Coronavirus erschwert Einstieg in Beruf 1400 Lehrstellen in der Region Stuttgart offen

Von Daniel Gräfe 

Die Zahl der Ausbildungsstellen ist im Vorjahresvergleich um 15 Prozent eingebrochen, die Landespolitik verspricht weitere Hilfen. Dennoch ist die Nachfrage in einigen Bereichen groß.

Die Betten sind derzeit schnell gemacht: Den Hotels in Baden-Württemberg fehlen in der Corona-Krise die Gäste. Foto: Imago/Jochen Tack
Die Betten sind derzeit schnell gemacht: Den Hotels in Baden-Württemberg fehlen in der Corona-Krise die Gäste. Foto: Imago/Jochen Tack

Stuttgart - Die Kammern im Land rechnen infolge der Corona-Krise mit einem noch stärkeren Einbruch der Ausbildungszahlen als während der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009. „Je mehr Unternehmen existenzielle Schwierigkeiten befürchten, desto weniger neue Auszubildende werden sie einstellen oder erfolgreiche Ausbildungsabsolventen übernehmen“, sagte Johannes Schmalzl, Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart, unserer Zeitung.

Der Trend bei den Lehrstellen sei besorgniserregend. Demnach werden derzeit rund 15 Prozent weniger Lehrstellen angeboten als im Vorjahreszeitraum. Während der Finanzkrise waren die Zahlen um rund zwölf Prozent zurückgegangen, landesweit hatte der Rückgang rund neun Prozent betragen.

Schmalzl warnte die Betriebe davor, die Zahl der Ausbildungsplätze zu reduzieren oder Azubis nicht zu übernehmen. „Wegen des Fachkräftemangels wäre dies langfristig sowohl für die Berufsperspektiven junger Menschen als auch für die Nachwuchsrekrutierung vieler Firmen von Nachteil. Eine ,verlorene Generation’ an Absolventen kann und darf man sich nicht leisten.“

Mehr als 1400 freie Lehrstellen in der Region gemeldet

Angehenden Bewerbern machte die IHK dennoch Mut. Trotz Krise seien allein in der Region Stuttgart derzeit mehr als 1400 freie Lehrstellen gemeldet. Besonders oft werden Azubis für die kaufmännischen Berufe bei Banken, Industrie, Versicherungen und Handel sowie für Fachinformatik und Lagerlogistik gesucht. Die Ausbildungsplätze könnten dafür ausreichen, dass jeder Bewerber „einen Ausbildungsplatz in seinem Wunschberuf oder zumindest einem artverwandten Beruf“, bekomme, heißt es.

Auch bei der Handwerkskammer Stuttgart ist die Zahl der Ausbildungsstellen eingebrochen. Man setze aber darauf, dies im Jahresverlauf aufholen zu können. „Insgesamt hat das Handwerk bisher die Krise verhältnismäßig gut bewältigt. Die Auftragsbücher im Handwerk sind auch jetzt noch ganz gut gefüllt“, sagte Ausbildungsexperte Bernd Stockburger.

Die Landesregierung hat für Azubis erste Sofortmaßnahmen auf den Weg gebracht und stellt weitere Hilfen in Aussicht. Wer etwa Azubis aus insolventen Betrieben übernehme, erhalte eine Prämie, teilte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut unserer Zeitung mit.

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