Coronavirus in Stuttgart Wenige Neuinfektionen – Krisenstab der Stadt geht in „Standby-Modus“

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Dank der niedrigen Zahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus geht der Krisenstab bei der Stadt in den „Standby-Modus“. Die Fieberambulanz im Neckarpark und zwei Schutzunterkünfte werden geschlossen.

Dank der inzwischen sehr niedrigen Infektionszahlen kann die Fieberambulanz in der Jugendherberge in Bad Cannstatt geschlossen werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Dank der inzwischen sehr niedrigen Infektionszahlen kann die Fieberambulanz in der Jugendherberge in Bad Cannstatt geschlossen werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Nach anhaltend geringen Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Stuttgart hat der für die Bewältigung der Pandemie eingerichtete Verwaltungsstab seine Arbeit der inzwischen entspannteren Lage angepasst. So wird die bisherige Gefahreneinschätzung auf der vierstufigen Skala von drei (Orange) auf zwei (Gelb) vermindert. Der Verwaltungsstab, der jeden Tag zusammenkam, werde „in einen Standby-Modus versetzt“, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Außerdem wurde die sogenannte Fieberambulanz im Neckarpark, wo Menschen bei Verdacht auf eine Corona-Infektion getestet wurden, geschlossen. Gleiches gilt für zwei der drei Schutzunterkünfte, die als Quarantänestationen für infizierte Menschen, enge Kontaktpersonen und Verdachtsfälle dienten.

Auch ein bisschen Glück gehabt

Der Verwaltungsstab unter der Leitung von Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) war am 17. März eingesetzt worden. „Unsere Verwaltung war in den vergangenen Monaten dominiert vom Kampf gegen das Coronavirus“, sagte Kuhn. Dabei sei man erfreulicherweise „sehr erfolgreich“ gewesen. Man habe „alles getan, was man tun kann, aber wir haben auch ein bisschen Glück gehabt“, erklärte der OB. „Für eine Großstadt haben wir das gut gemacht“, ist er überzeugt. Obwohl man auch in Stuttgart anfangs durch viele Rückkehrer aus Skigebieten wie Südtirol eine beträchtliche Zahl von Infektionsfällen gehabt habe. Besonders hob der Oberbürgermeister den Einsatz der Stuttgarter Krankenhäuser hervor. „Unsere Kliniken haben hervorragend kooperiert.“

Als Vorsorge für einen möglichen neuen Anstieg von Infektionen plant die Stadt mit ihrem Klinikum ein „Pandemie-Lager“ für Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel mit Masken, Handschuhen, Schutzbrillen und Schutzanzügen.

Die meisten sind wieder genesen

In den vorigen Wochen bewegte sich die Zahl der neuen Infektionsfälle auf niedrigem Niveau. Bis jetzt wurden in Stuttgart 1545 Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. 1448 Personen gelten als genesen, noch 32 als aktuell infiziert. 66 Menschen sind bisher mit einer Corona-Infektion verstorben.

Anfang April hat die Stadt die drei Schutzunterkünfte als Quarantänestationen eingerichtet, was sich bewährt hat. So konnten dort etwa Menschen in Wohnungsnot untergebracht werden und Geflüchtete, die so nicht in ihren engen Unterkünften mit hohem Ansteckungsrisiko bleiben mussten. Insgesamt 220 Menschen wurden dort bisher betreut. Wegen der derzeit geringen Fallzahlen können jetzt zwei der Gebäude geschlossen werden. Die Unterkunft in der Hohenheimer Straße (32 Plätze, betreut vom DRK) ist seit Ende Juni zu. Das Gebäude an der Strombergstraße mit 71 Plätzen (Malteser Hilfsdienst) schließt am 15. Juli. Nur die Unterkunft an der Ulmer Straße mit 56 Plätzen (DRK) wird weiter aufrecht erhalten.

Auch die Fieberambulanz im Neckarpark, die von der Stadt und der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBW) betrieben wurde, hat am 30. Juni geschlossen, „bis auf Weiteres“. Geöffnet bleiben in der Stadt die Corona-Schwerpunktpraxen. In der Fieberambulanz in der Jugendherberge wurden in drei Monaten rund 4200 Patienten behandelt. Zuvor hatten 1200 Patienten vom 17. März bis zum 1. April im Alten Reitstadion die provisorische Corona-Ambulanz des DRK besucht.

Die Frage ist: Was passiert im Herbst?

Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann (Grüne) sagte, durch die Fieberambulanzen „konnten infizierte Patienten rasch versorgt und die Fallzahlen niedrig gehalten werden“. Der Leiter des Gesundheitsamts, Stefan Ehehalt, betonte, es habe sich „bewährt“, neben den Kliniken „eine separate Infrastruktur zu schaffen“. Der Vizechef der KVBW, Johannes Fechner, sagte, nun werde man die Zeit nutzen, um die Lager mit Schutzausrüstungen zu füllen, „so dass im Herbst, wenn die Infektzeit wieder beginnt, vorgesorgt ist. So sind wir bei Bedarf schnell handlungsfähig.“ Auch OB Fritz Kuhn sieht die Stadt „gut vorbereitet“. Sorgen bereite ihm der kommende Herbst und Winter trotzdem, da Aerosole, die lange im Raum bleiben, wenn nicht gut gelüftet wird, zu einem beträchtlichen Teil für die Corona-Infektionen verantwortlich seien. Kuhn: „Wenn die Menschen wieder mehr in den Räumen sind, wird das wieder wichtiger.“




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