Coronazahlen RKI schlägt schärfere Corona-Grenzwerte vor

Belegte Intensivbetten sind ein wichtiger Indikator. Foto: dpa/Kay Nietfeld
Belegte Intensivbetten sind ein wichtiger Indikator. Foto: dpa/Kay Nietfeld

Wenn es nach dem Institut geht, müssten die Warn- und Alarmstufen deutlich früher greifen, als in den meisten Ländern derzeit vorgesehen.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)
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Stuttgart - Das Robert-Koch-Institut (RKI) schlägt im Kampf gegen die Coronapandemie wesentlich schärfere Grenzwerte vor. Die im Papier „zur Vorbereitung auf den Herbst/Winter“ empfohlenen Werte für in drei Stufen verschärfte Coronaregeln werden aktuell in sieben Bundesländern überschritten, darunter in Baden-Württemberg. Das geht aus dem „Corona-Report“ des Science Media Center hervor. Das RKI empfiehlt für Stufe zwei etwa, Ungeimpfte von Bars oder vom Singen in Innenräumen auszuschließen. Die Werte für die nochmals schärfere Stufe drei werden überall eingehalten.

Methodische Probleme beim Erheben der Zahlen

Die RKI-Grenzwerte sind nicht verbindlich. Jedes Bundesland legt eigene fest. Während das Institut schärfere Regeln ab wöchentlich 1,5 im Krankenhaus aufgenommenen Covid-19-Patienten je 100 000 Einwohnern empfiehlt, gilt in Baden-Württemberg der Schwellenwert 8. Aktuell wird für das Land der Wert 2,3 berichtet.

Das RKI begründet seine schärferen Empfehlungen mit methodischen Problemen. Eine Recherche unserer Zeitung hatte Berichte von SWR, „Zeit“ und „Spiegel“ bestätigt, dass die tagesaktuelle Hospitalisierungsrate zu niedrig ausfällt – weil Kliniken neu aufgenommene Coronapatienten nicht direkt ans Gesundheitsamt melden. Das weiß man auch im Sozialministerium. „Die Aussagekraft des Wertes ist stark abhängig von der Datenqualität“, heißt es da offiziell. Als Unterton schwingt mit: So weit ist es mit der Datenqualität nicht her. Das Problem sei bekannt und existiere bundesweit.

Faxe nachts um 3

Der Intensivmediziner Christian Karagiannidis hat für die defizitäre Praxis Verständnis. Solche Meldungen oder eine Überprüfung des Impfstatus seien „im extrem stressigen Alltag das wirklich Allerletzte“. Bessere Daten bekomme man „mit automatisierten Datenexporten und nicht über den Assistenzarzt, der nachts um 3 Uhr ein Fax ans Gesundheitsamt schickt“.

Das Sozialministerium erklärt, man habe dafür gekämpft, dass die Hospitalisierungsrate nicht alleine zu schärferen Regeln führe. Aussagekräftiger sei die Lage auf den Intensivstationen. Allerdings sind die Schwellenwerte auch hier niedriger als vom RKI empfohlen. Das Institut nennt 3 und 12 Prozent mit Covid-Patienten belegte Intensivbetten als relevante Stufen, in Baden-Württemberg sind 11 beziehungsweise 17 Prozent maßgeblich. Zur Begründung heißt es aus dem Sozialministerium, man habe sich „mit den führenden Intensivmedizinern im Land“ abgestimmt und sei einer Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft Infektionsschutz gefolgt. Eine Anpassung sei nicht vorgesehen.




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