, das Clubleben „in geordnete Bahnen zu bringen“, sprich: so kontrolliert, dass die Gesundheitsbehörde eine Chance hat, Ansteckungen nachzuverfolgen.

Stadt hat zwei Clubs vorübergehend geschlossen

„Basti“ Simon hat mit Kollegen vom Clubverband Kollektiv einen Dreistufenplan entwickelt, ein „Was-wäre- wenn“-Szenario, mit dem Orte der Nacht das Risiko für ihre Gäste niedrig halten und mit dem verbotene, also viel zu gefährliche Feste eingedämmt werden.

„Wer jetzt feiern geht, riskiert, dass seine Geschwister nicht in die Schule können oder Betriebe geschlossen werden“, sagt der Rathaussprecher Sven Matis. Da viele Partys nicht publik gemacht werden, könne das Ordnungsamt nur reagieren, wenn es Hinweise erhält. „Die Kollegen gehen dann gemeinsam mit der Polizei vor“, erklärt Matis. Jüngst sei der Betrieb von zwei Clubs vorübergehend untersagt worden.

„Wir müssen gut vorbereitet sein“

Das Konzept der Stuttgarter Clubs sieht vor, dass – je nach Entwicklung der Infektionszahlen – mit eingeschränktem DJ-Betrieb, digitaler Kontrolle und Sperrfunktionen an Eingängen es Schritt für Schritt ganz langsam wieder beginnen kann an den Treffs der Nacht. Der hohe Durchlauf an Gästen an verschiedenen Partylocations müsse verhindert werden. Hygienemaßnahmen, wie sie in Restaurants gelten, seien im Clubbetrieb schwer umsetzbar. Es müsse deshalb auf eine „verbindliche Beschränkung der Gästezahl sowie die Möglichkeit einer lückenlosen Nachverfolgung“ gesetzt werden. Wie viele Menschen einen Club besuchen dürfe, hänge von der Größe ab und müsste vom Gesundheitsamt festgelegt werden. Sebastian Simon ist realistisch: „Wahrscheinlich wird es dieses Jahr nicht mehr klappen. Aber wir müssen vorbereitet sein, wenn endlich gelockert werden kann.“

Der Stufenplan des Clubverbandes

Der Drei-Stufenplan, den der Stuttgarter Clubverband Kollektiv für die Pandemie entwickelt hat, sieht so aus: .

Phase 1: Jeder darf nur einen Club pro Wochenende besuchen. Digital wird er bei der Anmeldung für andere Clubs gesperrt.

Phase 2 :Wenn es die Infektionszahlen zulassen, wird weiter gelockert. Ein Gast kann dann freitags und samstags einen Club besuchen.

Phase 3; Der Regelbetrieb in den Clubs wird aufgenommen, wenn es etwa einen Impfstoff oder Medikamente gibt.




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