Country- und Western-Club Die Cowboys von der Münchinger Straße

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Der Country- und Western-Club bietet ein vielseitiges Konzertprogramm im eigenen Saloon.

Der Golden-Nugget-Saloon des Country- und Western-Clubs: von der Decke baumeln rustikale Glasleuchten, in den Vitrinen hängen antike Schwarzpulverpistolen. Foto: Isabelle Butschek
Der Golden-Nugget-Saloon des Country- und Western-Clubs: von der Decke baumeln rustikale Glasleuchten, in den Vitrinen hängen antike Schwarzpulverpistolen. Foto: Isabelle Butschek

Stammheim - Durch die Flügel der Schwingtür geht es hinein in den Wilden Westen. Die Holzdielen knarren unter den Schritten, von der Decke baumeln rustikale Glasleuchten mit verschnörkelten Haltern, in den Vitrinen hängen antike Schwarzpulverpistolen, und auf der Bühne in der Ecke steht ein altes Klavier, neben dem ein Schild warnt: „Don’t shoot the piano player“. Willkommen im Golden-Nugget-Saloon, dem Herz des Country- und Western-Clubs Stammheim (CWC). Der in Eigenarbeit umgebaute Clubraum ist die Grundlage des Vereins – mittlerweile mehr denn je. Denn er ist das, was dem CWC nach den Hochzeiten um die Jahrtausendwende herum geblieben ist. „Damals waren wir etwa 140 Mitglieder, inzwischen sind es noch 30“, sagt Rainer Haerle, der Vorsitzende. Große Open-Air-Veranstaltungen mit einem guten Dutzend verschiedener Musiker und Bands sowie einer eigens dafür aufgebauten Westernstadt, Hufeisenwerfen, Workshops in Lederarbeiten, Vorbereitung auf die Erlaubnisprüfung zum Schwarzpulverschießen, Tanzkurse in Line Dance, jeden Mittwoch Musik, dazu noch Ausflüge zu Pferderanchs oder Westernstädten: All diese Aktivitäten waren nach und nach aufgegeben worden. „Viele Mitglieder sind gestorben“, sagt Haerle. Und der Nachwuchs wurde rar. Auch der Abzug der amerikanischen Soldaten bedeutete für die Country-Clubs in Stuttgart und Umgebung einen herben Einschnitt: „Das haben viele nicht überlebt.“

Die Konzertbühne im Saloon wird von Musikern geschätzt.

Vor etwa zwei Jahren sah es so aus, als ob auch der CWC Stammheim in die ewigen Jagdgründe eingehen würde. Doch Haerle und seine Mitstreiter krempelten die Ärmel ihrer Cowboyhemden hoch und besannen sich auf ihre alte Stärke: den Saloon und seine nahezu unbegrenzten Möglichkeiten. „Um einen solchen Clubraum zu finden, müssen Sie weit fahren.“

Jeden ersten Mittwoch im Monat wird der Golden-Nugget-Saloon für Konzerte von Countrymusikern genutzt. Auf der Bühne stehen keine Hobbybands, sondern Vollprofis. John Miller zum Beispiel, Gast im vergangenen Dezember, tritt auch in Amsterdam, München oder London auf. Auch Helt Oncale aus New Orleans ist ein gern und häufig gesehener Gast. Ebenso Mandy, der seine Platten in Nashville produziert. Die Musikverantwortlichen achten darauf, dass für jeden Geschmack der Countrygemeinde etwas dabei ist: mal ein bisschen Bluegrass, mal eher Rockabilly oder auch mal Cajun-Musik; die von Harmonikas und Geigen geprägte Volksmusik der französischen Einwanderer Louisianas.

Die kleine Bühne hat inzwischen eine große Bekanntheit erlangt: „Erst heute habe ich wieder eine Anfrage von einer Countryband aus Ungarn bekommen“, sagt Rainer Haerle. Er weiß, was die Bands am Golden-Nugget-Saloon schätzen: „Wir haben einfach ein super Atmosphäre“, sagt er. Und das liegt nicht nur an der Deko oder daran, dass etwa 30 Prozent der Zuhörer in Cowboyoutfit erscheinen. „Bei uns wird während der Auftritte nicht gequatscht, sondern alle hören interessiert zu. Und das schätzen die Musiker.“

Die Konzerte sind stets gut besucht

Etwa 100 Gäste kommen zu jedem Konzert, „viele schon zwei Stunden vorher, um auch sicher einen Platz zu ergattern“. Und – was Haerle besonders freut – darunter sind regelmäßig jüngere Leute zu finden, die sich im Stile der Rockabilly-Mode kleiden. Zudem hat er auch viele Stammheimer neu für den Saloon und den Countrystil begeistern können. „Viele wussten gar nicht, dass es uns gibt.“ Und würden jetzt die ungezwungene Atmosphäre schätzen: „Ob man Lastwagenfahrer oder Arzt ist, spielt keine Rolle.“ Der 64-Jährige hofft, dass sich über die Musik und die Konzerte wieder neue Mitglieder gewinnen lassen. Und dass dann auch wieder andere Vereinsaktivitäten wie Clubabende oder Ausflüge angeboten werden können. Schön wäre auch, wenn der Saloon wieder öfters genützt werden würde – Haerle könnte ihn sich zum Beispiel gut als Übungsraum für Line-Dance-Gruppen vorstellen. Auch die Hufeisenanlage besteht noch. „Es ist alles da, und wir wollen es wieder mit Leben füllen.“

Info Das nächste Konzert findet am Mittwoch, 1. Februar, von 20 Uhr an statt. Gast ist die amerikanische Sängerin Ashleigh Flynn. Der Golden-Nugget-Saloon befindet sich an der Münchinger Straße 90.

Country-und Western-Club Stammheim Mail RHaerle@t-online.de

Homepage www.cwc-stammheim.de

Vorsitzender Rainer Haerle Kontakt Hornissenweg 43, Telefon 80 49 94

Gründungsjahr 1993

Mitgliederzahl 30

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